Sonntagsgedanke, 23.04.2017

In Hamburg habe ich am Rande einer Grünfläche ein kleines Täfelchen entdeckt. Viele Menschen gehen wahrscheinlich achtlos daran vorbei. Die Erfahrung lehrt: Auf solchen Täfelchen steht meistens doch nur: „Rasen betreten verboten“ oder: „Hunde sind an der Leine zu führen.“  Aber dieses Schild ist anders. „Bitte leben SIE jetzt“, steht darauf. Eine Bitte, die nicht gerade alltäglich ist. Manche sagen: „Ja, selbstverständlich lebe ich jetzt! Wann denn sonst?“ Aber nicht alle sind so.  Manche leben davon, dass sie in ihren Erinnerungen an vergangene Erlebnisse schwelgen. Es kann sehr wohltuend sein, wenn ich vom reichen Schatz meiner Erinnerungen zehren kann. Gerade dann, wenn die Gegenwart wenig Erfreuliches bietet. Aber wer nur vom Glanz vergangener Zeiten lebt, kann die schönen Momente der Gegenwart kaum wirklich wahrnehmen und würdigen.  

Andere sagen: „Man muss doch an die Zukunft denken, muss vorausschauend planen und frühzeitig die richtigen Weichen stellen. Wenn ich diese oder jene Durststrecke im Leben überwunden habe oder wenn ich dieses oder jenes Ziel erreicht habe: Dann fängt das wahre Leben an!“ Das Problem dabei hat schon Wilhelm Busch erkannt: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“. Da bleibt keine Zeit, das Erreichte zu genießen, und ich hetze rastlos zum nächsten Ziel.    

 „Bitte leben Sie jetzt“ - so einfach ist das nicht. Und trotzdem: Bitte leben Sie jetzt!

Gut ist es, wenn ich jeden Tag, jede Stunde, jeden Atemzug im Leben als eine unwiederbringliche Kostbarkeit, als ein Geschenk Gottes erleben kann. Doch was ist mit den Erlebnissen, von denen ich mir wünsche, sie wären nie geschehen? Was ist mit den Entscheidungen, bei denen ich hinterher bereue, dass ich sie getroffen habe? Manches gewinnt seinen Wert dadurch, dass ich in den Schwierigkeiten des Lebens reifen kann; einiges kann ich als eine herausfordernde Aufgabe verstehen, aus der ich hinterher gestärkt herausgehe. Doch manches bleibt auch als schmerzhafte Verwundung, als ein belastendes Bruchstück meines Lebens. Was mich trösten und stärken kann: Jesus Christus kennt die tiefsten Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung –  doch gerade ihm hat Gott, der Schöpfer, an Ostern ein neues Leben erschaffen. Jesus Christus kann mein verständnisvoller Begleiter sein; und es macht mir Mut, wenn ich seine Worte auf mich wirken lasse: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!
(Johannes 14 Vers 19)

Johannes Weißenstein, Pfarrer in Giengen, Hohenmemmingen und Sachsenhausen             

Sonntagsgedanke, 14.04.2017 - Karfreitag

Karfreitag

Der Anblick eines Kruzifixes mit dem geschundenen Jesus am Kreuz wirkt nicht nur auf Kinder oft verstörend. Künstler haben zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder neu versucht, das Leid des Todes Jesu am Kreuz darzustellen. Vom triumphierenden Christus in der Romanik, setzte sich in der Gotik die Darstellung des geplagten Jesus mit der Dornenkrone durch. Im Barock kam dann noch eine anklagende Haltung dazu. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das Wort Kruzifix „ans Kreuz geheftet“. Das Kruzifix wirkt nicht nur verstörend, sondern auch unbegreiflich. Der Tod Jesu zur Erlösung der Menschen, das war von Anfang an schwer zu verstehen. Der Apostel Paulus sagt deshalb, das Wort vom Kreuz ist für die Glaubenden Gottes Kraft, für die anderen eine Torheit (1. Kor 1,18).
Das wichtigste Symbol der Christen ist das Kreuz, dessen senkrechter Balken symbolisch für die Beziehung zwischen Mensch und Gott, der waagrechte für die Beziehung zwischen Mensch und Mitmensch steht. Für Christen ist Christus in der Mitte beider Wege, zu Gott und zu den Mitmenschen.
Für die Menschen, die unter dem Kreuz standen, war es dagegen die Trauer, die das Geschehen bestimmte, begleitet von Verzweiflung und dem Wehklagen (diese Bedeutung hat das altdeutsche Wort, von dem der Begriff Karfreitag hergeleitet ist).
Und doch lesen wir im Johannesevangelium einen Satz, der zu dieser brutalen Szene des gewaltsamen Todes Jesu zuerst gar nicht zu passen scheint: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16). Der Tod Jesu ist nicht das Ende, sondern er eröffnet Zukunft für uns. Zukunft bis hin zum ewigen Leben. Gott hat alles für uns getan, was getan werden kann, aus Liebe. Der Tod am Kreuz ist jedoch nicht das Ende. Der Karfreitag ist immer im Zusammenhang mit Ostern zu sehen, mit der Auferweckung Jesu. So weist der Karfreitag auch auf Ostern hin, auf das höchste Fest der Christen.

Johannes Geiger, Schuldekan

Sonntagsgedanke, 02.04.2017

Ich sollte mal….oder was wirklich zählt

Das erste Vierteljahr des neuen Jahres ist vorbei. Haben Sie auch zum Jahreswechsel gute Vorsätze gefasst? Mehr Sport, einen Sprachkurs, öfter mal rechtzeitig Feierabend machen…? Und? Wie sieht es aus mit der Umsetzung? Sind Sie zufrieden mit sich?

Ich hatte mir vorgenommen, öfter mal in Ruhe zu kommen und einfach die Seele baumeln lassen. Das ist ja gar nicht so einfach, denn es gibt innere Antreiber, die dieses zur Ruhe kommen verhindern. Zahlreiche Anforderungen in Beziehungen, familiäre Verpflichtungen, bei der Arbeit sind Anpassungen und Veränderungen nötig, die nur mit mehr Zeit und vielen Überlegungen bewältigt werden können.

Der Kreisel dreht sich –ich verfalle in Aktivismus. Keine Ruhe sondern dran bleiben. Aktiv und tatkräftig sein. Übrig bleibt danach eine gewisse Leere, die sich einstellt durch die ständige Präsenz, Erreichbarkeit, Konsum – alles im Überfluss. Mir fällt auf, oder ich meine, dass es eine zunehmend niedrigere Toleranzschwelle gibt, Menschen sind ungeduldig und anspruchsvoll. Sei es, dass man nicht schnell genug von der Ampel wegkommt, sei es, man hat nicht so schnell das Kleingeld oder die PIN für die Karte parat, gleich wird verbissen darauf hingewiesen, dass es pressiert, es muss schneller gehen, man möchte nicht warten. Die Welt dreht sich so scheint es, ein paar Takte schneller. Wie gelingt es denn dabei, wieder zu Kräften zu kommen und Gelassenheit zu üben.

Gut, einige Ansätze gibt es schon, ich habe eben damit angefangen, mir mein persönliches „outfit“ zu verpassen. Ich will mit meinen Kräften richtig umgehen, meinen Körper fit halten. Auch spüre ich, dass mir gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf gut tun. Ich besuche öfter mal einen Gottesdienst und finde hier wieder Erdung und eine tatsächliche Unterbrechung im Alltag. Ich fange an besser zu merken, worüber ich mich wirklich aufregen muss und was mich bekümmern muss – ja und worüber ich mich eben nicht kümmern muss. Vielleicht ist es wirklich einmal wieder an der Zeit sich bewusst zu machen, was wirklich zählt. Es sind doch die Begegnungen mit Menschen und das Zusammensein mit Freunden, die schlicht und einfach gut tun – und im besten Fall noch bei gemeinsamen Unternehmungen in der Natur.

Vielleicht denken auch Sie „ich sollte mal wieder in die Kirche gehen, ich sollte mal nachsichtiger sein mit meinem Nächsten, ich sollte mal dem lieben Gott öfter ins Fenster zu schauen, mich in meiner Freizeit in der Natur aufhalten.“

Tun Sie es und freuen sich mit mir auf die Frühlingswiesen, bald kommt wieder „Hanami“, das nicht mehr nur in Japan gefeiert wird– das Kirschblütenfest im Frühling, die Blütenpracht der Obstbäume , welche Kraft und welche Schönheit – ein Freudenfest für die Sinne und die Betrachtung tut der Seele gut.

Bärbel Gekeler
Geschäftsführerin
Ökumenische Sozialstation
Heidenheimer Land

Sonntagsgedanke, 19.03.2017

Frauenbilder – Frauenleben – Frauenrechte

Eine Kulturzeitschrift vom Frühjahr 2007 fällt mir in die Hände. Über Schriftstellerinnen im arabischen Sprachraum geht es da. Sie sind hoch gebildet, veröffentlichen Gedichte und Romane über die Rolle der Frau im Libanon, in Syrien, im Irak. Schaut man die Bilder an, könnten sie auch in einer westlichen Großstadt aufgenommen worden sein: in Paris, London oder Berlin. Die jungen Frauen blicken keck in die Kamera, sie tragen westliche Mode, keine ist verschleiert. Und sie sprechen über Gleichberechtigung. Kämpferisch klingt das, um Öffnung und Freiheit bemüht. Zehn Jahre später hat sich alles verändert. Dem Krieg in Syrien folgte die Heimatlosigkeit vieler Menschen. Die Asylzahlen des Bundesamts für Migration weisen unter den Geflüchteten gerade mal ein Drittel Frauen aus. Darunter sind auch arabische Schriftstellerinnen, die vor zehn Jahren dem Feminismus in ihrer Kultur Stimme und Gesicht gaben. Die Kulturzeitschrift gibt es nicht mehr. Aber die große Aufgabe bleibt: Frauenrechte immer wieder neu zum Thema zu machen. Gerade in der Debatte um Integration. Sicher, die Frauen aus anderen Kulturen müssen ihr Recht auf Unabhängigkeit selbst einfordern. Das mussten europäische Frauenrechtlerinnen ebenso. Auch in der Kirche. Jahrhundertelang war das biblisch-patriarchale Rollenverständnis bindend. Doch nach und nach emanzipierten sich die Frauen – das begann schon im Mittelalter als Frauen im Rang von Reichsfürstinnen unter dem Zeichen des Krummstabs Klöster leiteten und setzte sich dann fort mit den Frauen der Reformatoren, die eigenständig dachten und veröffentlichten. Heute sind Frauen im Pfarramt in den evangelischen Kirchen selbstverständlich. Sollte man meinen. Im letzten Jahr wurde die Kirchenverfassung in Lettland geändert und die seit 1975 eingeführte Frauenordination rückgängig gemacht. Geschlechtergerechtigkeit galt in Europa als Selbstverständlichkeit. Doch das lettische Beispiel zeigt, dass Freiheit auch wieder verspielt werden kann. Gerade deshalb braucht es angesichts der Herausforderung durch die Migration eine klare Haltung in Kirche und Politik. Wenn Frauen nicht die Unterstützung für ihren berechtigten Wunsch nach Selbstbestimmung erfahren, die sie sich bei ihrer Flucht nach Europa erhofft hatten, stimmt mich das traurig. Nach christlicher Auffassung sind Männer und Frauen gleichermaßen Ebenbilder Gottes. Da gibt es keine Vorrangstellung. An der Haltung der Kirchen wird ablesbar, ob ihr die Geschlechtergerechtigkeit angesichts gesellschaftlicher Veränderungsprozesse immer noch ein wichtiges Anliegen ist. Ich wünsche es mir von Herzen um einer guten Zukunft willen.

Iris Carina Kettinger
Pfarrerin in der Evang. Auferstehungskirchengemeinde Heidenheim

Sonntagsgedanke, 05.03.2017

Sieben Wochen ohne „sofort“!

„…am Aschermittwoch ist alles vorbei…!“. Am vergangenen Mittwoch ging die „fünfte Jahreszeit“ zu Ende, und die – kirchlich gesehen – vorösterliche Fastenzeit begann. 46 Tage lang – vom Ascher­mittwoch bis zum Ostersonntag – haben die Christinnen und Christen jahrhundertelang jedes Jahr Verzicht geübt. Meistens haben Sie in dieser Zeit auf Fleisch verzichtet. Aus dieser Tradition heraus lässt sich sogar der Name „Karne-val“ erklären, denn das bedeutet wörtlich übersetzt „Fleisch – auf Wiedersehen!“. Vor dem zeitweiligen Abschied vom Fleisch sollte also noch einmal richtig gefeiert werden…

Findige Christen hatten bald kreative Ideen, um das kirchliche Fleischverbot an den 40 Werktagen plus 6 Sonntagen vor Ostern zu umgehen. So wurde zum Beispiel (kein Scherz!) der Biber kurzerhand zum Fisch erklärt, weil er ja im Wasser lebt – und „Biberbraten“ wurde ein beliebtes „Fischgericht“ in der Fastenzeit. Und wir Schwaben erfanden die „Herrgotts­b‘scheißerle" – die Maul­taschen, in denen das Fleisch so gut versteckt war, dass man es auch in der Fastenzeit heimlich essen konnte, ohne dass Gott es sah…

In der modernen Zeit des 21.Jahrhunderts kommt der Verzicht auf Fleisch in der Fastenzeit mehr und mehr aus der Mode. Schade eigentlich – werden nicht nur Veganer sagen… Und doch liegt das Thema „zeitweiliger Verzicht“ im Trend – in einer aktuellen Umfrage erklärten sich 65% der Deutschen dazu bereit.

Aber auf was könnte man in den sieben Wochen vor Ostern verzichten? Auf das Handy? Die Schoko­lade? Das Auto? Tatsächlich: Zum „Autofasten“ rief in diesen Tagen das Umweltministerium auf…

Die Aktion der Evangelischen Kirche zur diesjährigen Fastenzeit schaut in eine andere Richtung. Unter dem Motto „Sieben Wochen ohne sofort“ ruft sie zur „Entschleunigung“ auf. Tempo herausnehmen, mal eine Pause machen, sich Zeit nehmen – so wie Gott am siebten Schöpfungstag – das soll das Motto von Christinnen und Christen bis Ostern sein. Ob es gelingt, diesen Gedanken – nein: diesen Lebensstil! – in einer hektischen und schnelllebigen Zeit sieben Wochen „durchzuhalten“?

Pfarrer Steffen Palmer, Evangelische Kirchengemeinde Sontheim/Brenz

Sonntagsgedanke, 17.02.2017

Wie sehen Ihre Hände aus? Haben Sie sie heute schon genauer betrachtet? Vielleicht sind sie frisch gewaschen oder aber da sind Spuren zu sehen von der Arbeit. Vielleicht hat auch die Katze Kratzer hinterlassen oder da sind Narben von früher. Vielleicht sind sie von dem kalten Wetter zur Zeit eher rau. Wenn ich die Innenseite meiner Hände anschaue, dann entdecke ich da viele Linien. Breite und markante, aber auch kleine und zarte.

Diese unsere Hand strecken wir zur Begrüßung anderen Menschen hin.

Gott ist der, der uns Menschen die Hände hinstreckt. „Siehe hier, meine Hände!“ sagt Gott. „In diese meine Hände habe ich dich gezeichnet“. So spricht Gott zum Volk Israel durch den Propheten Jesaja, und so spricht er heute zu Ihnen und zu mir. „Siehe hier, meine Hände. In diese meine Hände habe ich dich gezeichnet.“ (Jesaja 49,16a)

Manche Schüler schreiben sich im Unterricht etwas auf die Hand, um es nicht zu vergessen. Ich habe da schon Telefonnummern, Hausaufgaben, Spickzettel und anderes mehr gesehen. Meist nehmen Sie dazu einen Kuli, der geht mit etwas Wasser, Seife und rubbeln auch wieder weg.

Gott aber hat Sie mit einem nicht abwaschbaren Stift in seine Hand geschrieben. „Ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet; du bist mir stets vor Augen“ sagt er.

Er hat Sie und mich in seine Hand eingraviert, eintätowiert.

Manche lassen sich irgendwo auf ihren Körper den Namen des geliebten Partners tätowieren. Ich habe von einem Mann gelesen, der sich den Namen seiner Angebeteten auf den Arm tätowieren ließ. So begeistert war er von ihr. Leider ist daraus dann aber doch nichts Festes geworden. Es war sehr schmerzhaft und hinterließ sichtbare Narben diese Tätowierung entfernen zu lassen, als er dann eine andere geheiratet hat.

Gott hat uns in seine Hände tätowieren lassen. Und selbst wenn wir bisher seine Liebe nicht erwidert haben, er hat diese Tätowierung nicht entfernt. Noch immer besteht seine Liebe für uns.

Gott sagt: „Ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet.”
Ich finde dieses Bild tröstlich: Mag ich mich auch noch so vergessen und von allen guten Geistern verlassen wähnen, bei Gott bin ich nicht vergessen.

Hanna Wißmann, Pfarrerin in Bolheim

Sonntagsgedanke, 05.02.2017

Das Gute, das Du tust, wird morgen vergessen sein,
tue trotzdem Gutes.

 

Diese Worte werden Mutter Theresa zugesprochen. Es ist ein Satz der mir von einem Kalenderblatt in den Blick kam und der mich zu den heutigen Sonntagsgedanken anregte.

Ich möchte Ihnen heute das Gegenteil beweisen: Gutes tun wird nicht vergessen und tut gut.

In meiner Arbeit habe ich es mit Menschen zu tun, die tagtäglich Gutes tun, die den Beweis antreten dass Nächstenliebe lebbar ist und die es, trotz Vergessen und Undank immer und immer wieder schaffen, Gutes zu tun.

Nun könnte man sagen, die Sozialarbeiter der Wohlfahrtsverbände, der Träger öffentlicher und privater Einrichtungen erhalten ja einen Lohn für ihre Arbeit und es ist ihr Auftrag, den Hilfe- und Ratsuchenden Wege aus ihrer Not aufzuzeigen. Das stimmt nur zum Teil, denn ich bin mir sicher, dass  meine Mitarbeitenden sehr viel mehr Engagement geben, als ihr Arbeitsvertrag es verlangt. Und auch das Vergessen nehmen sie mit Professionalität in Kauf.

Ähnlich ist es, ehrenamtlich für einen Sozialverband wie z.B. die Diakonie, Caritas, AWO, DRK oder den Kinderschutzbund zu arbeiten, sich für Asylsuchende, Wohnungslose, von Gewalt bedrohte oder einfach nur ausgegrenzte Mitmenschen zu engagieren.

Derzeit gibt es in unserem Landkreis zwei Vesperkirchen, die mit enormem, personellem Aufwand von vielen Ehrenamtlichen seit Jahren zuverlässig unterhalten werden. In Giengen und Heidenheim engagieren sich mit den Ehrenamtlichen viele Politiker und Amtsträger, die in einer Vesperkirche nicht als erste erwartet werden. So kann es passieren, dass in Heidenheim z.B. der Oberbürgermeister, der Chef der Volksbank oder des Jobcenters bedient, dass man zusammen mit dem Dekan speisen und sich unterhalten kann, dass die Nachbarskinder Kuchen und Kaffee anbieten oder den Tisch abräumen.

Auch kulturelle Genüsse kommen nicht zu kurz;  z.B. treten aktive Musiker, Schulklassen und Chöre ohne Honorar auf und tragen zur Unterhaltung und kulturellen Bildung bei.

Dies ist eine Anerkennungskultur der besonderen Art und eine, die dem oben zitierten Satz widerspricht. Bestätigung, dass bürgerschaftliches Engagement nicht „morgen vergessen sein wird“ geschieht bei uns auf vielfältige Art; so werden in jedem Jahr beim Bürgerempfang oder bei der Verleihung des Deutschen Bürgerpreises, um nur zwei exemplarisch zu nennen, aktive Ehrenamtliche auf besondere Weise ausgezeichnet.

Unsere Stadtväter beweisen hier, dass in Heidenheim eben nicht nur Fußball gespielt wird, sondern eine bürgerliche Gemeinschaft entstehen kann, die viel mehr ist als zusammen arbeiten und wohnen.

Auch das macht unsere Stadt lebenswert und gibt Grund zum Nachdenken und DANKE sagen an alle Genannten und Ungenannten, denen eine soziale Gesellschaft wichtig ist.

In diesem Sinne „Tuen Sie Gutes und reden Sie darüber“ wie Don Bosco sagte.

 

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen und Ihren Lieben
Frank Rosenkranz

Sonntagsgedanke, 22.01.2017

Ach Gott!

Ach Gott, oh Gott, Jesses Gott, du lieber Gott, Gott sei Dank, mein Gott – bestimmt kommen Ihnen diese oder ähnliche Redewendungen bekannt vor. Vielleicht haben Sie sie heute selbst schon benutzt. Wenn wir ehrlich sind, kommen sie uns schnell über die Lippen - ohne dass wir darüber nachdenken.

Ist uns bewusst, dass das, was wir gedankenlos von uns geben, eine tiefe Bedeutung hat? Schließlich handelt es sich, recht verstanden, um kurze Stoßgebete oder Gebetseröffnungen. „Ach Gott“ ist ein mit emotionalem Nachdruck versehener Gebetsbeginn, der z. B. in eine Klage mündet. Ähnlich „oh Gott“. „Jesses Gott“ wendet sich an Jesus Christus, den Sohn Gottes und betont seine Gottheit. „Du lieber Gott“ erinnert daran, dass Gott voller Liebe und Güte ist. „Gott sei Dank“ meint den Dank an Gott etwa für die Bewahrung in einer kritischen Situation. Und „mein Gott“ bekennt die tiefe Bindung des Beters an Gott: Gott ist nicht ein weit entferntes Wesen, sondern Gott für mich, mit dem ich in einer ganz persönlichen Beziehung lebe.

Im 2. Mosebuch lesen wir: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ (2. Mose 20, 7) Gottes Name ist heilig und so wertvoll, dass wir ihn nur überlegt und mit Respekt verwenden sollen.

Wie wäre es, wenn wir einen Tag lang die genannten Redewendungen nicht mehr gedankenlos dahinsagen, sondern ganz bewusst als Chance begreifen, mit dem lebendigen Gott in Kontakt zu treten? Spannende Erfahrungen und Entdeckungen sind garantiert. Wir beginnen, im Alltag zu beten! Und machen Sie doch ruhig einmal Ihre Mitmenschen beim nächsten „Ach Gott“ oder „Mein Gott“ darauf aufmerksam: „Weißt du, dass du gerade betest?“ Und dann sprechen Sie darüber – es lohnt sich!

Pfarrer Andreas Neumeister, Steinheim

Sonntagsgedanke, 06.01.2017

Caspar, Melchior und Balthasar haben einen langen Weg zurückgelegt. Von weit her kommen die drei Könige und besuchen das neugeborene Jesuskind im Stall. Das ist die Geschichte, die wir mit dem Erscheinungsfest bzw. Dreikönigstag am 6. Januar verbinden.

Wer die Erzählung beim Evangelisten Matthäus nachliest, wird entdecken, dass dort weder von Königen die Rede ist, noch davon, wie groß diese Besuchergruppe war. Auch Namen werden nicht genannt. Die Geschichte von den Heiligen drei Königen – oder sagen wir besser: den Weisen aus dem Orient? – ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich Fakten, Gehörtes und eigene Interpretation zu einem Bild verbinden. Am Ende entsteht eine Legende.

Mit den Weisen aus dem Morgenland verhielt es sich wohl so: Seit dem 6. Jahrhundert werden die Sterndeuter Könige genannt. Das hat wohl mit den wertvollen Geschenken zu tun, die sie dem Jesuskind mitbrachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Solche Geschenke konnten sich doch wohl nur Könige leisten, dachte man. Drei Geschenke – drei Besucher. So wurden aus den „Weisen aus dem Morgenland“ die heiligen drei Könige. Ihre Namen bekamen sie noch später. Schließlich schloss sich die Vorstellung an, dass jeder dieser drei aus einem der damals bekannten Erdteile käme – aus Europa, Asien und Afrika. Auch über das Alter machte man sich Gedanken, und kam zum Schluss, dass es ein Jüngling, ein erwachsener Mann und ein Greis gewesen sein musste.

Auch wenn das alles so nicht in der Bibel steht, hat diese Legende für mich doch einen großen Wert. Denn sie macht auf ihre Weise deutlich, was wir in dieser Weihnachtszeit feiern: die Geburt des Gottessohnes Jesus Christus, der für alle Menschen gleichermaßen in die Welt gekommen ist. Allen Menschen, aus allen Völkern und Nationen, Jung und Alt, gilt seine Liebe. Alle gemeinsam sind sie aufgefordert und eingeladen, ihm nachzufolgen und zu vertrauen.

Gott offenbart sich der ganzen Welt in einem Kind. In Jesus Christus ist das Licht und der Heiland aller Völker erschienen. Das feiern wir am Erscheinungsfest.

 

Rolf Wachter
Pfarrer in Heuchlingen und Heldenfingen