Von Schafen, Zöllnern und anderen Berufen

„Das ist nicht in Ordnung!“, sagt mein Mann. Der Jurist entrüstet sich, weil ich sage, dass Jesus sagte: „Es ist mehr Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen“! (Lukas 15,7)  So ein kleiner Pharisäer, der Herr Anwalt, schmunzle ich im Stillen. In seinem Gewerbe ist doch viel mehr verdient an dem einen Sünder, der juristischen Beistand braucht bei Behörden oder vor Gericht, als an den 99 Gerechten, die nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Und Frage am Rande: „Steckt schlechter Umgang eigentlich an? Wer tagtäglich mit Gesetzesbrechern zu tun hat, wird der dann irgendwann wie sie?“ Ich ernte ein empörtes Kopfschütteln. Im Evangelium nach Lukas wird erzählt, Jesus isst und trinkt und redet damals mit beiden Gruppen: den Zöllnern, die sich an den Steuereinnahmen versündigt hatten, und den Schrift gelehrten Anwälten der theologischen Sache, die ihrerseits darüber maulen, dass sich Jesus mit „so welchen“ abgibt, und die sich vor Ansteckung fürchten. Und dann spricht Jesus zu ihnen von Schafen und von der Herde, aus der eines ausbricht, und vom Hirten, der seine 99 Schafe sich selbst überlässt, um das eine, verirrte, zu suchen und zu finden, und über die Freude, als er es gesund zurückbringt. „Und genau das ist dann die göttliche Ordnung“, sage ich: egal, was wir uns zu Schulden kommen lassen, egal, zu welcher übel beleumundeten Schicht oder Gruppe man uns rechnet, egal, wie sehr wir es auf die Spitze treiben, womit auch immer, und so schuldig werden vor dem Gesetz, wir können uns finden lassen, wieder zur Herde zurückkommen, umkehren,  um wieder eingegliedert zu werden, und der Himmel wird sich darüber freuen! „Der Gerechte muss viel leiden…“, versucht mein Mann eine letzte Replik, und  ich retourniere: „ …aber aus alledem hilft ihm der Herr!“ Einen erfreulichen und gesegneten Sonntag im Kreis Ihrer Herde, pardon, Ihrer LiebenJ!

Dr. Waltraud Bretzger
Mitglied der 15. Württembergischen Evangelischen Landessynode
Heidenheim

Sonntagsgedanke, 18.06.2017

Die Wunder unserer Erde wecken Staunen! Atemberaubend die Schönheit eines klaren Sternenhimmels mit seinen abertausenden Sternen, Galaxien und Nebeln! Ergreifend die unendliche Weite am Ufer des Meers. Beeindruckend die Kraft der Gezeiten, die die Wassermassen vom Land wegzieht und zu seiner Zeit wieder zurückbringt! Unsagbar großartig die Hoheit der großen Gebirgszüge der Alpen mit ihrer Schönheit. Einzigartig wundervoll der Moment eines Sonnenaufgangs, wenn sich glühend und leuchtend unsere Sonne vom tiefblauen Horizont erhebt und mit ihrer Strahlkraft dem neuen Tag Leben und Wärme schenkt. All das soll Zufall sein? Es braucht „viel Glaube“ dies alles dem „Zufall“ zuzuschreiben – und: selbst wenn dies so wäre, mit wem würde ich mich dann gemeinsam über die Wunder der Natur freuen? Bliebe der Mensch nicht alleine, wenn er die Wunder seiner Mitwelt einer Verkettung von Zufallswahrscheinlichkeiten zurechnete? Ich will es da anders halten und fröhlich zu Gott sagen: „Du, hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk!“ so hält es schon der Prophet Jesaja vor tausenden Jahren fest! Und: Ich will meinen Gott für jeden kleinen oder großen wundervollen Schöpfungsmoment loben und sagen: „Betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!“ Wie herrlich muss dann erst dieser Gott für mich sein und reich an Leben, wenn schon seine Schöpfung so unsagbar groß ist?! 

Pfarrer Steffen Hägele, Hermaringen und Giengen Süd.

Sonntagsgedanke, 04.06.2017

… da ist Freiheit!

Riesengroß kommt er mir entgegen, der Halbsatz, den die Württembergische Landeskirche zum Reformationsjubiläum als Motto gewählt hat. Ich stehe vor dem Ulmer Münster und da entdecke ich dieses Wort von der Freiheit auf einem Plakat. Weiße Schrift auf kirchenviolettem Hintergrund. Ein großes Banner gleich vor dem Eingang. Unübersehbar wird auf dem Münsterplatz die Freiheit zum Thema. Freude steigt in mir auf. Nicht nur, weil Freiheit etwas Wunderbares ist in einer Welt, in der die bürgerlichen Freiheitsrechte einem verstärkten Bedürfnis nach Sicherheit weichen müssen. Nicht nur, weil ich die Freizügigkeit meiner Kindertage in den 70er Jahren schmerzlich vermisse, wenn ich über einengende Kleidervorschriften in den unterschiedlichen Kulturen, über total durchorganisierte Studiengänge jenseits jeglicher akademischer Freiheit und über die Humorlosigkeit politischer Korrektheit nachdenke. Freude steigt in mir vor allem auf, weil der Satz von der Freiheit aus dem 2. Brief des Paulus an die Christen in Korinth das Bibelwort ist, das mir zu meiner Konfirmation vor vierzig Jahren als Denkspruch mit auf den Weg gegeben wurde und mich seither begleitet hat. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, das muss unser alter Pfarrer wohl gespürt haben, als er mir dieses Wort zugedacht hat. Das Land der Freiheit jenseits engstirniger Vorstellungen, engherziger Festlegungen und liebloser Erwartungen ist etwas ungemein Verlockendes. Grenzenlose Freiheit, Raum für Kreativität, keine Fesseln überkommener Gewohnheiten. Wie Reinhard Meys Lied es besingt: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Ja, Gott gewährt uns Menschen Freiräume und schenkt uns den Mut zur Freiheit. Das war die eigentliche Entdeckung Luthers vor 500 Jahren. Der Geschmack der Freiheit im Glauben an Jesus Christus, der zwangsläufig mit manchen mittelalterlichen Vorstellungen brechen musste. Doch ist das Maß der Freiheit nicht einfach der menschliche Wille und Freiheit der Kinder Gottes nicht gleichzusetzen mit ungebremster Zügellosigkeit. Denn vollständig lautet das Wort aus dem 2. Korintherbrief „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Mein Mann und ich haben dieses Wort mit dem Bezug auf den Geist Jesu als Predigttext für unsere kirchliche Trauung vor fünfundzwanzig Jahren gewählt. Wir alle erinnern uns an die Geschichte von Pfingsten, wo sich die Menschen über sprachliche und kulturelle Unterschiede hinweg verstehen können. Gottes Geist hat dies ermöglicht. Die Freiheit findet ihren Bezugsrahmen in ebendiesem Geist Gottes, der weht, wo er will und sich nicht einsperren oder vereinnahmen lässt. Jenseits des Geistes Gottes gibt es keine Freiheit, die verlockend wäre. Denn absolute Freiheit ohne jegliche Bindung an Regeln oder das Gewissen wäre grausam und launisch. Weil der Freiheit immer der Hang zur Grenzüberschreitung und zur Tyrannei innewohnt. Freiheit, die keine Grenzen anerkennt und respektiert, wird rücksichtslos, setzt sich selbst aufs Spiel und geht unter. Darum sagt Paulus, dass die Freiheit da ist, wo der Geist des Herrn ist. Jesus hat sich den Randgruppen seiner Zeit zugewandt: den Zöllnern, den Sündern, den Kranken und Behinderten, den Besessenen, den Fremden. Er hat sie alle aus ihren jeweiligen Zwängen befreit und ihre Füße auf weiten Raum gestellt. Sein Geist ist seit Pfingsten unter uns und vermag zu trösten in der Trostlosigkeit unseres Lebens, er vermag Frieden zu stiften in aller Zerstrittenheit unserer Welt und er lehrt uns, sensibel zu sein für die Freiheit, auf die sich die Sehnsucht der Menschen richtet. Wo immer wir Freiheit für uns reklamieren, gilt es Acht zu geben, dass wir die Freiheit anderer nicht minimieren. Gottes Geist nimmt uns in die Verantwortung für eine Atmosphäre des Vertrauens und der Barmherzigkeit, damit die Welt aufatmen kann.

Pfarrerin Iris Carina Kettinger
Evang. Auferstehungskirchengemeinde Heidenheim
Mitglied der 15. Württ. Evang. Landessynode

Sonntagsgedanke, 28.05.2017

Ist sie Opfer, ist sie Täterin? – Auf jeden Fall ist sie gescheitert und mit ihr die Dreiecksbeziehung, in die sie hineingezwungen worden war. Sie trug das Kind unterm Herzen, das eigentlich ihre Herrin gebären wollte. Von ihrer Herrin gemobbt hält sie es nicht mehr aus und flieht in die Wüste – innerlich war sie da schon lange. Die Rede ist von Hagar, der Sklavin von Sara und Abraham.  Die beiden wollen dem Versprechen Gottes nachhelfen, Abraham unendlich viele Nachkommen zu schenken. Hagar wird sozusagen zur Leihmutter.

In der Ausweglosigkeit der Wüste begegnet Hagar Gott. Obwohl es am Verhalten der Drei mehr als genug zu kritisieren gibt, begegnet Gott Hagar nicht richtend, nicht verurteilend oder gar strafend. Im Gegenteil: Hager erfährt, dass sie in ihrer Not nicht alleine ist; dass Gott sie begleitet und ihr neue Wege aufzeigt. Gott eröffnet Hager eine neue Lebensperspektive. Als einzige Frau in der Bibel bekommt Hagar die Verheißung Gottes, die Stammmutter eines großen Volkes zu werden, persönlich zugesprochen. 

„Du siehst mich“ - das ist das Motto des Kirchentages, der in diesen Tagen in Berlin stattfindet. „Du siehst mich“, das ist Hagars Zusammenfassung ihrer Gottes - Erfahrung. Ich stelle mir vor, dass Hagar sie  staunend spricht, hoffnungsvoll mit neuer Kraft ausgestattet. Du siehst mich - das ist Hagar zur Gewissheit geworden und das schenkt ihr die Kraft, sich wieder ihrem Alltag zu stellen mit all seinen Problemen und Ausweglosigkeiten.

„Du siehst mich!“ sagt Hagar. Das möchte ich auch sagen können, immer wieder neu. ich wünsche mir und Ihnen, dass uns  das gelingt - voll Vertrauen und Hoffnung im Herzen.

Rolf Bareis, Pfarrer in Brenz/Bergenweiler

Sonntagsgedanke, 21.05.2017

Eure Namen sind aufgeschrieben im Himmel

Ausmisten tut gut. Auch im Pfarramt. Wie vieles hat sich da mit den Jahren angesammelt. Broschüren, alte Diareihen und - Karteikästen. Mit schöner Schrift sind die Schilder versehen: Altennachmittag, Seelsorgekartei, Gemeindedienst. Die meisten Kästen sind leer. Ein paar vergilbte Karten nur finde ich in der einen Holzkiste vor. Früher, bevor es die Elektronische Datenverarbeitung gab (die heute auch schon längst nicht mehr so heißt) gab es Karteien in jedem Amt. Erfasst wurden die Menschen, zu Gruppen geordnet, alphabetisch angelegt, mit Anmerkungen versehen. Ob du wolltest oder nicht, ein Griff in den Zettelkasten und du warst erkannt. Und heute? Geht es per PC noch viel schneller. Darum: weg mit den alten Karteikästen. Auf Knopfdruck hat man dich heute auf dem Schirm.

Das kann einem angst machen. Vor allem, weil man ja nicht weiß, was da alles so gesammelt und gespeichert wurde. Und wem das jetzt so alles zur Verfügung steht. Es ist gut, wenn man hier Vorsicht walten lässt und genauer hinsieht.

Auf der anderen Seite: Was weiß denn so ein Datenblatt wirklich von mir? Ob ich heute Morgen mit Kopfweh aufgewacht bin oder gestern in der Sonne bei einem Cappuccino mit einem Unbekannten ein nettes Gespräch geführt habe? Ob ich mir Sorgen mache über einen Freund, der geschäftlich in ein Krisengebiet reisen musste. Oder dass mich neulich die Musik bei einem Konzert so ungeheuer inspiriert hat. Obwohl solche Dinge inzwischen auch in alle Welt hinausgepostet werden: nur ich kann es wirklich empfinden, habe es wirklich erlebt. Das was mich als Mensch ausmacht, lässt sich nicht zusammenrechnen, nicht verdrahten, nicht weltweit vermitteln. Ich bin immer etwas anderes, als meine Daten von mir hergeben. Ja, ich selbst darf von mir überrascht bleiben, von meinen Ideen und Möglichkeiten und von dem was mir als nächstes einfällt.

Und doch gibt es einen, bei dem ich das gesammelte Programm meines Menschseins sicher aufbewahrt weiß. „Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind“, sagt Jesus zu seinen Freunden (Lukas 10, 20). Bei Gott brauchen wir uns nicht ständig in Erinnerung rufen. Wir müssen  nicht im Dauermodus Meldungen absetzen, dass er sieht wir sind noch da. Er kennt uns. Und das nicht nur mit Namen. Auch was wir fühlen, was wir wünschen, was wir verbocken und übersehen, und dann auch wieder was wir lieben, wonach wir uns sehnen. Gott weiß das alles – und heißt es gut, lässt uns gerecht sein.

Nicht nur Karteikästen gelten nichts mehr vor Gott. Wo wir nur sonst zu Daten schrumpfen, lässt er uns ganz Mensch sein. Freuen wir uns über unsere Namen im Himmel.

Pfarrer Frank Bendler
Evangelische Auferstehungskirchengemeinde

Sonntagsgedanke, 23.04.2017

Schild: Bitte leben Sie jetzt

© J. Weißenstein, Hohenmemmingen

In Hamburg habe ich am Rande einer Grünfläche ein kleines Täfelchen entdeckt. Viele Menschen gehen wahrscheinlich achtlos daran vorbei. Die Erfahrung lehrt: Auf solchen Täfelchen steht meistens doch nur: „Rasen betreten verboten“ oder: „Hunde sind an der Leine zu führen.“  Aber dieses Schild ist anders. „Bitte leben SIE jetzt“, steht darauf. Eine Bitte, die nicht gerade alltäglich ist. Manche sagen: „Ja, selbstverständlich lebe ich jetzt! Wann denn sonst?“ Aber nicht alle sind so.  Manche leben davon, dass sie in ihren Erinnerungen an vergangene Erlebnisse schwelgen. Es kann sehr wohltuend sein, wenn ich vom reichen Schatz meiner Erinnerungen zehren kann. Gerade dann, wenn die Gegenwart wenig Erfreuliches bietet. Aber wer nur vom Glanz vergangener Zeiten lebt, kann die schönen Momente der Gegenwart kaum wirklich wahrnehmen und würdigen.  

Andere sagen: „Man muss doch an die Zukunft denken, muss vorausschauend planen und frühzeitig die richtigen Weichen stellen. Wenn ich diese oder jene Durststrecke im Leben überwunden habe oder wenn ich dieses oder jenes Ziel erreicht habe: Dann fängt das wahre Leben an!“ Das Problem dabei hat schon Wilhelm Busch erkannt: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge“. Da bleibt keine Zeit, das Erreichte zu genießen, und ich hetze rastlos zum nächsten Ziel.    

 „Bitte leben Sie jetzt“ - so einfach ist das nicht. Und trotzdem: Bitte leben Sie jetzt!

Gut ist es, wenn ich jeden Tag, jede Stunde, jeden Atemzug im Leben als eine unwiederbringliche Kostbarkeit, als ein Geschenk Gottes erleben kann. Doch was ist mit den Erlebnissen, von denen ich mir wünsche, sie wären nie geschehen? Was ist mit den Entscheidungen, bei denen ich hinterher bereue, dass ich sie getroffen habe? Manches gewinnt seinen Wert dadurch, dass ich in den Schwierigkeiten des Lebens reifen kann; einiges kann ich als eine herausfordernde Aufgabe verstehen, aus der ich hinterher gestärkt herausgehe. Doch manches bleibt auch als schmerzhafte Verwundung, als ein belastendes Bruchstück meines Lebens. Was mich trösten und stärken kann: Jesus Christus kennt die tiefsten Tiefen des Lebens aus eigener Erfahrung –  doch gerade ihm hat Gott, der Schöpfer, an Ostern ein neues Leben erschaffen. Jesus Christus kann mein verständnisvoller Begleiter sein; und es macht mir Mut, wenn ich seine Worte auf mich wirken lasse: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!
(Johannes 14 Vers 19)

Johannes Weißenstein, Pfarrer in Giengen, Hohenmemmingen und Sachsenhausen             

Sonntagsgedanke, 14.04.2017 - Karfreitag

Karfreitag

Der Anblick eines Kruzifixes mit dem geschundenen Jesus am Kreuz wirkt nicht nur auf Kinder oft verstörend. Künstler haben zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder neu versucht, das Leid des Todes Jesu am Kreuz darzustellen. Vom triumphierenden Christus in der Romanik, setzte sich in der Gotik die Darstellung des geplagten Jesus mit der Dornenkrone durch. Im Barock kam dann noch eine anklagende Haltung dazu. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das Wort Kruzifix „ans Kreuz geheftet“. Das Kruzifix wirkt nicht nur verstörend, sondern auch unbegreiflich. Der Tod Jesu zur Erlösung der Menschen, das war von Anfang an schwer zu verstehen. Der Apostel Paulus sagt deshalb, das Wort vom Kreuz ist für die Glaubenden Gottes Kraft, für die anderen eine Torheit (1. Kor 1,18).
Das wichtigste Symbol der Christen ist das Kreuz, dessen senkrechter Balken symbolisch für die Beziehung zwischen Mensch und Gott, der waagrechte für die Beziehung zwischen Mensch und Mitmensch steht. Für Christen ist Christus in der Mitte beider Wege, zu Gott und zu den Mitmenschen.
Für die Menschen, die unter dem Kreuz standen, war es dagegen die Trauer, die das Geschehen bestimmte, begleitet von Verzweiflung und dem Wehklagen (diese Bedeutung hat das altdeutsche Wort, von dem der Begriff Karfreitag hergeleitet ist).
Und doch lesen wir im Johannesevangelium einen Satz, der zu dieser brutalen Szene des gewaltsamen Todes Jesu zuerst gar nicht zu passen scheint: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16). Der Tod Jesu ist nicht das Ende, sondern er eröffnet Zukunft für uns. Zukunft bis hin zum ewigen Leben. Gott hat alles für uns getan, was getan werden kann, aus Liebe. Der Tod am Kreuz ist jedoch nicht das Ende. Der Karfreitag ist immer im Zusammenhang mit Ostern zu sehen, mit der Auferweckung Jesu. So weist der Karfreitag auch auf Ostern hin, auf das höchste Fest der Christen.

Johannes Geiger, Schuldekan

Sonntagsgedanke, 02.04.2017

Ich sollte mal….oder was wirklich zählt

Das erste Vierteljahr des neuen Jahres ist vorbei. Haben Sie auch zum Jahreswechsel gute Vorsätze gefasst? Mehr Sport, einen Sprachkurs, öfter mal rechtzeitig Feierabend machen…? Und? Wie sieht es aus mit der Umsetzung? Sind Sie zufrieden mit sich?

Ich hatte mir vorgenommen, öfter mal in Ruhe zu kommen und einfach die Seele baumeln lassen. Das ist ja gar nicht so einfach, denn es gibt innere Antreiber, die dieses zur Ruhe kommen verhindern. Zahlreiche Anforderungen in Beziehungen, familiäre Verpflichtungen, bei der Arbeit sind Anpassungen und Veränderungen nötig, die nur mit mehr Zeit und vielen Überlegungen bewältigt werden können.

Der Kreisel dreht sich –ich verfalle in Aktivismus. Keine Ruhe sondern dran bleiben. Aktiv und tatkräftig sein. Übrig bleibt danach eine gewisse Leere, die sich einstellt durch die ständige Präsenz, Erreichbarkeit, Konsum – alles im Überfluss. Mir fällt auf, oder ich meine, dass es eine zunehmend niedrigere Toleranzschwelle gibt, Menschen sind ungeduldig und anspruchsvoll. Sei es, dass man nicht schnell genug von der Ampel wegkommt, sei es, man hat nicht so schnell das Kleingeld oder die PIN für die Karte parat, gleich wird verbissen darauf hingewiesen, dass es pressiert, es muss schneller gehen, man möchte nicht warten. Die Welt dreht sich so scheint es, ein paar Takte schneller. Wie gelingt es denn dabei, wieder zu Kräften zu kommen und Gelassenheit zu üben.

Gut, einige Ansätze gibt es schon, ich habe eben damit angefangen, mir mein persönliches „outfit“ zu verpassen. Ich will mit meinen Kräften richtig umgehen, meinen Körper fit halten. Auch spüre ich, dass mir gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf gut tun. Ich besuche öfter mal einen Gottesdienst und finde hier wieder Erdung und eine tatsächliche Unterbrechung im Alltag. Ich fange an besser zu merken, worüber ich mich wirklich aufregen muss und was mich bekümmern muss – ja und worüber ich mich eben nicht kümmern muss. Vielleicht ist es wirklich einmal wieder an der Zeit sich bewusst zu machen, was wirklich zählt. Es sind doch die Begegnungen mit Menschen und das Zusammensein mit Freunden, die schlicht und einfach gut tun – und im besten Fall noch bei gemeinsamen Unternehmungen in der Natur.

Vielleicht denken auch Sie „ich sollte mal wieder in die Kirche gehen, ich sollte mal nachsichtiger sein mit meinem Nächsten, ich sollte mal dem lieben Gott öfter ins Fenster zu schauen, mich in meiner Freizeit in der Natur aufhalten.“

Tun Sie es und freuen sich mit mir auf die Frühlingswiesen, bald kommt wieder „Hanami“, das nicht mehr nur in Japan gefeiert wird– das Kirschblütenfest im Frühling, die Blütenpracht der Obstbäume , welche Kraft und welche Schönheit – ein Freudenfest für die Sinne und die Betrachtung tut der Seele gut.

Bärbel Gekeler
Geschäftsführerin
Ökumenische Sozialstation
Heidenheimer Land

Sonntagsgedanke, 19.03.2017

Frauenbilder – Frauenleben – Frauenrechte

Eine Kulturzeitschrift vom Frühjahr 2007 fällt mir in die Hände. Über Schriftstellerinnen im arabischen Sprachraum geht es da. Sie sind hoch gebildet, veröffentlichen Gedichte und Romane über die Rolle der Frau im Libanon, in Syrien, im Irak. Schaut man die Bilder an, könnten sie auch in einer westlichen Großstadt aufgenommen worden sein: in Paris, London oder Berlin. Die jungen Frauen blicken keck in die Kamera, sie tragen westliche Mode, keine ist verschleiert. Und sie sprechen über Gleichberechtigung. Kämpferisch klingt das, um Öffnung und Freiheit bemüht. Zehn Jahre später hat sich alles verändert. Dem Krieg in Syrien folgte die Heimatlosigkeit vieler Menschen. Die Asylzahlen des Bundesamts für Migration weisen unter den Geflüchteten gerade mal ein Drittel Frauen aus. Darunter sind auch arabische Schriftstellerinnen, die vor zehn Jahren dem Feminismus in ihrer Kultur Stimme und Gesicht gaben. Die Kulturzeitschrift gibt es nicht mehr. Aber die große Aufgabe bleibt: Frauenrechte immer wieder neu zum Thema zu machen. Gerade in der Debatte um Integration. Sicher, die Frauen aus anderen Kulturen müssen ihr Recht auf Unabhängigkeit selbst einfordern. Das mussten europäische Frauenrechtlerinnen ebenso. Auch in der Kirche. Jahrhundertelang war das biblisch-patriarchale Rollenverständnis bindend. Doch nach und nach emanzipierten sich die Frauen – das begann schon im Mittelalter als Frauen im Rang von Reichsfürstinnen unter dem Zeichen des Krummstabs Klöster leiteten und setzte sich dann fort mit den Frauen der Reformatoren, die eigenständig dachten und veröffentlichten. Heute sind Frauen im Pfarramt in den evangelischen Kirchen selbstverständlich. Sollte man meinen. Im letzten Jahr wurde die Kirchenverfassung in Lettland geändert und die seit 1975 eingeführte Frauenordination rückgängig gemacht. Geschlechtergerechtigkeit galt in Europa als Selbstverständlichkeit. Doch das lettische Beispiel zeigt, dass Freiheit auch wieder verspielt werden kann. Gerade deshalb braucht es angesichts der Herausforderung durch die Migration eine klare Haltung in Kirche und Politik. Wenn Frauen nicht die Unterstützung für ihren berechtigten Wunsch nach Selbstbestimmung erfahren, die sie sich bei ihrer Flucht nach Europa erhofft hatten, stimmt mich das traurig. Nach christlicher Auffassung sind Männer und Frauen gleichermaßen Ebenbilder Gottes. Da gibt es keine Vorrangstellung. An der Haltung der Kirchen wird ablesbar, ob ihr die Geschlechtergerechtigkeit angesichts gesellschaftlicher Veränderungsprozesse immer noch ein wichtiges Anliegen ist. Ich wünsche es mir von Herzen um einer guten Zukunft willen.

Iris Carina Kettinger
Pfarrerin in der Evang. Auferstehungskirchengemeinde Heidenheim

Sonntagsgedanke, 05.03.2017

Sieben Wochen ohne „sofort“!

„…am Aschermittwoch ist alles vorbei…!“. Am vergangenen Mittwoch ging die „fünfte Jahreszeit“ zu Ende, und die – kirchlich gesehen – vorösterliche Fastenzeit begann. 46 Tage lang – vom Ascher­mittwoch bis zum Ostersonntag – haben die Christinnen und Christen jahrhundertelang jedes Jahr Verzicht geübt. Meistens haben Sie in dieser Zeit auf Fleisch verzichtet. Aus dieser Tradition heraus lässt sich sogar der Name „Karne-val“ erklären, denn das bedeutet wörtlich übersetzt „Fleisch – auf Wiedersehen!“. Vor dem zeitweiligen Abschied vom Fleisch sollte also noch einmal richtig gefeiert werden…

Findige Christen hatten bald kreative Ideen, um das kirchliche Fleischverbot an den 40 Werktagen plus 6 Sonntagen vor Ostern zu umgehen. So wurde zum Beispiel (kein Scherz!) der Biber kurzerhand zum Fisch erklärt, weil er ja im Wasser lebt – und „Biberbraten“ wurde ein beliebtes „Fischgericht“ in der Fastenzeit. Und wir Schwaben erfanden die „Herrgotts­b‘scheißerle" – die Maul­taschen, in denen das Fleisch so gut versteckt war, dass man es auch in der Fastenzeit heimlich essen konnte, ohne dass Gott es sah…

In der modernen Zeit des 21.Jahrhunderts kommt der Verzicht auf Fleisch in der Fastenzeit mehr und mehr aus der Mode. Schade eigentlich – werden nicht nur Veganer sagen… Und doch liegt das Thema „zeitweiliger Verzicht“ im Trend – in einer aktuellen Umfrage erklärten sich 65% der Deutschen dazu bereit.

Aber auf was könnte man in den sieben Wochen vor Ostern verzichten? Auf das Handy? Die Schoko­lade? Das Auto? Tatsächlich: Zum „Autofasten“ rief in diesen Tagen das Umweltministerium auf…

Die Aktion der Evangelischen Kirche zur diesjährigen Fastenzeit schaut in eine andere Richtung. Unter dem Motto „Sieben Wochen ohne sofort“ ruft sie zur „Entschleunigung“ auf. Tempo herausnehmen, mal eine Pause machen, sich Zeit nehmen – so wie Gott am siebten Schöpfungstag – das soll das Motto von Christinnen und Christen bis Ostern sein. Ob es gelingt, diesen Gedanken – nein: diesen Lebensstil! – in einer hektischen und schnelllebigen Zeit sieben Wochen „durchzuhalten“?

Pfarrer Steffen Palmer, Evangelische Kirchengemeinde Sontheim/Brenz

Sonntagsgedanke, 17.02.2017

Wie sehen Ihre Hände aus? Haben Sie sie heute schon genauer betrachtet? Vielleicht sind sie frisch gewaschen oder aber da sind Spuren zu sehen von der Arbeit. Vielleicht hat auch die Katze Kratzer hinterlassen oder da sind Narben von früher. Vielleicht sind sie von dem kalten Wetter zur Zeit eher rau. Wenn ich die Innenseite meiner Hände anschaue, dann entdecke ich da viele Linien. Breite und markante, aber auch kleine und zarte.

Diese unsere Hand strecken wir zur Begrüßung anderen Menschen hin.

Gott ist der, der uns Menschen die Hände hinstreckt. „Siehe hier, meine Hände!“ sagt Gott. „In diese meine Hände habe ich dich gezeichnet“. So spricht Gott zum Volk Israel durch den Propheten Jesaja, und so spricht er heute zu Ihnen und zu mir. „Siehe hier, meine Hände. In diese meine Hände habe ich dich gezeichnet.“ (Jesaja 49,16a)

Manche Schüler schreiben sich im Unterricht etwas auf die Hand, um es nicht zu vergessen. Ich habe da schon Telefonnummern, Hausaufgaben, Spickzettel und anderes mehr gesehen. Meist nehmen Sie dazu einen Kuli, der geht mit etwas Wasser, Seife und rubbeln auch wieder weg.

Gott aber hat Sie mit einem nicht abwaschbaren Stift in seine Hand geschrieben. „Ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet; du bist mir stets vor Augen“ sagt er.

Er hat Sie und mich in seine Hand eingraviert, eintätowiert.

Manche lassen sich irgendwo auf ihren Körper den Namen des geliebten Partners tätowieren. Ich habe von einem Mann gelesen, der sich den Namen seiner Angebeteten auf den Arm tätowieren ließ. So begeistert war er von ihr. Leider ist daraus dann aber doch nichts Festes geworden. Es war sehr schmerzhaft und hinterließ sichtbare Narben diese Tätowierung entfernen zu lassen, als er dann eine andere geheiratet hat.

Gott hat uns in seine Hände tätowieren lassen. Und selbst wenn wir bisher seine Liebe nicht erwidert haben, er hat diese Tätowierung nicht entfernt. Noch immer besteht seine Liebe für uns.

Gott sagt: „Ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet.”
Ich finde dieses Bild tröstlich: Mag ich mich auch noch so vergessen und von allen guten Geistern verlassen wähnen, bei Gott bin ich nicht vergessen.

Hanna Wißmann, Pfarrerin in Bolheim

Sonntagsgedanke, 05.02.2017

Das Gute, das Du tust, wird morgen vergessen sein,
tue trotzdem Gutes.

 

Diese Worte werden Mutter Theresa zugesprochen. Es ist ein Satz der mir von einem Kalenderblatt in den Blick kam und der mich zu den heutigen Sonntagsgedanken anregte.

Ich möchte Ihnen heute das Gegenteil beweisen: Gutes tun wird nicht vergessen und tut gut.

In meiner Arbeit habe ich es mit Menschen zu tun, die tagtäglich Gutes tun, die den Beweis antreten dass Nächstenliebe lebbar ist und die es, trotz Vergessen und Undank immer und immer wieder schaffen, Gutes zu tun.

Nun könnte man sagen, die Sozialarbeiter der Wohlfahrtsverbände, der Träger öffentlicher und privater Einrichtungen erhalten ja einen Lohn für ihre Arbeit und es ist ihr Auftrag, den Hilfe- und Ratsuchenden Wege aus ihrer Not aufzuzeigen. Das stimmt nur zum Teil, denn ich bin mir sicher, dass  meine Mitarbeitenden sehr viel mehr Engagement geben, als ihr Arbeitsvertrag es verlangt. Und auch das Vergessen nehmen sie mit Professionalität in Kauf.

Ähnlich ist es, ehrenamtlich für einen Sozialverband wie z.B. die Diakonie, Caritas, AWO, DRK oder den Kinderschutzbund zu arbeiten, sich für Asylsuchende, Wohnungslose, von Gewalt bedrohte oder einfach nur ausgegrenzte Mitmenschen zu engagieren.

Derzeit gibt es in unserem Landkreis zwei Vesperkirchen, die mit enormem, personellem Aufwand von vielen Ehrenamtlichen seit Jahren zuverlässig unterhalten werden. In Giengen und Heidenheim engagieren sich mit den Ehrenamtlichen viele Politiker und Amtsträger, die in einer Vesperkirche nicht als erste erwartet werden. So kann es passieren, dass in Heidenheim z.B. der Oberbürgermeister, der Chef der Volksbank oder des Jobcenters bedient, dass man zusammen mit dem Dekan speisen und sich unterhalten kann, dass die Nachbarskinder Kuchen und Kaffee anbieten oder den Tisch abräumen.

Auch kulturelle Genüsse kommen nicht zu kurz;  z.B. treten aktive Musiker, Schulklassen und Chöre ohne Honorar auf und tragen zur Unterhaltung und kulturellen Bildung bei.

Dies ist eine Anerkennungskultur der besonderen Art und eine, die dem oben zitierten Satz widerspricht. Bestätigung, dass bürgerschaftliches Engagement nicht „morgen vergessen sein wird“ geschieht bei uns auf vielfältige Art; so werden in jedem Jahr beim Bürgerempfang oder bei der Verleihung des Deutschen Bürgerpreises, um nur zwei exemplarisch zu nennen, aktive Ehrenamtliche auf besondere Weise ausgezeichnet.

Unsere Stadtväter beweisen hier, dass in Heidenheim eben nicht nur Fußball gespielt wird, sondern eine bürgerliche Gemeinschaft entstehen kann, die viel mehr ist als zusammen arbeiten und wohnen.

Auch das macht unsere Stadt lebenswert und gibt Grund zum Nachdenken und DANKE sagen an alle Genannten und Ungenannten, denen eine soziale Gesellschaft wichtig ist.

In diesem Sinne „Tuen Sie Gutes und reden Sie darüber“ wie Don Bosco sagte.

 

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen und Ihren Lieben
Frank Rosenkranz

Sonntagsgedanke, 22.01.2017

Ach Gott!

Ach Gott, oh Gott, Jesses Gott, du lieber Gott, Gott sei Dank, mein Gott – bestimmt kommen Ihnen diese oder ähnliche Redewendungen bekannt vor. Vielleicht haben Sie sie heute selbst schon benutzt. Wenn wir ehrlich sind, kommen sie uns schnell über die Lippen - ohne dass wir darüber nachdenken.

Ist uns bewusst, dass das, was wir gedankenlos von uns geben, eine tiefe Bedeutung hat? Schließlich handelt es sich, recht verstanden, um kurze Stoßgebete oder Gebetseröffnungen. „Ach Gott“ ist ein mit emotionalem Nachdruck versehener Gebetsbeginn, der z. B. in eine Klage mündet. Ähnlich „oh Gott“. „Jesses Gott“ wendet sich an Jesus Christus, den Sohn Gottes und betont seine Gottheit. „Du lieber Gott“ erinnert daran, dass Gott voller Liebe und Güte ist. „Gott sei Dank“ meint den Dank an Gott etwa für die Bewahrung in einer kritischen Situation. Und „mein Gott“ bekennt die tiefe Bindung des Beters an Gott: Gott ist nicht ein weit entferntes Wesen, sondern Gott für mich, mit dem ich in einer ganz persönlichen Beziehung lebe.

Im 2. Mosebuch lesen wir: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ (2. Mose 20, 7) Gottes Name ist heilig und so wertvoll, dass wir ihn nur überlegt und mit Respekt verwenden sollen.

Wie wäre es, wenn wir einen Tag lang die genannten Redewendungen nicht mehr gedankenlos dahinsagen, sondern ganz bewusst als Chance begreifen, mit dem lebendigen Gott in Kontakt zu treten? Spannende Erfahrungen und Entdeckungen sind garantiert. Wir beginnen, im Alltag zu beten! Und machen Sie doch ruhig einmal Ihre Mitmenschen beim nächsten „Ach Gott“ oder „Mein Gott“ darauf aufmerksam: „Weißt du, dass du gerade betest?“ Und dann sprechen Sie darüber – es lohnt sich!

Pfarrer Andreas Neumeister, Steinheim

Sonntagsgedanke, 06.01.2017

Caspar, Melchior und Balthasar haben einen langen Weg zurückgelegt. Von weit her kommen die drei Könige und besuchen das neugeborene Jesuskind im Stall. Das ist die Geschichte, die wir mit dem Erscheinungsfest bzw. Dreikönigstag am 6. Januar verbinden.

Wer die Erzählung beim Evangelisten Matthäus nachliest, wird entdecken, dass dort weder von Königen die Rede ist, noch davon, wie groß diese Besuchergruppe war. Auch Namen werden nicht genannt. Die Geschichte von den Heiligen drei Königen – oder sagen wir besser: den Weisen aus dem Orient? – ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich Fakten, Gehörtes und eigene Interpretation zu einem Bild verbinden. Am Ende entsteht eine Legende.

Mit den Weisen aus dem Morgenland verhielt es sich wohl so: Seit dem 6. Jahrhundert werden die Sterndeuter Könige genannt. Das hat wohl mit den wertvollen Geschenken zu tun, die sie dem Jesuskind mitbrachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Solche Geschenke konnten sich doch wohl nur Könige leisten, dachte man. Drei Geschenke – drei Besucher. So wurden aus den „Weisen aus dem Morgenland“ die heiligen drei Könige. Ihre Namen bekamen sie noch später. Schließlich schloss sich die Vorstellung an, dass jeder dieser drei aus einem der damals bekannten Erdteile käme – aus Europa, Asien und Afrika. Auch über das Alter machte man sich Gedanken, und kam zum Schluss, dass es ein Jüngling, ein erwachsener Mann und ein Greis gewesen sein musste.

Auch wenn das alles so nicht in der Bibel steht, hat diese Legende für mich doch einen großen Wert. Denn sie macht auf ihre Weise deutlich, was wir in dieser Weihnachtszeit feiern: die Geburt des Gottessohnes Jesus Christus, der für alle Menschen gleichermaßen in die Welt gekommen ist. Allen Menschen, aus allen Völkern und Nationen, Jung und Alt, gilt seine Liebe. Alle gemeinsam sind sie aufgefordert und eingeladen, ihm nachzufolgen und zu vertrauen.

Gott offenbart sich der ganzen Welt in einem Kind. In Jesus Christus ist das Licht und der Heiland aller Völker erschienen. Das feiern wir am Erscheinungsfest.

 

Rolf Wachter
Pfarrer in Heuchlingen und Heldenfingen