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Sonntagsgedanke, 24. Dezember 2014 - Heilig Abend

Freut euch immerzu, weil ihr zum Herrn gehört! Ich sage es noch einmal: Freut euch! Der Herr ist nahe!

(aus Philipper 4 nach der BasisBibel)

Heute ist der Heilige Abend- der Vorabend zum Geburtsfest Jesu Christi, das seit Jahrhunderten am 25. und 26. Dezember gefeiert wird. Haben Sie sich heute schon gefreut? Manchmal ist es gut, wenn ich mir diese Frage ganz bewusst stelle. Ich lebe intensiver, wenn ich mir in der Geschäftigkeit des Alltags immer wieder die Zeit nehme, für einige Minuten darüber nachzudenken: Wo habe ich heute schon einen Grund zur Freude gehabt?

„Freut euch immerzu“- das klingt für manche nach zwanghafter Dauerfröhlichkeit. Wird da nicht alles ausgeblendet, was mir Sorgen macht? Als Paulus diesen Aufruf zur Freude schrieb, hatte er keinen Anlass, die Welt durch die rosarote Brille zu sehen: Er saß wegen seines Glaubens im Gefängnis; seine Zukunft war höchst ungewiss. Doch sein Blick reicht über seine Gefängnismauern hinaus: Der Herr ist nahe, Jesus Christus ist nahe, und er ist es, der das letzte Wort über diese Welt haben wird.

Das, was uns Sorgen macht, einfach ausblenden? Das hat Jesus nie gemacht. Er hat die Sorgen der Menschen zu seinen eigenen Sorgen gemacht. Anders als andere hat er nicht nur über die Menschen geredet, sondern er hat mit den Menschen geredet. Anders als andere hat er nicht nur geredet, sondern auch gehandelt. Die völlige Erlösung der Welt hat er damit noch nicht gebracht. Aber er hat den richtigen Weg und das richtige Ziel gezeigt.

Wer sich in dieser Welt für Menschenfreundlichkeit, Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt, wird von manchen als weltferner und realitätsblinder Gutmensch bezeichnet. Doch ich lasse mich lieber als Gutmensch beschimpfen denn als Unmensch. In der Hoffnung auf Gott betrachte ich die Welt nicht nur, wie sie ist. Ich sehe auch, wie sie mit Gottes Hilfe noch werden kann. Lina Nees, eine alte Frau aus Hohenmemmingen, hat diese Haltung einst in wunderbarer Weise so ausgedrückt: „Man kann sich keine Stunde sicher sein, dass es nicht noch besser kommt.“  Schöner kann man kaum ausdrücken, was es heißt, mit der Nähe unseres Herrn zu rechnen.

Johannes Weißenstein, Pfarrer in Giengen, Hohenmemmingen und Sachsenhausen  

Sonntagsgedanke, 30.11.2014 - 1. Advent

Ausgerechnet am Volkstrauertag wurde im Stuttgarter Hauptbahnhof der Weihnachtsbaum aufgestellt. Weihnachts-„baum“ stimmt eigentlich gar nicht. Es war nur ein Spitzkegel aus Stahlgittergeflecht, in das Tannenzweige eingehängt und das dann mit Kugeln und Lichterketten zugehängt wurde.  Ein „Weihnachtsbaum“ – schön anzuschauen, aber völlig hohl, ohne Stamm, ohne Kern. Eigentlich gar kein Baum, sondern die Illusion dessen, was er darstellen soll. Und scheinbar sind alle damit zufrieden.

So ähnlich scheint es vielen Menschen mit der Adventszeit zu gehen. Sie freuen sich an den Märkten, der Musik, dem Glühwein der stressig- besinnlichen Stimmung, den erwartungsvoll leuchtenden Augen der Kinder … alles schön anzuschauen - wie der „Weihnachtsbaum“ auf dem Stuttgarter Bahnhof. Viele bleiben damit nur an der Oberfläche, geben sich sozusagen mit der Verpackung zufrieden und dringen gar nicht zum Kern von Advent vor.

Doch in dieser oft hektischen Suche nach  Advents-, Weihnachts- oder Winterstimmung zeigt sich eine Sehnsucht, die etwas sucht, was eben nur unter der Verpackung zu finden ist.

Wenn wir unter die Verpackung unserer Adventszeit schauen, entdecken wir etwas großartiges:  Mitten in dieser Welt voll Streit, Not und Krieg – und das war vor 2000 Jahren auch nicht viel besser als heute – wurde Gott Mensch für mich. Nicht abgeschirmt von Bodyguards kam er, sondern ganz klein im Stall in Bethlehem. So will Gott sagen: Ich will zu Dir! 

Das ist Advent. Gott kommt zu mir, zu Dir, zu jedem von uns. Gott möchte bei uns sein in allen Lebenslagen – auch beim Feiern auf dem Weihnachtsmarkt, oder im Getümmel der Weihnachtseinkäufe. Er möchte uns ganz nah sein und unsere Welt verändern, indem er uns verändert. Er möchte uns die Augen öffnen, damit wir sehen, wie sehr er uns liebt und wie wichtig wir ihm sind – und unsere Nachbarn auch; übrigens auch die, denen das gar nicht bewusst ist, oder die das nicht glauben können/wollen.

Pfr. Rolf Bareis, Brenz/Bergenweiler

Sonntagsgedanke zum Buß- und Bettag, 19.11.2014

Zu dem russischen Schriftsteller Leo Tolstoi kam eines Tages ein jüdischer Geistlicher, ein Rabbiner, zu Besuch. Es dauerte nicht lange, bis zwischen ihnen eine recht lebhafte, religiöse Diskussion entstand. Tolstoi nahm das Neue Testament und las verschiedene Abschnitte aus der Bergpredigt vor. Der Rabbiner lauschte gespannt, nickte von Zeit zu Zeit und meinte: So ungefähr steht es auch im Talmud, in den Sprüchen Salomos und im Buch der Weisheit. Schließlich las Tolstoi folgende Sätze aus dem Matthäusevangelium (Kap. 5): „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig… Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe!“

Tolstoi wartete auf eine Antwort. Nach kurzem Schweigen frage der Rabbiner mit leisem Lächeln: „Aber tun das die Christen auch?“

- Auf Mittwochabend darf ich Sie wieder ganz herzlich zu unseren Bußtagsgottesdiensten eingeladen!

Dr. Joachim Kummer
Pfarrer in Giengen

Sonntagsgedanke, 16.11.2014

Wer sich sorgt hat was zu sagen

„Ich hatte zwei Großmütter“, erzählte der Mann, „wie  sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Die eine war immer sehr besorgt. Für jede Eventualität überlegte sie sich schon vorab eine Lösung. Die andere Großmutter hingegen war ganz gelassen. So wie es kommt wird schon alles richtig, meinte sie. Man muss Vertrauen haben und das Beste annehmen.

Als die beiden Großmütter aber im Sterben lagen wandelte sich ihre Gesinnung. Diejenige, die für alles Sorge trug im Leben wurde ruhig und überließ sich scheinbar ganz einer höheren Macht. Die andere aber begann zu zagen und stellte sich viele Fragen im Hinblick auf ihre Todesstunde“.

Wenn ich wählen könnte, so nähme ich mir von der Optimistischen die positive Sicht auf die Dinge. Das Leben am Schopf zu packen und sich nicht zu verstecken wäre eine prächtige Aussicht auf sein Dasein. Von der Vorsorgenden schaute ich mir am Ende dann die Zuversicht und das friedevolle Gefühl ab nun nichts weiter mehr machen zu müssen.

Aber ich habe diese Wahl ja nicht. Keiner kann seine Bedenken, seine Unruhe, seine Fragen, seine Angst einfach abwählen. Mancher sagt zwar, mit dunklen Gefühlen wolle er sich nicht belasten. Und doch ist der nicht so frei und so unbeschwert wie er sich gibt.

Was bleibt? Ein Schulterzucken?

Sagen wir es so: Die Sorge gehört zu unserem Leben. Und sie ist bei weitem nicht so unsinnig wie es scheint. Nein, wer sich sorgt, der denkt auch nach. Er oder sie weiß, dass alles ganz anders aussehen kann. Was bewahrt mich davor? Was sehe ich voraus und was kann ich vermeiden? Nur wer sich dem stellt, der findet auch Lösungen. Mit Sorgen kann man etwas im positivem Sinne anfangen.

Hat sich die eine Großmutter in der Geschichte nicht auch unnötige Sorgen gemacht? Meine Kinder kommen zu Besuch. Was setze ich Ihnen zum Essen vor? Was soll ich nur Morgen anziehen wenn ich ausgehe?

Sorgt euch nicht darum, sagt Jesus in der Bergpredigt. Verschwendet nicht Gedanken daran. Es gibt Wichtigeres. Beispiele? Wie schaffe ich es, meinem nörgelnden Nachbarn einen freundlichen Gruß rüber zu bringen? Wie überzeuge ich mich und andere, dass eine Unterschrift gegen Waffenexporte etwas nützt? Woher nehme ich den Mut beim Elternabend zu widersprechen Ausländerkinder wären eine Belastung für die Klasse?

Mir hilft der Auftrag Jesu: Trachte als erstes nach dem Reich Gottes. Das vertreibt keine Sorgen. Es setzt sie vielmehr sinnvoll ein.  

Frank Bendler
Pfarrer der Evang. Auferstehungskirchengemeinde

Sonntagsgedanke, 31.10.2014 - Reformationstag

Was sich ändern muss…?!

„Er veränderte die Welt für immer“, so heißt der Film über das Leben Martin Luthers. Viele Veränderungen, die Luther „erfunden“ hat, gibt es bis heute: eine gemeinsame deutsche Schriftsprache. Gottesdienst in der Sprache der Bevölkerung. Die Betonung von Schule und Bildung. Und (leider!) auch die Trennung der christlichen Konfessionen.

Aber Luther und seine Nachfolger haben auch gesagt: „Die Kirche muss sich immer wieder verändern!“. Dieses Schlagwort von der „ecclesia semper reformanda“, wie der Gedanke auf lateinisch heißt, gilt bis heute.

Ja, auch heute müsste sich viel ändern in der Kirche… Was ICH mir wünschen würde? Zum Beispiel mehr Diakonie in den Gemeinden, also Zeit, Kraft, Liebe und auch Geld für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Oder mehr Engagement für Gottesdienste, die in Musik, Sprache und Inhalt das Herz der Menschen berühren und Kraft für den Alltag geben. Und nicht zuletzt, dass die großen christlichen Kirchen an der Spitze viel öfter das schaffen, was an der „Basis“ oft schon hervorragend klappt: das Aufeinander-Zugehen, die Zusam­men­arbeit.

Es müsste sich manches ändern… aber WER kann die Kirche verändern, heute, 500 Jahre nach Luther?

Vor einigen Jahren kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch. Unser heutiges Thema war auch ihres: „Herr Pfarrer“, so sagte sie mir, „in ihrer Kirche müsste sich vieles ändern“. Und dann begann sie aufzuzählen.
Ich stimmte ihr zu, denn vieles sah ich genau wie sie. Und dann sagte ich: „Also gut, dann lassen sie uns das gemeinsam anpacken!“. Sie stutzte. Und ich erklärte: „Na, gemeinsam…! SIE sind doch auch Teil dieser Kirche. Nicht in MEINER Kirche muss sich was ändern, sondern in UNSERER. Und wenn SIE mithelfen, sind wir schon ein Stück weiter“. In der Tat ist diese junge Frau heute aktives Mitglied unserer Gemeinde.

„Wir sind das Volk“ – was dieser Ruf, dieser Zusammenhalt bewirken kann, daran denken wir in diesen Tagen ganz besonders. „Wir sind die Kirche“ – das wäre der Ruf, der unseren Kirchen gut tun würde. Bischöfe, Synoden, Pfarrer, Kirchengemeinderäte können und müssen sicher einiges verändern in der Kirche. Aber – und das ist ein Gedanke, der Martin Luther wichtig war – Kirche, das ist mehr als Pfarrer und Gemeinderat, Kirche, das sind WIR, das bin ICH.

Ganz bewusst beende ich meine Gedanken zum evangelischen „Reformationstag“ (auf Deutsch: „Veränderungstag“) mit dem Zitat einer Katholikin. Als Mutter Teresa einmal gefragt wurde, was sich in der Kirche ändern müsse, da antwortete sie mit nur drei Worten: „Sie – und ich…!“.

STEFFEN PALMER, ev. Pfarrer in Sontheim/Brenz

Sonntagsgedanke, 19.10.2014

„Wie heißt das?“

Vor einiger Zeit habe ich auf die zweijährige Tochter einer Freundin aufgepasst. Obwohl erst ein Dreikäsehoch, konnte die kleine Hannelene schon viel reden. Und vor allem konnte sie sagen, was sie wollte. Meist sagte sie nur ein Wort und war sich ziemlich sicher, dass ich verstand, was sie meinte: „Wurst“, „Schaukeln“ und so weiter. Ihre Mutter legte großen Wert darauf, dass sie ganze Sätze sprach und die Worte „Bitte“ und „Danke“ dabei benutzte: „Ich möchte bitte Wurst“, „Danke für den Keks“.

Für uns Erwachsene sind die Worte „Bitte“ und „Danke“ meist ganz normal. Sie wurden uns eben auch schon als Kind beigebracht. Ich habe da noch die Stimme meiner Mutter im Ohr, die beim Metzger laut sagte: „Wie heißt das?“ Und dann wusste ich, dass ich mal wieder zu schnell das Wursträdchen in den Mund gestopft und das „Danke“-Sagen vergessen hatte.

Wir sagen „Bitte“ und „Danke“ aber nicht nur, weil es uns so beigebracht wurde oder weil es sich aus Höflichkeit so gehört, sondern weil uns das wichtig ist. Weil wir merken, dass diese Worte zu einem angenehmen und wertschätzenden Umgang miteinander verhelfen. Diese kleinen Worte verändern eine Beziehung. Sie machen sie enger und wertvoller. Wer freut sich nicht über ein Wort des Dankes?

Gott gibt mir jeden Tag, was ich zum Leben brauche – auch dann, wenn ich gar nicht an ihn denke. Wie steht es bei Ihnen mit dem „Bitte“- und „Danke“-Sagen gegenüber Gott?

Die kleine Hannelene hat mir das „Bitte“- und „Danke“-Sagen gegenüber Gott neu beigebracht: Dass ich ihn um das Bitte, was mir auf dem Herzen liegt: dass ich bitte für liebe Menschen, für den heutigen Tag mit seinen Herausforderungen, für den Frieden in unserer Welt. Und dass ich ihm Danke sage für das, was er mir an Schönem und Gutem schenkt. Danke für die herrliche Natur, Danke für das, was heute Gelungen ist, Danke für Menschen, die mir wohltuend begegnen. Probieren Sie’s doch gleich aus: ein „Bitte“ und ein „Danke“ an Gott!

Ihnen ein schönes Wochenende!

Hanna Nicolai, Pfarrerin in Bolheim

Sonntagsgedanke, 21.09.2014

Ups!

Urlaub auf Teneriffa. Ein quirliges Fischerstädtchen. Uriges Fischrestaurant. Reichhaltige Portionen, total lecker. Dazu ein Erfrischungsgetränk. Ups! Meine Frau und ich blicken uns an. Vor uns auf dem Tisch steht die Dose eines bekannten Getränkeherstellers. Darauf der Name Jesús (die spanische Schreibweise von Jesus). Pfarrer reagieren auf bestimmte Namen, Orte und Gegenstände reflexhaft. Wie? Wirbt jener Getränkekonzern seit neuestem für den christlichen Glauben? Kann nicht sein, dachten wir. Ist bestimmt eine Kampagne: für jeden seine persönliche Dose. Nun ist der Name Jesús im Spanischen durchaus verbreitet. Doch auf einer Getränkedose? Einer dieser typischen „Ups-Effekte“: Für Augenblicke werden wir aus dem Gewohnten gerissen. Verblüfft und hoffentlich mit einem Lächeln reagieren wir auf diese Unterbrechungen. Manchmal sind sie geradezu heilvoll und ermutigen, weiter darüber nachzudenken. Gott kann auch über einen „Ups-Effekt“ zu uns sprechen. Und warum nicht mal über eine Getränkedose meditieren?  

Jesus, hebräisch Jeschua, heißt übersetzt: „Der Herr ist Heil/Hilfe/Rettung“. Der Name ist Programm. Jesus ist unser Heil, unsere Hilfe und Rettung. Er verwirklicht seinen Namen durch seine Person, durch sein Leben und Handeln, sein Sterben und Auferstehen. Jesus holt uns aus dem Schlamassel von Schuld und Sünde, von Angst und Todverfallenheit. Jesus – Heiland, Helfer, Retter. Er prägt die, die auf ihn getauft sind und an ihn glauben, mit seinem Namen und damit mit seinem Rettungsprogramm. Schöne Aussichten!

Übrigens: die Namenskampagne des Getränkeherstellers bezog sich auf die Fußball-WM. Zu lesen gab es die Vornamen der einzelnen Spieler! Wozu eine Dose doch alles gut ist...

Viele heilvolle „Ups-Effekte“ wünscht Ihnen
Andreas Neumeister, evangelischer Pfarrer in Steinheim

Sonntagsgedanke, 14.09.2014

Er hat uns wieder, der Alltag.

Die Ferien sind vorbei – leider? Oder für manche vielleicht: endlich?

War der Urlaub schön? Konnten Sie sich erholen, neue Kraft schöpfen, etwas Beeindruckendes erleben? Freuen Sie sich vielleicht darauf, jetzt wieder tatkräftig Aufgaben anzupacken?

Ich frage mich bei diesen Sätzen allerdings: Was ist mit denen, die gerne arbeiten würden, aber keine Arbeitsstelle haben? Wie erleben sie wohl die Rückkehr zum Alltag? Waren auch die Ferienwochen für sie nicht anders als alle anderen Wochen des Jahres?

Und was ist mit denen, die gerade in der Ferienzeit besonders viel arbeiten mussten – im Hotel- und Gastronomiegewerbe, bei den Fluggesellschaften und bei der Bahn, bei Unfall- und Rettungsdiensten entlang den Autobahnen ...?

Es tut uns gut, dass sich im Rhythmus des Jahres verschiedene Zeiten abwechseln: Ferienzeit und Schulzeit, Alltag und Festtag, Arbeiten und Erholen, Wochentag und Sonntag. Als Christen ist uns der notwendige und wohltuende Wechsel im Lebensrhythmus von Anfang an eine vertraute und wertvolle Vorstellung, die Gottes Wort mehrfach betont:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.   Oder:

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun, aber am siebenten Tag ... sollst du keine Arbeit tun!   Oder:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde ...

So soll es normalerweise sein – das kommt uns zu Gute. Wo sinnvolle Lebensrhythmen auf Dauer durchbrochen werden, fühlen sich Menschen mehr und mehr belastet – in ihrer Seele und oft auch körperlich.

Gewiss – unterschiedliche Menschen können ziemlich unterschiedliche Lebensrhythmen haben und sich dabei wohl fühlen.

Aber: zu arbeiten ohne jede Pause schadet uns doch genauso wie über lange Zeit gar keine sinnvolle Aufgabe zu haben. Meine Gedanken sind bei denen, die auf die eine oder andere Weise belastet durchs Leben gehen müssen.

Meine Gedanken sind genauso bei denen, die gute Erfahrungen machen. Ich freue mich mit Ihnen, wenn Sie sich in den vergangenen Wochen erholen konnten: Ich freue mich mit Ihnen, wenn Sie vielleicht bald eine neue Lehr- oder Arbeitsstelle antreten werden. Ich freue mich mit Ihnen, wenn Sie kommende Woche ein Kind einschulen lassen.

Unser Tun und unser Lassen steht noch unter einem weiteren Blickwinkel, den der Wochenspruch für die kommenden Tage beleuchtet und der betont, dass wir nicht alleine und nicht für uns alleine leben. Dort sagt Jesus:

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern (und einer von diesen meinen geringsten Schwestern), das habt ihr mir getan.

(Matthäusevangelium, Kapitel 25,40).

Herzlich grüßt Sie Ihr

Bernhard Philipp
Pfarramt Nattheim-Ost - Fleinheim-Dischingen

Sonntagsgedanke, 31.08.2014

Haben Sie sich schon einmal verfahren? Oder verlaufen? Auch moderne Navigationsgeräte schützen uns nicht davor, hin und wieder die falsche Richtung einzuschlagen. „Wir sind in einer halben Stunde bei Ihnen“, kündigte sich eine Spedition bei mir an. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass das Fahrzeug schon im Nachbarort war – aber beinahe in den anderen Ort mit gleichem Namen gefahren wäre.

Im Urlaub besuchte ich mit meiner Familie ein Maislabyrinth. Ein Landwirt hatte kunstvoll verschlungene Wege in seinem Maisfeld angelegt. Die hohen, dicht beieinander stehenden Pflanzen raubten uns jeden Überblick. Schon nach wenigen Metern waren wir nicht mehr sicher, wo wir waren – selbst eine Wegskizze half uns nicht wirklich weiter. Manchen Irrweg hatten wir schließlich eingeschlagen, bis wir am Ziel angekommen waren.

In vielen mittelalterlichen Kathedralen finden sich in den Boden eingelassene Labyrinthe. Sie laden ein zur Meditation und Besinnung, zur Begegnung mit dem lebendigen Gott, der unserem Leben sein Ziel und seine Mitte gibt.

Ganz gleich, ob ein Labyrinth nur aus einem, verschlungenen Pfad besteht oder viele Verzweigungen aufweist, die in die Irre führen: es ist ein Bild für unser Leben. Wir sind unterwegs auf unbekannten Wegen zu einem Ziel, das wir nicht sehen. Immer wieder stehen wir vor wichtigen Entscheidungen, die unseren weiteren Lebensweg prägen. Rückblickend entdecken wir, dass da auch Irrwege und Umwege waren.

Jesus Christus sagt von sich: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Die Bibel, Johannes 14,6). Im Glauben an Gott haben wir nicht nur das Ziel für unser Leben vor Augen – sondern auch einen Wegbegleiter, der uns auf unserem Lebensweg begleitet. Er nimmt uns nicht die Entscheidung ab, welche Wege wir gehen – aber er sagt uns zu, auf allen Wegen bei uns zu sein. Das gilt auch jetzt, in der schon wieder zu Ende gehenden Ferien- und Urlaubszeit, die für manchen in eine neue Wegstrecke des Lebens mündet.

 

Rolf Wachter, Pfarrer in Heuchlingen und Heldenfingen

Sonntagsgedanke, 17.08.2014

Erinnerung

Diese Worte von Petrus Ceelen fielen mir in dieser Woche in die Hände.

Der Mensch
kann mehr aushalten
als er glaubt.

Der Mensch
kann noch mehr aushalten,
wenn er glaubt.

Petrus Ceelen erinnert damit an Pater Maksymilian Kolbe. Er starb am 14. August 1941 in Auschwitz. Ein Dutzend Gefangene waren aus dem Lager geflohen. Zur "Strafe" und Abschreckung kamen willkürlich zwölf andere Gefangene in den sogenannten Hungerbunker. Pater Kolbe meldete sich für einen Familienvater und trat an dessen Stelle die Hunger-todesstrafe an. Als nach fast drei Wochen Pater Kolbe immer noch nicht tot war, wurde er durch eine Giftspritze "erledigt". Der Familienvater überlebte und berichtete später, wie er durch den stellvertretenden Tod des anderen das Leben gewann.

Einer stirbt  für einen anderen. In dem tausendfachen Morden von Auschwitz ein Moment von Menschlichkeit. Mitten in der Unmenschlichkeit ein unbegreifliches Zeichen von Liebe. - Das ließ aufhorchen, mitten in der Todeswelt. Deshalb gibt es Menschen, die sich heute noch an diesen polnischen Franziskanerpater Kolbe er-innern.

Für Maksymilian Kolbe war sein Eintreten für den Anderen eine Tat seines Glaubens. Er wollte in den Spuren des  Jesus von Nazareth gehen und tat es mit letzter Konsequenz.

73 Jahre sind es her. Das Zeichen der Menschlichkeit macht mir die unge-heuerliche Unmenschlichkeit von Auschwitz erst richtig sichtbar. Deshalb mischt sich mein Gefühl des Staunens mit einer großen Unruhe. Unruhe über das, was geschehen ist. Unruhe aber auch, weil ich so etwas wohl nicht nachmachen könnte.

Trotzdem tut es gut, davon zu erzählen, wozu der christliche Glaube fähig machen kann: zu einer Liebe, die nicht rechnet, und die bereit ist, selbst einen Preis zu zahlen. Denn Liebe leidet lieber, als daß sie andere leiden macht. Das ist nicht selbstverständlich. Wir wissen es. Deshalb ist für mich die Erinnerung an Pater Maksymilian Kolbe wichtig.

 Dekan i.R. Eberhard Dieterich, Heidenheim

Sonntagsgedanke, 29.07.2014

Dabei sein oder „out“?

Ist es nicht ein wunderbares Gefühl, wenn man dazugehören darf? Das zeigten zuletzt die Feiern im Rahmen des deutschen Fußball-WM-Siegs. Doch gibt es auch die andere Seite, die manche  Schüler/ innen aus ihrem Schulalltag kennen: Da sind Klas-senkameraden manchmal Außenseiter. Sie werden so gut wie nie in eine Mannschaft gewählt, sondern vom Lehrer irgendwo zugeteilt. Und im Betrieb gibt es manchmal Mitarbeiter/innen, die von anderen gemobbt werden. Aus welchem Grund auch immer sind sie wie ein Fremdkörper, gehören nicht dazu. Oder denken wir auch an Flüchtlinge und Asylanten. Sicher ist es für sie alle sehr schwer, eine solche Situation zu ertragen.

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremd-linge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen." (Epheser 2,19)

Die Christen in Ephesus kennen auch dieses Ge-fühl, Fremdkörper zu sein - sogar in zweifacher Hinsicht. Einige von ihnen gehörten früher zur jü-dischen Gemeinde. Aber seit sie Christen gewor-den sind, werden sie dort wie Aussätzige behan-delt. Die meisten von ihnen waren früher angese-hene Leute in der Stadt. Aber seit sie Christen ge-worden sind, wollen die anderen nichts mehr mit ihnen zu tun haben, - behandeln sie, als ob sie Fremde wären. Und Christen wie etwa in Nord-Korea, Nord-Nigeria und im Irak geht es heute noch viel extremer. Sie leben in echter Lebensge-fahr.

Der Apostel sagt weiter sinngemäß: „Wundert euch nicht darüber. Jesus ist es nicht anders ergangen. Er war auch nur Gast und Fremdling in dieser Welt. Aber eines wird euch trösten: Wenn ihr auch nicht mehr richtig zu dieser Welt gehört, so gehört ihr doch jetzt ganz und gar zu Gott. Ihr werdet in dieser Welt wie Gäste und Fremdlinge behandelt, aber ihr seid jetzt Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausge-nossen.-  Für euch hat sich etwas Entscheidendes im Leben verändert. Jetzt seid ihr Mitbürger im Reich Gottes und Familienangehörige bei Gott. Ihr seid Brüder und Schwestern von Jesus Christus. Was für eine Ehre!“ - Das ist ein Bild, das uns sagt: nicht Ausgrenzung und Abschottung hilft, sondern die Suche nach Gemeinsamkeiten und gemeinsam getragener Verantwortung für diese Welt und die gegenseitige Ergänzung. Und dass wir uns bewusst sind und das leben, dass ER – Jesus Christus – unsere Mitte  ist.

Pfr. Thomas Auerswald, Herbrechtingen