Bericht des Dekans vor der Bezirkssynode am 21. Oktober 2017

Pfarrplan 2024
Zukünftige Verteilung der Pfarrstellen im Kirchenbezirk Heidenheim

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Liebe Synodale, liebe Gäste!

Der Pfarrplan ist einerseits eine leidige Pflicht, die uns auferlegt ist – auch wenn es dafür zwingende Argumente gibt.

Zugleich ist der Pfarrplan vor allem eine Gestaltungsaufgabe. Dabei sollten wir nicht nur die Pfarrstellen und ihre Verteilung isoliert sehen, sondern auch das jeweilige Gemeindeleben in den Blick nehmen.

D.h., wir sollten fragen, welche Felder der Zusammenarbeit sich zwischen den Gemeinden eröffnen lassen, welche Synergien möglich sind, wo Kooperation, zum Beispiel in der Jugendarbeit, im Kindergartenbereich, in der Chorarbeit usw., neue Horizonte eröffnen kann. Autarkie ist kein biblisches Ideal. Und dass man mit zahlenmäßig kleiner werdenden Kirchengemeinden bei sich selbst und nur bei dich selbst bleibt, ist auf Dauer auch keineswegs vernünftig.

Wir brauchen nicht nur einen Pfarrplan, sondern ebenso einen Gemeindeplan – und beides muss miteinander verzahnt sein.

Nun lässt sich ein Gemeindeplan nicht einfach in der Bezirkssynode festlegen. Erfreulich ist, dass seit Anfang dieses Jahres Kirchengemeinden in ihren Nachbarschaften und Distrikten ins Gespräch kommen und ihrerseits sowohl praktische Lösungen als auch auch auf längere Zeiträume gerichtete Visionen über ihre zukünftige Zusammenarbeit ins Spiel bringen.

Natürlich gestalten sich diese Überlegungen vor Ort nicht immer einfach. Es gibt auch Frustration unter Ehrenamtlichen, die sich mit ihrer Kraft neben Beruf und Familie in unsere Kirchengemeinden einbringen.

Ich will nichts schönreden. Dass der Pfarrplan Enttäuschungen auslöst bei Ehrenamtlichen wie auch bei Pfarrerinnen und Pfarrern, die – gerade erst in unseren Kirchenbezirk angekommen – feststellen müssen, dass auch Ihre Stellen bei den sich herauskristallisierenden Veränderungen nicht unverändert davonkommen.

In den Diskussionen der letzten Monate freilich, die Dorothea Schwarz als stellvertretende Dekanin und ich in den Kirchengemeinderatsgremien und Distrikten geführt haben, war Frust nicht die beherrschende Gefühlslage.

In der Regel wird lösungsorientiert gearbeitet nach dem Motto: Jetzt machen wir das Beste daraus.

Das führt uns zunächst zu der Frage: Wo stehen wir in unserem Beratungsprozess?

Ich schaue kurz zurück: Wir hatten uns in der Bezirkssynode dafür entschieden, dem Kirchenbezirksausschuss die Aufgabe des Pfarrplanausschusses zu übertragen. Gleichzeitig hatten wir festgelegt, nicht völlig offen und ohne jegliche Vorschläge in die Gespräche mit den Distrikten hineinzugehen. Deshalb gab es im April Vorschläge des Kirchenbezirksausschusses.

Vorschläge sind immer für bessere Erkenntnis bzw. für Alternativen offen. So hat es sich dann auch in den Gesprächen mit den Verantwortlichen vor Ort entwickelt. Ihre Vorschläge und Argumente wurden in den Pfarrplanausschuss eingebracht, dort aufgenommen; zum Teil wurden die ursprünglichen Vorschläge des Pfarrplan Ausschusses daraufhin verändert. Das Ergebnis dieses Prozesses rege ich Ihnen heute vor – zur Information Diskussion, nicht zur Entscheidung, vielmehr wiederum als Vorschlag, an dem weiterzuarbeiten ist, auch aufgrund von Diskussionsbeiträge, die wir heute noch hören werden.

 

Nun aber zu den konkreten Vorschlägen.

Wie bereits beim Pfarrplan 2018 soll auch beim Pfarrplan 2024 die Gesamtkirchengemeinde Heidenheim einen vergleichsweise großen Teil der Kürzungen auf sich nehmen, nämlich eine ganze Pfarrstelle. Die Heidenheimer Gremien können sich damit abfinden, eingedenk der Tatsache, dass im städtischen Bereich Synergien leichter möglich sind als im ländlichen Bereich, wo auch die volkskirchlichen Bindekraft und auch der Zusammenhalt in den Kerngemeinden höher ist. Allerdings wird sich dadurch die Zahl der Gemeindeglieder pro Pfarrstelle in Heidenheim in den zwanziger Jahren vergleichsweise stark erhöhen.

 

Im Distrikt Herbrechtingen soll der Stellenanteil in Mergelstetten von derzeit 125 % auf eine volle 100 % Stelle reduziert werden, was angesichts des zu erwartenden Gemeindegliedertrückgangs eine stimmige Größe ist. Der Kirchengemeinderat ist informiert und erhebt keine Einwände.

Was Herbrechtingen und Bolheim betrifft, sollen beide Gemeinden statt bisher von 2,5 Pfarrstellen bis 2024 noch von 2 Pfarrstellen versorgt werden. In Bolheim soll eine der beiden Pfarrstellen verortet bleiben – gemäß unserer Maxime, dass wir den kleinen Kirchengemeinden möglichst ihre residenzpflichtigen Pfarrstellen belassen, diese aber in den größeren Orten einen wesentlichen Beitrag zum Pfarrdienst leisten müssen. Im Blick auf Herbrechtingen und Bolheim bedeutet dies, dass die in Bolheim verortete Pfarrstelle in Herbrechtingen einen größeren Seelsorgebezirk, einen Predigtauftrag und weiterer Aufgaben übernimmt.

Nach den Gesprächen, die ich bisher mit den beiden Kirchengemeinderatsgremien geführt habe und den mehr informellen Gesprächskontakten, die zwischen den Kirchengemeinden stattgefunden haben, bin ich davon zuversichtlich, dass wir für beide Gemeinden gute Lösungen finden. Kooperationsmöglichkeiten werden vielfältig ins Auge gefasst; auch zu einer Entlastung beim Religionsunterricht wird es kommen.

 

Kontrovers ist die Diskussionslage im Oberen Brenztal. Aus gutem Grund legt der Kirchenbezirksausschuss hier zwei Alternativen vor. Ich komme zunächst auf den ursprünglichen Vorschlag zu sprechen:

Demzufolge würde eine von zwei Schnaitheim Pfarrstellen, die Pfarrstelle Schnaitheim Süd von 100 % auf 50 % reduziert. Im Gegenzug müsste die Pfarrstelle Königsbronn (oder Zang-Königsbronn II) eine oder mehrere Aufgaben in Schnaitheim übernehmen, zum Beispiel die geistliche Betreuung der beiden Altenheime.

Wie kam es zu diesem Vorschlag? Schnaitheim ist zwar gegenüber Königsbronn/Zang um gut 400 Gemeindeglieder größer, aber auch das homogenere Gebilde. Trotzdem hatten wir ursprünglich eine Kürzung der Pfarrstelle Zang- Königsbronn II in den Blick genommen. Die dadurch entstehende halbe Einzelpfarrstelle in Zang ist allerdings nur dann durch den Oberkirchenrat genehmigungsfähig, wenn sie entweder vom Religionsunterricht komplett entlastet würde oder wenn Sie von der Geschäftsführung in der Gemeinde entlastet würde.

Eine Entlastung beim Religionsunterricht wäre wohl nur durch die Pfarrstelle Schnaitheim Süd sinnvoll, wodurch diese auf zehn Wochenstunden Religionsunterricht käme – schwierig. Bei einer Entlastung hinsichtlich der Geschäftsführung wäre wohl die Pfarrstelle Königsbronn gefragt, mit der Konsequenz, in Zang zugleich einen Predigtauftrag und einen Gemeindebezirk übernehmen zu müssen – ziemlich verwickelt.

Deshalb der Vorschlag für die glattere Lösung: Jetzt Schnaitheim um eine halbe Pfarrstellen zu kürzen und dann beim Pfarrplan 2030 dort von einer Kürzung abzusehen.

Schnaitheim hat gegen den Vorschlag Protest eingelegt, wie auch der Presse zu entnehmen war. Der Kirchengemeinderat hat unter anderem darauf verwiesen, dass Schnaitheim gut 400 Gemeindeglieder mehr hat als Königsbronn und Zang. Demgegenüber könnte man entgegenhalten: Königsbronn/Zang hat die komplexere Struktur.

Wenn nun seitens des Kirchenbezirksausschusses eine Alternative vorgelegt wird, geht es vor allem um folgenden Sachverhalt: Mit der Beibehaltung des Status quo in Zang und Königsbronn besteht die Gefahr einer „Strukturbremse“, die zumindest vorerst keine weiteren Veränderungen nötig macht. Mit Veränderungen ist gemeint: Eine engere Zusammenarbeit zwischen Zang und Königsbronn im Rahmen einer Gesamtkirchengemeinde oder einer Fusion beider Kirchengemeinden. Nun wird Veränderungsbereitschaft aus Königsbronn und Zang durchaus signalisiert. Freilich können Veränderungen bei den Gemeindestrukturen – anders als bei den Pfarrstellen – nicht durch Beschluss der Synode herbeigeführt werden, sondern nur durch Entscheidung der betroffenen Kirchengemeinden selbst. Die vom Kirchenbezirksausschuss vorgelegte Alternative erhöht hier allerdings den Entscheidungsdruck: Eineinhalb Pfarrstellen für Königsbronn und Zang – damit kann man auf Dauer nur sinnvoll leben, wenn beide Gemeinden zu einer engen Form der Kooperation kommen.

Unter dem Strich hätten wir bei der Alternative ca. 3400 Gemeindeglieder in Schnaitheim mit zwei Pfarrstellen und ca. 3000 Gemeindeglieder in den räumlich getrennten Orten Königsbronn und Zang mit eineinhalb Pfarrstellen.

Auch in diesem Fall müsste für Königsbronn Entlastung von außen kommen. Hier wäre wiederum Schnaitheim an der Reihe mit Übernahme der geistlichen Betreuung der Königsbronner Altenheime, gegebenenfalls auch zusätzlichem Religionsunterricht. Dazu hat Schnaitheim grundsätzliche Bereitschaft signalisiert.

Wie nun eine Lösung im Einzelnen auch aussehen mag, muss im weiteren Diskussionsprozess mit den Betroffenen geklärt werden Ich war im Schnaitheimer Kirchengemeinderat; zuvor fand ein Gespräch mit den Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte in Zang und Königsbronn statt. Wir haben vereinbart, Gespräche auf der Ebene der Pfarrerinnen- und Pfarrerschaft und der gewählten Vorsitzenden weiterzuführen, in der Hoffnung, eine für alle akzeptable Lösung zu finden.

 

Ich kommen zum Distrikt Gerstetten/Steinheim. Hier musste beim zurückliegenden Pfarrplan 2018 bereits die Kürzung einer ganzen Stelle hingenommen werden. Im Gefolge der vorgeschlagenen Kürzung der Pfarrstelle Heuchlingen/Heldenfingen soll eine enge Zusammenarbeit der Kirchengemeinden Heuchlingen/Heldenfingen und Dettingen auf den Weg gebracht werden. Es wäre wichtig, hier schon bald Kooperationsfelder auszuloten. Nur durch Kooperation können Pfarrstellenkürzungen aufgefangen werden.

Auch beim Religionsunterricht wird die Stelle Heuchtlingen/Heldenfingen entlastet; als Kirchenbezirk wollen wir mit der „flankierende Maßnahme“ eines Kindergartenträgerkonzeptes wesentlich zur Entlastung des Pfarrdienstes beitragen – nicht nur im Bereich Gerstetten, sondern im gesamten Kirchenbezirk.

Nicht verschweigen möchte ich, dass eine 75-prozentige Pfarrstelle nicht immer leicht zu besetzen sein wird. Wir kommen allerdings aufgrund der vorgegebenen Zahlen um eine 75 % Stelle im Kirchenbezirk nicht herum – und werden für diese eine Stelle dann auch eine Lösung für finden. Zudem weiß niemand, was alles aus Stuttgart noch an Wohltaten kommt: Ein besonderer Stellenanteil für Notfallseelsorge – zumindest nicht ausgeschlossen, aber nichts, was jetzt für eine Planung belastbar wäre.

Einwände kamen aus Gussenstadt: Der dortige Kirchengemeinderat werde in vorauseilendem Gehorsam keinen „Blankoscheck“ ausstellen. Die Leitung des Bezirks wird gebeten, die Gründung eines Trägerverbandes für Kindertageseinrichtungen sehr zügig voranzubringen. – Genau das wollen wir.

Auch eine Veränderung der Distriktsgrenzen zieht der Vorschlag des Kirchenbezirksausschusses nach sich: Dettingen gehört kommunal zu Gerstetten; kirchlich bestehen relativ enge Verbindungen zu Heuchlingen – dem sollte in Zukunft eine Zugehörigkeit zum Distrikt Gerstetten/Steinheim entsprechen.

Dadurch wiederum würde der Herbrechtingen Distrikt zu klein. Im Pfarrplanausschuss ist angedacht, die Anzahl der Distrikte von fünf auf vier zu reduzieren; Herbrechtingen und Bolheim könnten zum Distrikt Unteres Brenztal, Mergelstetten zu zum Distrikt Heidenheim kommen.

 

Last, but not least das Untere Brenztal. Hier haben wir uns die Überlegungen bei den Überlegungen hinsichtlich Gesamtkirchengemeinde Giengen einschließlich Hermaringen im KBA nicht leichtgemacht. Eine ganze Pfarrstelle wurde dort beim letzten Pfarrplan 2018 gestrichen. Die weitere Streichung einer halben Stelle hätte bei allen Versuchen, eine sinnvolle Lösung zu finden, die Entwicklung der Gesamtkirchengemeinde nicht vorangebracht, sondern deutlich konterkariert. Deshalb haben wir beim Pfarrplan 2024 von einer Kürzung Abstand genommen, allerdings mit der Perspektive, dass für den Pfarrplan 2030 deutliche Veränderungen anstehen.

Dass im südlichen Teil des Unteren Brenztals auch Veränderungen anstehen, lässt sich unschwer aus den Gemeindegliederzahlen ablesen. Künftig deutlich unter 4000 Gemeindeglieder entspricht zwei Pfarrstellen. Konstruktive Gespräche zwischen den Beteiligten finden derzeit statt, ohne, wie ich höre, dass es bereits zu einer endgültigen Lösung gekommen ist. Die Gedanken verdichten sich hinsichtlich eines Wegfalls der 50 % Einzelpfarrstelle Brenz-Bergenweiler. Die Aufgaben dort könnten durch die Pfarrstelle Niederstotzingen abgedeckt werden, wobei auch Sontheim mitarbeiten müsste.

Der Kirchenbezirksausschuss weiß natürlich, dass Brenz/Bergenweiler gerne seine halbe Stelle vor Ort behalten würde. Nur – wir müssen auch realistisch sehen, dass die Besetzung solcher einzelner 50 % Pfarrstellen im ländlichen Bereich eine besondere Schwierigkeit ist. Auch möchte ich daran erinnern, welche guten Erfahrungen die Kirchengemeinde Brenz-Bergenweiler jahrelang mit einer nicht am Ort ansässigen Pfarrerin gemacht hat.

Ich bin damit am Ende meiner Vorstellung. Mir geht es mir darum, eine faire Verteilung der vorhandenen Pfarrstellen hinzubekommen. Ziel muss sein, dass trotz notwendiger Kürzung in den einzelnen Orten Voraussetzungen für eine lebendige Gemeindearbeit bestehen. Gewiss ein hoher Anspruch. Jedenfalls ist der Kirchenbezirksausschuss für Ihre Anregungen offen.

 

Dr. K.H. Schlaudraff
21.10.2017