Neue Vikare im Kirchenbezirk

Fünf Jahre ist es schon her, dass junge Theologen im Evangelischen Kirchenbezirk Heidenheim ihren zweiten Ausbildungsabschnitt auf dem Weg ins Pfarramt absolvierten. Aktuell gewinnt der Pfarrberuf wieder an Attraktivität, da bei erfolgreich abgeschlossenem Studium mit einer festen Anstellung im Kirchendienst zu rechnen ist.

Das war nicht immer so. Von den geburtenstarken Jahrgängen wurden viele Theologen in den 90er Jahren gar nicht übernommen oder hatten eine lange Wartezeit vor dem Vikariat, was einen regelrechten Traditionsabbruch zur Folge hatte. Die Studienanfängerzahlen sanken bedenklich. Inzwischen wenden sich wieder mehr junge Menschen dem vielfältigen Berufsbild des Gemeindepfarrers zu.
Momentan ist bei der Vikarsausbildung die Region Süd-Ost an der Reihe, die von Nürtingen, Göppingen über Heidenheim und Ulm bis nach Ravensburg reicht. Damit hat der Kirchenbezirk Heidenheim das Glück, vier Vikare bekommen zu haben. Zwei Frauen und zwei Männer sind inzwischen gut auf der Ostalb in ihren Gemeinden angekommen. Zunächst fiel ihnen die Entfernung vom bisherigen Lebensumfeld schwer. Doch der hohe landschaftliche Reiz und die gute Verkehrsanbindung durch die Autobahnen A 7 und A 8 nahm die jungen Theologen für die östliche Region der Landeskirche ein. „Außerdem sind die Menschen in den Gemeinden sehr freundlich“, berichten sie. Als Ausbildungsorte sind neben Giengen an der Brenz die Gemeinden auf dem Härtsfeld und im unteren Brenztal im Fokus, während die Dekanatsstadt selbst nicht berücksichtigt wurde. Die Vikare werden vor Ort von ihren Ausbildungspfarrern über den Zeitraum von zweieinhalb Jahren begleitet.

Für Michael Kuczera ist die Gegend nicht völlig fremd, kommt er doch aus Essingen im Ostalbkreis. Er studierte in Tübingen, Jerusalem und Berlin Evangelische Theologie und Judaistik. Für seinen Berufswunsch war sowohl der ansprechende Religionsunterricht am Gymnasium ausschlaggebend als auch das Gemeindeleben, das er als großen Freiheitsraum beschreibt. Er hatte schon früh den Wunsch, Theologie zu studieren mit dem konkreten Ziel, als Gemeindepfarrer kirchliches Leben mitzugestalten. Michael Kuczera wurde in Sontheim/Brenz freundlich aufgenommen und hat sich schon gut eingelebt. Bereits nach kurzer Zeit erlebt er in der Gemeindearbeit und im Schulunterricht eine Bewegung weg von den eigenen Gedanken hin zum Gegenüber. Die Vermittlung theologischer Erkenntnis in einfacher Sprache ist für ihn ein wichtiges Lernziel.

Die Giengener Vikarin Hanna Gack kommt aus Gammertingen auf der Südwestalb wo sie in der örtlichen Jugendarbeit und im Kirchenbezirk aktiv war. Den ursprünglichen Plan, Jugendreferentin zu werden, verwarf sie und entschied sich fürs Theologiestudium, das sie nach Tübingen, Heidelberg und Greifswald führte. Sie bringt diakoniewissenschaftliches Profil mit und sieht in diakonischem Handeln einen wichtigen Dienst der Kirche für die Gesellschaft. Dass Gemeindepfarrer Religionsunterricht an den Schulen erteilen begreift Gack als große Chance, theologisches Basiswissen und ethische Werte zu vermitteln.

Stefanie und Philipp Gurski freuen sich, dass sie als Ehepaar ihr Vikariat gemeinsam in der Gesamtkirchengemeinde Härtsfeld Süd absolvieren können.
Philipp Gurski
ist in Mössingen aufgewachsen und hat nun seinen Dienst als Vikar in der Gemeinde Nattheim-Ost-Fleinheim-Dischingen aufgenommen. Ursprünglich wollte er Lehrer für Deutsch und Geschichte werden, hatte auch schon das Studium begonnen, als er verstärkt Interesse an Glaubens- und Wahrheitsfragen verspürte und sich dem Theologiestudium zuwandte. Den Wechsel bereut er keineswegs und freut sich über die gelebte Ökumene auf dem Härtsfeld. Eine wichtige Herausforderung sieht er darin, dem modernen Menschen Glauben und Spiritualität nahezubringen und die Relevanz der Kirche in der Gesellschaft deutlich zu machen.
Stefanie Gurski ist in Balingen aufgewachsen und hat in Tübingen studiert. Der Religionsunterricht weckte in ihr die Leidenschaft, sich näher mit biblischen und theologischen Texten zu beschäftigen. Im Studium hat sie sich besonders mit der Epoche der Reformationszeit und den Schriften Luthers beschäftigt, was sie sicher im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 in ihrer Ausbildungsgemeinde Oggenhausen-Nattheim-West einbringen kann.

Alle vier berichten übereinstimmend von wertschätzendem und freundlichem Empfang an ihren Ausbildungsorten. Die Veränderungsprozesse in der evangelischen Kirche mit Immobilienkonzeptionen und Gemeindefusionen sehen sie differenziert. „Natürlich machen Veränderungen Menschen auch Angst“ meint Philipp Gurski, „aber eben deshalb braucht es von Seiten der Pfarrerschaft Fingerspitzengefühl, um die Leute nicht abzuschrecken“. Hanna Gack sieht im Zusammenschluss zu Gesamtkirchengemeinden und demzufolge im Arbeiten als Pfarrteam auch eine Chance, verstärkt gabenorientiert arbeiten zu können und nicht mehr als Einzelne alles abdecken zu müssen. Bange ist den jungen Theologen jedenfalls nicht; sie haben den Mut, künftige Herausforderungen entschlossen anzupacken. Gegenwärtig lernen sie das Rüstzeug für engagiertes Unterrichten und werden dabei von drei Mentoren an Schulen in Gerstetten begleitet. Ab Februar übernehmen sie dann eigenverantwortlich Wochenstunden aus dem Deputat ihrer Ausbildungspfarrer. Die praktischen Phasen werden von Kursen im Studienzentrum Stuttgart-Birkach unterbrochen, wo die Vikare im kollegialen Austausch ihre Praxis reflektieren und von Studienleitern fachlich unterstützt werden.

 

Auf dem Foto ist das neue Vikarsteam zu sehen.
Von links: Stefanie Gurski, Philipp Gurski, Michael Kuczera und Hanna Gack
Foto: J. Weißenstein

 

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Pfarrerin Iris Carina Kettinger
Evang. Pfarrramt Johanneskirche in der
Auferstehungskirchengemeinde Heidenheim

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