Fast 7.000 Unterschriften für Friedensappell in Kamerun - 23.07.2019

Stuttgart (epd). Einen Aufruf für Frieden und Gerechtigkeit in Kamerun haben bundesweit fast 7.000 Menschen unterschrieben. Bei der Präsentation der Unterschriften am Dienstag in Stuttgart forderte der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Hoffmann, die Bundeskanzlerin dazu auf, Kamerun zu besuchen. Nach Aussagen von Politikern vor Ort könnte das den Dialog der zerstrittenen Parteien in Gang bringen.

In der Unterschriftenaktion wird an die Bundesregierung appelliert, sich für Rechtsstaatlichkeit in Kamerun einzusetzen, und an die Kirchen, dass sie Vertreter von Kirchen und Nichtregierungsorganisationen des Landes einladen und sich solidarisch mit den Opfern des Konflikts erklärten. Der Aufruf wurde vom deutschen Zweig der Basler Mission gemeinsam mit politischen, kirchlichen, entwicklungsbezogenen und zivilgesellschaftlichen Organisationen gestartet. In Kamerun herrscht seit Oktober 2016 eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen dem ehemals britischen Teil des Landes und der französischsprachigen Regierung.

Der FDP-Politiker Hoffmann erinnerte daran, dass Kamerun gleich unter drei Konflikten leide. Neben der Auseinandersetzung zwischen Anglophonen und Frankophonen seien das der Terror von Boko Haram im Norden des Landes sowie Flüchtlingsströme aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik, die ebenfalls unter Krisen leide. Der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann sagte zu, sich für eine Übergabe der Unterschriften an ein Mitglied der Bundesregierung einzusetzen.

Klaus Rieth, der beim Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für Mission und Ökumene zuständig ist, sagte, Kamerun sei das "meistbesuchte Land in Afrika" von württembergischen Kirchenvertretern. Fünf Kirchenbezirke und mindestens zwanzig Kirchengemeinden unterhielten direkte Partnerschaften mit Kirchen des Landes. Die Landeskirche setze sich inzwischen mit einem zweistelligen Millionenbetrag für Friedens- und Demokratieprojekte in instabilen Ländern ein. "Seenotrettung beginnt schon vor Ort", sagte Rieth.

Der Kameruner Joy Alemazung, der für das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit entwicklungsbezogene Bildung in Baden-Württemberg leistet, sieht aufgrund seit Jahren geschlossener Schulen die Zukunft seiner Heimat bedroht. "Wenn Kinder keine Bildung bekommen, ist das Land verdammt", sagte er.

Hintergrund des Konflikts im Westen Kameruns sind Vorwürfe der englischsprachigen Minderheit, nach denen die Regierung einseitig die französischsprachige Mehrheit im Land bevorzugt. Inzwischen sind nach Angaben der Basler Mission eine halbe Million Menschen auf der Flucht, 2.000 wurden getötet. Rund 600.000 Jungen und Mädchen können wegen anhaltender Gefechte keine Schule besuchen. (2037/23.07.2019)

epd lbw moc leo

2. Foto von rechts (BMDZ) von links nach rechts:
Pfr. Dieter Bullard Werner BMDZ,  Steffi Feiler  Partnerschaft Öhringen, Eric Shu Fon Vorsitzender PCC Stuttgart, MdB Dr. Christoph Hoffmann FDP, Dr. Joy Alemazung Global Governance Institut Brüssel-Stuttgart, MdB Dr Stefan Kaufmann CDU,  Eckehart Lauk Vorstandsvorsitzender BMDZ, Pfr. Johannes Stahl BMDZ, Annemone Hilsenbeck Partnerschaft Göppingen


Für Frieden durch Gerechtigkeit in Kamerun konnte das Netzwerk Basler Mission Deutschland & Kooperationen 6.868 Unterschriften präsentieren. Zur selben Stunde starben in Bafut NW Kamerun Unschuldige durch die anhaltende Gewalt von Militär und Sezessionisten und es demonstrierten, soweit das eben in einem Gefängnis in Kamerun möglich, ist die politischen Gefangenen aus dem englisch-sprachige Kamerun für ihre Freilassung.  Sie möchten Freiheit, um das Schuljahr 2019/2020 vorzubereiten. Die Unterschriftenaktion ist Geschichte, der Einsatz für Frieden durch Gerechtigkeit geht weiter. Der vergessene Konflikt in Kamerun ist auf dem besten Weg, sich zur Katastrophe auszuwachsen. Wir erwarten von der Bundesregierung konkrete Schritte zur Deeskalation und Bearbeitung von Fluchtursachen in Kamerun.

Kamerun-News 6-2019

"Kirchenbezirkspartnerschaften fordern mehr Einsatz gegen Gewalt in Kamerun" - so titelt die aktuelle Ausgabe von "WELT-SICHTEN" 6/2019. Dabei tun die Menschen an der Basis alles, was sie können. Sie schreiben eine Petition an Politiker nach der anderen, Sie unterschreiben und unterstützen den "Aufruf für Frieden durch Gerechtigkeit", Sie veranstalten Partnerschaftssonntage und Männervesper, Polit-Diskussionen und Friedensgebete. Danke dafür!

Jetzt sind die Leitenden in Kirche und Politik gefragt. Zu Pfingsten, wo wir feiern, dass der Geist Gottes ein Verstehen schenkt, das alle (Sprach)Grenzen überwindet, ist die Hoffnung besonders hoch, dass Verantwortliche aus Politik und Kirche ihre Stimme für die Rechtlosen und Geächteten im Anglophonen Kamerun erheben. Das wäre ein starkes Zeichen für Solidarität. Dafür braucht es angesichts der bedrängenden Situation unserer Glaubensgeschwister und der unzähligen gesicherten Informationen über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Kamerun nur ein bisschen Mut. 

Wir beten - aber nicht nur. Das war von jeher das Motto der Basler Mission, ihre Gründungslosung ein Wort des Propheten (Sacharja 4,6): "Nicht durch Heer oder Kraft. Sondern durch meinen Geist wird es geschehen, spricht der Herr der Heerscharen." Diese Zusage steht und will den Verantwortlichen Kraft und Mut geben. In Kamerun, aber auch hier im sicheren Europa.

„Die Zahl der Menschenrechtsverstöße nimmt zu. Und mit jedem Tag wächst die Kluft zwischen dem, was die Zivilisten an humanitärer Hilfe brauchen und dem, was sie tatsächlich zur Verfügung haben“ 
Uno-Vizegeneralsekretär und Nothilfekoordinator Mark Lowcock

"Die internationale Gemeinschaft ist am Steuer eingeschlafen, wenn es um die Bewältigung von Notsituationen wie beispielsweise jener in Kamerun geht. Der Konflikt in dem zentralafrikanischen Land steht auf Platz eins der Liste der vernachlässigten Krisen."
Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrates NRC

Dem ist nichts hinzuzufügen. Im Namen unserer Partner bitte ich Sie, der Millionen Menschen im Anglophonen Kamerun und der über eine halbe Million Geflüchteten in Kamerun in allen Gottesdiensten zu Pfingsten fürbitten zu gedenken.

Lumumba Togho Mukong und seine Frau Esther haben in ihren sehr persönlichen Berichten in den letzten Tagen keinen Zweifel daran gelassen, wie es sich anfühlt, als Anglophone in Kamerun zu leben, nein: zu leiden. Und dass es einer starken internationalen Stimme wie der Deutschlands bedarf, um die politisch Verantwortlichen an den Tisch des Dialogs zu bitten.

Liste der vergessenen Konflikte

Spiegel Online 2019

Weltsichten 06-2019

Artikel zur Kamerun-Partnerschaft im Evangelischen Gemeindeblatt

Kamerun News 5-2019

Hätten Sie gewusst, dass die Bundesrepublik Deutschland bewaffnete Bundeswehrangehörige nach Kamerun entsandt hat? www.wirtschaft.com und andere Medien berichten über diesen Skandal, wo offenbar unter Umgehung eines parlamentarischen Mandats Fakten geschaffen werden – im Namen des Volkes. Grund genug, unsere Verantwortlichen in Berlin und vor Ort zu befragen und uns noch mehr als bisher uns einzusetzen für Frieden durch Gerechtigkeit in Kamerun und in Deutschland! Hier ein aktueller Nachrichtenüberblick mit Einblicken in die Wirklichkeit in Deutschland und in Kamerun.

Unter die Haut gehen auch die Berichte von unserem Freund Godlove in Kamerun, der in Interviews mit Kindern im Krisengebiet denen eine Stimme gibt, die ohne ihn nicht gehört würde. Danke dem Landesverband für Kindergottesdienst mit Landespfarrer Frank Widmann für diesen wichtigen Impuls. Bitte geben Sie diesen Artikel und unsere Informationen auch an Ihre Zeitung und an die politisch Verantwortlichen vor Ort weiter mit dem Hinweis auf die noch bis 1. Juli laufende Unterschriftenaktion.
Mehr auf www.brennpunktkamerun.org.

„Trip to manton Bali for the distribution of food item for Christmas to IDPs of Bali living in Manton. We want to thank all our friends for their support. Special thanks go to our partners in Heidenheim/Germany.“
Fahrt nach Manton/Bali zur Verteilung von Nahrungshilfe zu Weihnachten für die Flüchtlinge, die in Manton/Bali leben. Wir danken all unseren Freunden für Ihre Unterstützung. Ein besonderer Dank geht an unsere Partner in Heidenheim/Deutschland.

„Training the fieldworkers for outreach and distribution at PC Ntanfuang Bali with Dr. Nyamdi, Rev. Anjoambom George and Mr. Ndonji Godlove, for effective distribution of relief items to IDPs in Bali“
Mitarbeiterschulung in der Gemeinde Ntanfuang um Hilfsgüter effektiv an Flüchtlinge zu verteilen.
Teilnehmer waren:
Dr. Nyamdie, Rev. Anjoambom George und Mr. Ndonji Godlove.

 

 

Kamerunpartnerschaft

Die Partnerschaft unseres Kirchenbezirks führt eine "Heidenheimer Missionstradition" fort. In den 1930er Jahren war Wilhelm Albrecht Häberle aus Dettingen im Kameruner Grasland in Bali tätig. Er war im Auftrag der Basler Mission unterwegs, wie auch Maria Schlenker, Heidenheim, die in den 1060er und 70er Jahren in Kamerun arbeitete und eine nach wie vor sehr aktive Frauenarbeit aufgebaut hat.

Die Erfahrung von Ernst Elsenhans, der in den 1970er Jahren als Lehrer am Cameroon Porestant College Bali unterrichtete, und das Engagement der Heidenheimer Johanneskirchengemeinde mündete 1991 in die Gründung der Partnerschaft mit dem Distrikt Mezam der Presbyterian Church in Cameroon.

Partnerschaft verstehen wir als Lerngemeinschaft: Wir sind gemeinsam unterwegs. Wir teilen unseren Glauben miteinander, erleben eine andere Kirche auf einem anderen Kontinent in einer anderen Lebenswelt. Dazu dienen vor allem unsere gegenseitigen Besuche. Hinzu kommt die Unterstützung ausgewählter Projekte.

(Vorwort aus "25 Jahre Partnerschaft, Kirchenbezirk Heidenheim - Church District Mankon/Bali, Kamerun")

Aktuelle Situation in Kamerun

Seit Herbst 2016 eskaliert eine Auseinandersetzung zwischen der kamerunischen Zentralregierung und der anglophonen Bevölkerung im Westen des Landes. Der Konflikt zwingt Menschen zur Flucht, ganze Regionen sind entvölkert. Nach offiziellen Angaben der Vereinten Nationen leben mehr als 250‘000 Flüchtlinge ohne Schutz und Obdach in den Wäldern und im Grasland der Südwest- und der Nordwestregion Kameruns; mindestens weitere 21‘000 Menschen sind ins benachbarte Nigeria geflohen.