Sonntagsgedanke, 21.10.2018

Sie wollen es gemütlich angehen lassen an diesem Morgen. Schließlich haben sie Urlaub, kein Termin drängt. Liebevoll deckt er den Frühstückstisch. Frische Brötchen stehen da, leckere Marmeladen und köstlich duftender Kaffee. Seine Frau möchte nur noch kurz ins Bad. Als sie nicht wieder zurück kommt, schaut er nach ihr. Da liegt sie, leblos, kein Puls, keine Atmung. Er wählt die 112, wird vom Disponenten zur Herz-Lungen-Reanimation angeleitet. Nach wenigen Minuten schon treffen Notarzt und Rettungsassistenten ein. Doch auch sie können nicht mehr helfen.

„Ihre Frau ist tot.“ Diese Worte treffen wie ein Hammerschlag. Die Angst vor der Einsamkeit steigt in ihm auf. Einer der Helfer sagt: „Wir können jemanden alarmieren, der jetzt für sie da ist.“ Dankbar nimmt er das Angebot an.

Einige Zeit später klingelt es an der Haustür. Ein Mann und eine Frau stehen da. „Notfallseelsorge“ und „Krisenintervention“ steht auf ihren T-Shirts. Sie stellen sich vor, doch ihre Namen dringen nicht zu ihm vor. Sie sind in diesem Augenblick ohne Bedeutung. Wichtig ist nur, dass er jetzt, in diesem Augenblick, nicht alleine ist.

Seit 20 Jahren gibt es nun im Landkreis Heidenheim das Angebot der Notfallseelsorge, genau halb so lange den Kriseninterventionsdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Dort engagieren sich die unterschiedlichsten kirchlichen Mitarbeiter ebenso wie Ehrenamtliche. Was motiviert sie, sich in die Not anderer Menschen hineinzubegeben, Schmerz und Trauer zu teilen und auszuhalten? Es ist der Wunsch, diesen anderen Menschen, Betroffenen und Einsatzkräften, helfend zur Seite zu stehen.

Bewusst oder unbewusst folgen sie damit dem Beispiel Jesu, der sich den Menschen in Not zugewandt hat und das auch von seinen Nachfolgern erwartet. Auf nichts kommt es mehr an, als Gott und die Menschen zu lieben: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Nirgendwo wird diese Liebe sichtbarer als dort, wo wir uns dem Menschen zuwenden, der uns jetzt gerade braucht.

Rolf Wachter
Pfarrer in Heuchlingen und Heldenfingen
Leiter der Notfallseelsorge im Landkreis Heidenheim

Sonntagsgedanke, 07.10.2018

Erntedankfest - An Gottes Segen ist alles gelegen

„Wenn du gleich hundert Jahre pflügest und aller Welt Arbeit tätest, so könntest du doch nicht einen Halm aus der Erde bringen, sondern Gott macht, während du schläfst, ohne alle deine Werke aus dem Körnlein einen Halm und darauf viele Körner, wie er will.“

Dieses Lutherzitat drückt eine Erfahrung aus, die alle kennen, die in der Landwirtschaft arbeiten oder einen eigenen Garten haben. Kurz gesagt: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“

Dieselben Erfahrungen machten auch die Menschen in unserer Gegend vor über 200 Jahren. Nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien war es im Jahr 1816 zu Missernten gekommen. Das Jahr 1817 erfreute die Menschen dagegen mit Dankbarkeit über den Erntesegen. Sie spürten, dass sie nicht allein von der eigenen Hände Arbeit ernähren können, sondern dass dafür auch der Segen Gottes nötig ist. Auf den ersten Erntewägen, die damals eingeführt wurden, stand deswegen als Dank zu lesen: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“

Der württembergische König Wilhelm I. führte am 27. September 1818 ein allgemeines Erntedankfest ein, das wir heute noch als „Canstatter Wasen“ kennen.

Jedes Jahr wird auch in den Kirchen an Sonntag nach Michaelis (29. September) bzw. am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest gefeiert. Christen drücken an diesem Festtag ihren Dank damit aus, dass sie von ihrem erhaltenen Erntesegen einiges für den Erntedankaltar spenden. Oder durch die Teilnahme am Erntedankgottesdienst, wo sie durch ihre Gebete und Lieder den Dank dem Geber aller guten Gaben zum Ausdruck bringen.

Pfarrer Armin Leibold
Ev. Kirchengemeinde Schnaitheim

Sonntagsgedanke, 23.09.2018

„Wollt Ihr ewig leben?“ 

Glaubt man dem britischen Bio-Informatiker Aubrey de Grey, so ist es nur noch eine Frage der Zeit bis ein Ur-Wunsch der Menschheit endlich in Erfüllung geht: Unsterblichkeit. Der erste Mensch, der 1000 Jahre alt wird, sei heute schon geboren (ZEIT-Magazin Nr. 37/2018). 

Schöne neue Welt dachte ich mir dann bei der Lektüre des dazugehörigen Artikels („Der Mann, der ewig leben will“) und fragte mich, ob ich selbst denn 1000 Jahre alt werden und den Weltenlauf mit all seinen Veränderungen und Umbrüchen, die ein Millennium so mit sich bringt, tatsächlich miterleben möchte. Wollten Sie? Worauf würde ein heute 1000-Jähriger denn zurückblicken? Was hätte er schon alles gesehen und erlebt? 

Seit es den Menschen gibt, sehnt er sich danach, die größte Kränkung seines Lebens, nämlich die Endlichkeit des Seins, zu überwinden und der Vergänglichkeit, die unseren Weltenlauf bestimmt, ein Schnippchen zu schlagen. Anstelle die einem zur Verfügung stehende Lebenszeit dafür zu nutzen, diese Welt, die auch im 21. Jahrhundert von einer zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit geprägt ist, für alle zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen, nutzen diejenigen, die es sich leisten können, ihre gesamten anvertrauten Talente dazu, sich selbst unsterblich zu machen und vergessen dabei allzu gerne, dass das wahre Heil niemals aus der Hand des Menschen kommen kann.   „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.(1 Joh 5,4) Unter diesem Wort aus dem ersten Johannesbrief steht die kommende Woche und passend dazu wird morgen früh in vielen Gottesdiensten das Wochenlied (EG 346), das mit seinem Text einen wohltuenden Gegenpol zu all den vermeintlichen Heilsbringern und -versprechen unserer Zeit bildet, gesungen: 

1. Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; 
mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen.
Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu überwinden. 

2. Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben; 
hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. 
Uns wird das Heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht, 
der für uns ist gestorben.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen
Pfarrer Michael Maisenbacher, Gerstetten

Sonntagsgedanke, 02.09.2018

Vertrauen

Vertrauen ist der Anfang von allem. So werben Banken um Kunden. Autokauf ist Vertrauenssache, erklären Fachhändler. Stimmen die Angaben zum Kilometerstand? Ist der Wagen tatsächlich unfallfrei?

Politiker werden nicht müde, um Vertrauen zu werben. Umfragen aber ergeben, dass sich das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger auf einem Tiefstand befindet. Auch die Kirche wirbt um Vertrauen – und hat viel davon in den letzten Jahren verspielt.

Der Dichter des 146. Psalms, des Psalms, der dem morgigen Sonntag zugeordnet ist, hat eigene Erfahrungen gemacht. Menschen versprechen viel. Am Ende stehen Enttäuschungen und von großen Plänen bleiben meist nur Bruchstücke. Selbst die besten Ideen enden oft schneller als gedacht.

„Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen. Denn des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zur Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.“ (Psalm 146,3 - 4)

Demgegenüber hält der Beter daran fest: Gott dürfen wir vertrauen. Seine Treue ist ewig. Er hat Himmel und Erde erschaffen. Seine Größe zeigt sich aber gerade darin, dass er sich Menschen zuwendet, die in der Welt wenig gelten, die buchstäblich „klein“ sind: „… Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der Herr liebt die Gerechten. Der Herr behütet die Fremdlinge…“

Was der Psalmdichter beschreibt, hat auch Jesus gesagt und getan. Er hat Menschen von Nöten befreit, Schuld vergeben und inmitten der alten Welt die Spur für eine neue gelegt.

Viele fragen: Warum hat er das Böse nicht aus der Welt geschafft? - Offenbar geht Gott einen anderen Weg: Er hat das Böse ertragen – getragen – bis zum Tod am Kreuz. Er ist selbst einer von diesen „Niedergeschlagenen“ geworden.

Nicht mit Macht und Gewalt wirbt er um unser Vertrauen. Mit Macht und Gewalt kann man dafür sorgen, dass auf den Befehl eine Art von Gehorsam folgt. Vertrauen lässt sich nicht erzwingen. Vertrauen geschieht in Freiheit. Vertrauen aber ist der Anfang von allem anderen.

Dr. Karl-Heinz Schlaudraff
Dekan

Sonntagsgedanke, 12.08.2018

Ent-spannung…

Es geschah im letzten Sommerurlaub. Wie jedes Jahr hatte ich mich mit meinem Patenkind und dessen Familie zu einer mehrtägigen Radtour aufgemacht. Mein Fahrrad war schwer bepackt: Zelt, Schlafsack, Proviant, Kleidung und vieles mehr. Über den Satteltaschen war ein großer Berg an Packstücken befestigt, die alle gut mit einem dicken Spanngurt gesichert waren.

Auf einem holprigen Radweg am Rhein entlang passierte es: Ohne Vorwarnung riss der dicke Gurt. Die Gepäckstücke fielen nach allen Seiten. Weil sich das lose Ende des Spanngurtes im Ritzel verfing, blockierte das Hinterrad - und ich stieg auf eine Art und Weise vom Fahrrad ab, die ziemlich schmerzhaft war…

„Kein Wunder, dass der Gurt gerissen ist“, meinte der Vater meines Patenkindes. „Seit Jahren spannst Du den Gurt bei jeder Tour bis an die Grenze. Klar, dass der das irgendwann nicht mehr aushält…!“.

So ist es beim Radfahren. Und so ist es oft auch bei uns Menschen: wenn jeder an uns zerrt und zieht, wenn wir beruflich und privat bis an die Grenze „einge‑spannt“ sind, wenn wir dauernd terminlich unter „Hoch-spannung“ stehen, dann kann es passieren, dass die An‑spannung eines Tages zu groß wird – und etwas in uns zerreißt…

Zurecht wünschen wir uns deshalb in der Urlaubszeit vor allem eines: Ent-spannung. Zur Ruhe kommen, Kopf und Gedanken frei bekommen, danach sehnen wir uns.

Schon Jesus hat gewusst, wie wichtig Entspannung ist. Die Bibel erzählt immer wieder davon, wie er die Stille des Morgens und der Einsamkeit gesucht hat, um zur Ruhe zu finden: „Und am Morgen, noch vor Tage, stand Jesus auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort“ (Markus 1,35).

Der amerikanische Journalist Charles Kuralt schreibt einmal im Rückblick auf sein Leben: „Die schönsten Erinnerungen sind stets Erlebnisse, für die man sich Zeit genommen hat. Ich weiß genau, dass ich immer durchs Leben gehetzt bin, zu viel Ungeduld und Rastlosigkeit im Gepäck gehabt, zu viele Chancen verpasst, zu viele wertvolle Menschen im aufgewirbelten Staub übersehen habe“.

Dass Sie in diesen Sommertagen Ruhe und Entspannung finden und erleben, wünsche ich Ihnen von Herzen.

Pfarrer Steffen Palmer, Evangelische Kirchengemeinde Sontheim/Brenz

Sonntagsgedanke, 27.07.2018

In den vergangenen Tagen wurde ich immer häufiger darauf angesprochen, dass „die Kirche“ nichts zur aktuellen Flüchtlingsdebatte sage!

Allein die Aufzählung, wer und wann sich von „den Kirchen“ zu Wort gemeldet hat, würde diesen Artikel sprengen. Vielleicht hören wir nicht mehr hin und nicht mehr zu? Hören nur auf die „Marktschreier“?

Mir fiel dieser Tage ein Text des verstorbenen Schweizer Pfarrers Kurt Marti von 1995 (!!) in die Hände, den ich Ihnen, in Auszügen, zum Weiterdenken für diesen Sonntag mitgeben möchte:

Touristen, Flüchtlinge

An Grenzübergängen, in Flughäfen kreuzen sich hie und da ihre gegenläufigen Wege. Die einen Reisen dorthin, von wo die anderen fliehen.

Für Tourismus und Hotellerie werden Fachleute ausgebildet. Beamte, die sich – wo auch immer – mit Flüchtlingen befassen, haben nie eine vergleichbare Ausbildung absolviert. Paragraphenkenntnis genügt.

Niemand hat hierzulande eigene Flüchtlingserfahrung, auch die Beamten nicht, die über die Flüchtlinge entscheiden. Wenn sie reisen, reisen sie freiwillig, als Touristen. Erwarten sie deswegen, dass Flüchtlinge mit ordentlichen Ausweispapieren und Attesten wie Touristen einreisen? Wenn nicht, sind sie illegal hier.

Misshandlungen, Vergewaltigungen, Folterungen? Für Beamte nichts als Behauptungen, solange sie nicht schwarz auf weiß von der Polizei des Folterlandes bestätigt worden sind. Vertrauenswürdig für die Behörden hier sind die Behörden dort. Flüchtlinge hingegen bleiben „Asylanten“.

Wessen Ahnen, Urahnen waren einst nicht ebenfalls Flüchtlinge, in den meisten Fällen wohl „Wirtschaftsflüchtlinge“? Sind die Flüchtlinge von heute nicht vielleicht die Regierenden von morgen? Soweit allerdings kann nicht vorausdenken, wer die Geschichte kaum kennt und darum aus ihr nichts gelernt hat. Anders die Juden, die sich ihre Geschichte stets von neuem vergegenwärtigen.

Wer die Ursprünge der eigenen Geschichte im Fliehen, Umherirren, Suchen (nach Nahrung, nach Sicherheit) weder vergisst noch verdrängt, erkennt im Flüchtling, im Fremden, das Bild der eigenen Vorfahren wieder und bleibt darauf gefasst, dass deren Schicksal plötzlich auch wieder das eigene werden kann. Nicht zufällig schärft gerade die hebräische Bibel das Gottesgebot ein, Fremde und Flüchtlinge aufzunehmen, vor Willkür zu beschützen, vor Entrechtung zu bewahren.

Soweit Kurt Marti. (Kurt Marti: Im Sternzeichen des Esels. Sätze. Sprünge. Spiralen, Nagel & Kimche)

In diesem Sinne reden „die Kirchen“ nicht nur, sondern handeln auch danach!

Ich wünsche Ihnen eine schöne Ferien- und Sommerzeit, wo auch immer!

Eva Glock
Mitglied der Landessynode und der EKD-Synode

Sonntagsgedanke, 01.07.2018

Das Handy als Spiegel umfunktioniert sitzt sie da. Sie betrachtet sich von allen Seiten und widmet sich  hingebungsvoll ihrer Schönheitspflege. Erstaunt beobachte ich die unglaublich vielen Grimassen, die die junge Frau ziehen kann und die Veränderung vom blassen Montag-Morgen-Gesicht in einen bunten Paradiesvogel. Zuletzt noch die Wimpernzange… fertig. Und das alles bei Tempo 250  im ICE Großraumwagen zwischen Bonn und Frankfurt.

Für mich ein Bild für den modernen Menschen.

War es früher das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf, mit dem viele Menschen herumliefen und wie vernagelt nichts sahen, ist heute aus dem Brett ein Spiegel geworden, in dem sich die Menschen nur noch selbst sehen – ohne Hemmungen und ungeniert. Du musst dich behaupten, die Ellbogen ausfahren. Der andere: ein Konkurrent, ein Gegner. So geht das schon im Kindergartenalter los. In der Schule sehen sich Lehrer immer öfter grenzenloser Egomanie gegenüber. Lauter kleine Ich-AGs, die nur auf die eigene Jahres-Bilanz schauen.

Und dann heißt es Gas geben, im Beruf wie auch privat. Das Lebensgefühl ganz vieler ist von der Angst bestimmt, etwas zu verpassen oder zu kurz zu kommen. Das Selbstwertgefühl misst sich an der Leistung: Du bist, was Du leistest. Und wenn Du wirklich willst, kannst du alles erreichen.  Du bist gefragt, du hast es letztlich selbst in der Hand – oder bist selber schuld. Also besser Vollgas! Für erschreckend viele Menschen endet das in einem  Burnout.

Wir sollten beginnen, uns ernster zu nehmen – und nicht ganz so wichtig. D.h. meine Grenzen zu sehen und zu akzeptieren. Dh. auf mich zu achten und dabei den anderen auch im Blick zu haben. Dh. zu erkennen, dass es auch ohne mich gehen kann und zusammen mit anderen oft noch viel besser. Das ist ein ganz anderer Lebensentwurf. Ich brauch nicht alles aus mir selbst zu schaffen. Ich kann das auch gar nicht. Das kann viel Druck von mir nehmen. Und das schönste ist: Das Wesentliche schenkt uns Gott – einfach so.

Aus  Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben. Und das nicht aus euch: Gottes Geschenk ist es. Eph. 2,8

Pfr. Rolf Bareis, Brenz/Bergenweiler

Sonntagsgedanke, 17.06.2018

Kann ich mich drauf verlassen…?

Verlässlichkeit bedeutet im herkömmlichen Sinn, dass ich mich auf etwas oder auf jemanden verlassen kann, es ist eine Tugend, eine Charaktereigenschaft. Verlässlichkeit kann sogar ein technischer Begriff sein wie z.B. in der Materialkunde oder ein mathematischer Begriff der Statistik.  Glaubwürdigkeit, Authentizität, Echtheit, Pflichtbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein, das sind alles ähnliche miteinander verwandte Synonyme, die im positiven Sinne hilfreiche Eigenschaften darstellen. Im übertriebenen Sinne kann dies zu Engstirnigkeit, Intoleranz,  oder auch Engherzigkeit führen. Ausgeglichen könnte dies werden mit  Spontaneität und Flexibilität, Originalität und Liebe.

Ob für mich etwas oder jemand verlässlich ist, zeigt sich, wenn ich für mich selber überprüft habe, ob Versprechen eingehalten werden, ob auf Worte – Taten folgen, oder ob in unklaren Situationen Entscheidungen getroffen werden. Verlässlichkeit zeigt sich auch, wenn eben z.B. Geräte bei Benutzung funktionieren, wenn eine Sache oder gar eine Beziehung bei Belastung standhält. Nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich die Aufgaben erfüllen werde, die ich übernehme.

Im Arbeitsleben wie in der Partnerschaft ist Verlässlichkeit eine elementare Voraussetzung für gelingende Beziehung. Im besten Fall bildet sich ein festes Netz, das Halt, Kraft und Stärke gibt.

Unpopuläre Entscheidungen aufzuschieben – das könnte man als das Gegenstück von Zuverlässigkeit betrachten, dies kostet am Ende Zeit, Kraft und Nerven. Anstehende Aufgaben schweben über einem, wenn man ständig an das denken muss, was noch zu erledigen wäre. Dies ist nicht nur sehr unprofessionell, es ist auch schlecht für die eigene Psyche. Dabei wird man selber ungeduldig und nach einiger Zeit vielleicht auch wütend oder traurig über sich selbst. Jedes „unter den Teppich kehren“ - so die Erfahrung - wird sich irgendwann einmal rächen.

Sicherlich gibt es Zustände oder Dinge, die gerade in der Schwebe stehen. Bis zu einer endgültigen Entscheidung fehlen vielleicht noch Fakten oder ein genauer Plan. Zu diesem Zeitpunkt kann man vermeintlich keine verlässliche Aussage treffen. Doch wie geht es weiter, wenn dieser Zustand über lange Zeit erhalten bleibt? Wie verlässlich bleibt Geplantes und oder Gesagtes?

Klare Aussagen schaffen Vertrauen – und wer verlässlich ist, der ist auch vertrauenswürdig.

Bei gemeinsamen Teamwochenenden haben wir im Leitungsteam der Sozialstation Aufgaben miteinander gelöst und hierbei zählte vor allem, sich vertrauensvoll in die Hände der anderen begeben zu können. Beispielsweise die Aufgabe, auf eine Leiter zu steigen, die frei im Raum steht und nur von 4 Seilen, die verlässlich an jeder Ecke von je 2 Personen gehalten werden, im Gleichgewicht bleibt.. Ich weiß mich unterstützt und ich kann mich darauf verlassen, dass zum Beispiel die Leiter auf der ich stehe, von allen Seiten gehalten wird und nicht umkippen wird.

Der Wunsch nach Verlässlichkeit und Planungssicherheit ist der menschlichen Natur inne. Doch ein vertrauensvoller Weg ist in jedem Fall: Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht nur auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn, so wird er dich recht führen.

Darauf können wir uns verlassen..

Bärbel Gekeler
Geschäftsführerin Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land

 

Sonntagsgedanke, 03.06.2018

Volltreffer!

Auf den ersten Blick eine normale Wohlfahrtsbriefmarke. 2001, Satz „Internationale Filmschauspieler“, fünf Marken, Katalogwert insgesamt: 12 Euro. Und dann ist da noch ein Wert mit der Abbildung von Audrey Hepburn. Nichts Besonderes, könnte man meinen. Wenn Sie diese Briefmarke irgendwo finden, halten Sie sich gut fest – sie ist schlappe 65.000 Euro wert! Die Marke wurde nämlich kurz vor Erscheinen zurückgezogen, nachdem Hepburns Erben der Darstellung mit der Zigarette die Zustimmung verweigerten. So wurde die Auflage wieder eingestampft, einige Bögen gelangten aber trotzdem in Umlauf. Wer als Sammler diese Marke etwa in einer „Kiloware“ entdeckt, hat den Volltreffer seines Lebens gelandet.

Einmal einen Volltreffer zu landen, im Glück zu baden – diese Sehnsucht schlummert in jedem von uns.

Jesus knüpft in einem Gleichnis exakt daran an:

In Matthäus 13,44 lesen wir: „Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.“ Auch da macht einer den Fund seines Lebens. Jesus vergleicht das Evangelium, die frohe Botschaft, mit einem unendlich wertvollen Schatz. Evangelium: die unerhörte Tatsache, dass der heilige Gott, der alles Recht hätte, uns zu verdammen, uns gnädig ist. Er errettet die, die glauben, vor Hölle, Sünde, Tod und Verdammnis und schenkt ihnen die Ewigkeit in höchster Qualität – in seiner Gegenwart. Dies, so Jesus, ist nun wirklich alles andere als selbstverständlich und nur als absoluter Volltreffer zu bezeichnen.

Das Kostbarste, das es gibt, eben das Evangelium, behandeln wir leider oft als Schleuder- und Ramschware und gehen achtlos daran vorbei. Wie wäre es, wenn wir ganz neu diesen Schatz der Guten Nachricht und seinen Wert für uns entdeckten? Ich wünsche Ihnen, dass Sie hier Ihren persönlichen Volltreffer landen!

PS:
Stöbern Sie doch einmal in Ihren Briefumschlägen und Briefmarken, wer weiß ...?

Pfarrer Andreas Neumeister, Steinheim

Sonntagsgedanke, 26.05.2018

Dreieinig?

„Man fragt ums Was, und nicht ums Wie

Krieg, Handel und Piraterie,

dreieinig sind sie, nicht zu trennen.“ (Faust II, 5. Akt)

Eine wahrhaft teuflische Dreieinigkeit, von der Goethes Mephistopheles hier spricht: Krieg, Handel und Piraterie. In Zeiten drohender Handelskriege wird uns das unentwirrbare Ineinander und Zueinander von Interessen und Methoden vor Augen geführt. Handelsbilanzen, die scheinbar nur etwas über die Beliebtheit von Produkten oder den Erfolg ihrer Vermarktung aussagen, werden unter der Hand zum Kriterium, das über Freund und Feind entscheidet. Krieg, Handel und Piraterie, diese unheilige Dreieinigkeit tritt in diesen Tagen in sehr unterschiedlichen Manifestationen in Erscheinung: Die Spanne reicht vom Tweet bis zum Flugzeugträger.

Morgen feiern wir das Fest der Heiligen Dreieinigkeit.

Dreieinigkeit, mit diesem Begriff benennt und umschreibt die christliche Theologie das Wesen Gottes. Allerdings erreicht hier das Ineinander und Zueinander den höchsten Grad der Unverständlichkeit. Das muss nicht verwundern. Was wäre ein Gott, der sich mit unserem Verstand umgrenzen und umfassen ließe? Ein von Menschen konstruierter Gott.

Wir sprechen von dem einen Gott und verstehen uns ganz selbstverständlich als Monotheisten. Gleichwohl sprechen wir in Übernahme der altkirchlichen lateinischen Begriffe von drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

In der Bibel begegnet die „Dreieinigkeit“ beispielsweise im sogenannten „Missionsbefehl“, als Jesus vor seiner Himmelfahrt die Jünger aussendet mit den Worten: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ist die menschliche Logik nicht fähig, das Wesen Gottes zu ergründen, so lässt sich doch nacherzählend von der Dreieinigkeit Gottes sprechen: Der Vater, der uns geschaffen hat. Der Sohn, der uns erlöst hat. Der Heilige Geist, der durch das Wort Gottes in uns wirkt.

Philipp Melanchthon, der Freund und Mitarbeiter Martin Luthers, schreibt im ersten Lehrbuch des evangelischen Glaubens: „Das heißt Christus erkennen, seine Wohltaten erkennen, nicht über metaphysische Dinge wie die Art und Weise seiner Menschwerdung zu spekulieren.“ Auch hier gilt also mit Goethe: „Man fragt ums Was, und nicht ums Wie…“

Kurz gesagt: Krieg, Handel und Piraterie, mit ihren Tweets und Flugzeugträgern halten uns in Atem oder lassen uns den Atem stocken.

Wie heilsam ist es da, sich auf das zu besinnen, was unser Leben ausmacht. Oder mit Melanchthon formuliert: Gottes Wohltaten erkennen: er ruft uns ins Leben, er befreit uns von Schuld, er wirkt in uns den Glauben. Darum geht’s – nicht nur am Dreieinigkeitsfest.

Pfarrer Dr. Joachim Kummer
Pfarramt Giengen Mitte

Sonntagsgedanke, 06.05.2018

Glauben 4.0

In einem Altenheim in Tokio. Kisa Okubo sitzt an einem Tisch und schaut ins Leere. Ein Mitarbeiter stellt ein glänzendes Etwas auf den Tisch. Kein Fell, keine Augen, aber die Form eines Hundes. Er kann mit dem Kopf wackeln, sich hinsetzen, Pfötchen geben. Es dauert nur Sekunden, da kommt Leben in die alte Dame. Immer wieder greift ihre Hand nach der Maschine, „liebes Hundchen, gutes Hundchen“, sagt Kisa Okubo und lacht dabei.

Ich habe Mitleid mit der Frau, die sich doch offenbar so freut. Ihre Einsamkeit vertreibt ein seelenloser Computer, der das macht, worauf er programmiert ist. Er könnte ihr auch ein Lied singen oder eine kleine Unterhaltung mit ihr beginnen.

Überall spricht man in den höchsten Tönen von der Digitalisierung, die jetzt schnell vorangebracht werden muss. Sie wird Einzug halten, nicht nur in der Industrie und in den Firmen sondern überall im Leben.

Zweifellos ist das so – aber es ist mit dem Zusatz zu versehen: Wenn wir nicht aufpassen. Der Fall im Altenheim zeigt, dass Begegnungen von Mensch zu Mensch ihren Stellenwert verlieren. Schon stellt man sich für die Zukunft vor, dass es intelligente Maschinen geben wird, die einen besser verstehen, inniger lieben und getreuer versorgen als es Menschen können. Oder wollen. Denn Menschen sind manchmal eigenwillig und schwierig. Als Menschen miteinander umzugehen, strengt an. Aber nichts kann umgekehrt ein solches Glück vermitteln, wo man sich mag, sich gegenseitig bestätigt und bestärkt. Wollen wir das wirklich wohlprogrammierten Systemen überlassen?  Ist für Christen nicht Gott gerade deshalb Mensch geworden, um uns das zu lehren: uns trotz aller Widersprüche auszuhalten. Und bei allen Fehlern uns zu vergeben. Denn das Leben verläuft nicht auf Knopfdruck und vorausberechnet ab. Es lässt sich nicht präzise einstellen und vereinheitlichen. Computer und Technik sollen als Hilfe und als Entlastung da sein, dass wir mehr Zeit haben, Mensch zu sein.

Letztendlich geht es bei aller Euphorie für die Digitalisierung darum, was am profitabelsten ist. Zum Beispiel der Computerhund im Altenheim. Der Glaube der Zukunft muss daher von solchen Ideen unabhängig bleiben und für die Liebe zum Nächsten eintreten. Sie ist durch kein Programm ersetzbar.

Ansonsten könnte es so aussehen wie in dem Bekenntnis, mit dem wir uns im Konfirmandenunterricht befasst haben: Ich glaube an Gott, den Hauptprogrammierer und an Jesus Christus, sein Update für die Welt, ins Internet gebracht durch die unbeschriebene Festplatte, bedroht vom Pontius-Pilatus-Virus, hinabgestiegen in das Reich der Gelöschten. Ich glaube an den unbegreiflichen Cyberspace, an den globalen Datentransfer und an die Ansammlung der Server. Enter! 

Frank Bendler, Evang. Pfarrer der Auferstehungskirchengemeinde Heidenheim

Sonntagsgedanke, 22.04.2018

„Jauchzet dem Herrn, alle Welt! Dienet dem Herrn mit Freuden.“

So beginnt der Psalm 100, der dem morgigen Sonntag seinen Namen gibt: Jubilate.

Gott, dem Herrn, jauchzen? Alle Welt? Dem, der das unermessliche Leid auf der Welt zulässt? Kriege, Vertreibung und Flucht. Machtmissbrauch. Inhaftierung Unschuldiger. Hunger, Krankheit und Tod. Und dazu noch die Natur, die in gewaltigen Katastrophen zahllose Menschenleben vernichtet. Ach, wir könnten diese Liste des Leides unendlich fortführen. Und doch viel eher klagen als jauchzen.

Jauchzen einem Herrn, den es womöglich gar nicht gibt? Bei allem könnten wir am Ende dann doch eher ins Zweifeln geraten. Klage und Zweifel. Das scheint in der heutigen Lebensrealität eher angezeigt zu sein als Gott, dem Herrn jauchzen. So scheinen die Verhältnisse zu sein. Hat dich das Leid ergriffen bist du unten, nichts mehr wert. Draußen. Alleine. Da ist es sicher nichts mit Jauchzen.

Seit dem Ostermorgen ist alles anders. Das Leid ist geblieben. Macht wird immer noch missbraucht zur Erniedrigung. Die Natur bleibt weitgehend unbeherrscht. Die Krankheit ist nicht besiegt und sterben müssen wir auch. Aber der Mensch Jesus, Gottes Sohn, ist auferstanden vom Leiden und vom Tod. Das können wir glauben. Damit kehrt sich die Bewertung unseres Menschseins noch einmal grundsätzlich um. Auch als die, die wir tiefes Leid tragen müssen, sind wir nicht draußen. Selbst als Sterbende verlieren wir darum unsere Würde nicht. Wenn jemand Unrecht widerfährt, weckt das Empörung und Widerstand. In der Auferstehung Jesu Christi kommt der Mensch zu seinem eigentlichen Sein, zu seinem Wert und zu seiner Würde. Vom Kreuz und der Auferstehung her kommt die Kraft im Gehalten sein bei Gott. Manch einer steht auf und geht den Weg eines neuen Lebens.

„Denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.“ So endet der Psalm 100. Also: „Jauchzet dem Herrn, alle Welt!“

Joachim Richter, Leiter des Evangelischen Verwaltungszentrums Heidenheim

Sonntagsgedanke, 08.04.2018 - Quasimodogeniti

Quasimodogeniti

Der Glöckner von Notre-Dame ist sicher vielen ein Begriff. Die Geschichte ist ein 1831 erschienener Roman des französischen Schriftstellers Victor Hugo. Er schreibt die Geschichte des missgestalteten Glöckners Quasimodo. Als extrem hässlicher Mensch wird Quasimodo dargestellt. Er hat einen Buckel und eins seiner Augen ist mit einer Warze bedeckt. Zudem ist er durch das jahrelange Läuten der Glocken taub. Seinen Namen erhielt er, weil er im Alter von etwa vier Jahren am Sonntag Quasimodogeniti auf den Treppen von Notre-Dame in Paris gefunden wurde.

Der erste Sonntag nach Ostern trägt in der evangelischen Kirche den Namen Quasimodogeniti. Das leitet sich vom lateinischen Text von 1. Petrus 2,2 ab: Seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kinder (quasi modo geniti infantes), damit ihr durch sie wachst zum Heil.

„Wie die neugeborenen Kinder“ - mit diesen Worten erinnert der Sonntag an das Osterfest. Der Sonntag steht ganz unter dem Zeichen der Ereignisse von Ostern. Genau erinnert er an das uns an Ostern gegebene neue Leben in Jesus Christus. Durch die Auferstehung hat er den Tod überwunden. Das hat Bedeutung für alle Gläubigen. Deshalb sollen sie sich, sollen wir uns fühlen wie neugeborene Kinder. Besonders gilt das für die neugetauften, deshalb entwickelte sich die althergebrachte Tradition, die Osternacht als Tauftermin zu wählen.

Wie die neugeborenen Kinder dürfen sich die Gläubigen freuen. Weil sie „geschmeckt“ haben, dass der Herr freundlich ist. Neugeborene Kinder können nur annehmen, was von den Eltern für sie getan wird. Erst später können sie lächeln. Es ist für sie selbstverständlich und auch lebenswichtig, dass sie geliebt und versorgt werden, dass die Eltern für sie da sind und mit ihnen sprechen.

Genau so hat Gott an Ostern alles für uns getan. Wir können das im Glauben annehmen, aber nichts selbst dazu tun. Darin besteht das neue Leben, dass es eine Verheißung hat: die Auferstehung. Der Tod gehört zwar weiterhin zum Leben, aber er ist nicht das Ende. So wie Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, wird für alle Gläubigen das neue Leben eröffnet. Diese Verheißung eröffnet Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben, die niemand nehmen kann.

Johannes Geiger, Schuldekan

Sonntagsgedanke, 18.03.2018

Informiert beten

Sie treffen sich einmal im Monat zum Friedensgebet: Einige freundliche älteren Damen aus verschiedenen Kirchengemeinden. Und sie tun das seit mehr als 10 Jahren.

„Es ist wichtig, um den Frieden zu beten“, „überall ist Krieg“ und: „Das können wir doch tun für die Menschen“, sagen sie und aus ihren Worten spricht Trauer über so manchen Unfrieden, aber auch Vertrauen in Gott und das Gebet.

Man hört genau, dass sie informiert sind. Sie wissen, wo Menschen leiden, in welchen Ländern Bomben fallen, wo Diktatoren ihr Volk knebeln und Menschen einander das Leben schwermachen.

Ihr Gebet für den Frieden ist informiertes Gebet und ich finde es schade, dass so wenig junge Menschen dazustoßen.

Vielleicht, weil ein junger Mensch denkt, dass er doch nichts ändern kann, vielleicht, weil er nicht (mehr) an Gott glaubt, vielleicht, weil Politiker ihm suggerieren, dass Gebet und Weltverantwortung nicht zusammengehören;
vielleicht auch, weil er denkt, Verantwortung zuallererst für das eigene Wohlbefinden zu tragen.

Ich möchte dem entgegenhalten:
Sieh dir an, was Sache ist, lass dich nicht hineinziehen in Volksverhetzung oder Stimmungsmache, in die Angst, zu kurz zu kommen; eifere nicht denen nach, die Hass predigen und Zwist säen.

Halte dich nicht an Menschenwort, halte dich an Gott und seinen Willen für die Menschen, diese Welt und diese Gesellschaft hier. Du bist nur ein Teil davon.

Die freundlichen Damen beten.

Immer wieder beten sie auch das Versöhnungsgebet von Coventry, das 1959 Einzug in die Geschichte nahm und seither jeden Freitag im Chorraum der Ruine der alten Kathedrale dort gebetet wird.

Und für heute und für dieses Wochenende möchte ich es Ihnen, liebe Leser ans Herz legen:

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3,23)
Darum beten wir:
Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist,
Vater, vergib.
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Vater, vergib.
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen,
Vater, vergib.
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,
Vater, vergib.
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,
Vater, vergib.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater, vergib.
Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, gleichwie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32) AMEN

Pfarrerin Eva-Maria Busch, Zinzendorfgemeinde Heidenheim

Sonntagsgedanke, 11.03.2018

Angesehen sein

„Meine Augen sehen stets auf den Herrn!“, bekennt der Psalmbeter (Psalm 25, 15).
Weil er die Erfahrung macht, dass er dort angesehen wird und Ansehen geschenkt bekommt!

Dazu erzähle ich ihnen eine Geschichte, die ich sehr mag:

Ein Mann besucht jeden Mittag um 12 Uhr eine Kirche. Er geht hinein und nach kurzer Zeit wieder raus. Eines Tages fragt ihn der Pfarrer neugierig: „Was machen Sie denn da jeden Mittag?“

„Ich bete“, sagt der Mann. „Sie beten? So kurz?“, fragt der Pfarrer. „Ja, ich sage: Hallo Jesus. Hier ist Johannes. Mehr kann ich nicht beten“, erklärt der Mann.

Eines Tages kommt Johannes ins Krankenhaus. Und obwohl er schwer krank ist, ist er sehr gelassen und immer guter Laune. „Wie machen Sie das, dass Sie immer gut drauf sind?“ fragen ihn die Leute. Da sagt Johannes: „Das liegt an meinem Besuch.“ Alle wundern sich, denn bisher hat noch keiner gesehen, dass Johannes Besuch bekommen hat. „Doch“, sagt der, „jeden Mittag um 12 steht er an meinem Bett und sagt: „Hallo Johannes. Hier ist Jesus!“

Ich mag diese Geschichte, weil sie zeigt, dass schon eine ganz kleine Verabredung mit Gott das Leben verändern kann. Das kann einfach ein kurzer Besuch in der Kirche sein, wenn Sie morgens auf den Markt gehen. Oder sonntags, während Gottesdienst ist. Oder Sie legen einfach mittags um 12 alles aus der Hand und machen eine Pause, wenn die Glocken läuten. So kann man ganz leicht mit Gott in Kontakt kommen und bleiben und die Beziehung bleibt lebendig.

Bei dieser Art von Beten müssen sie nichts machen.

Das Empfangen steht im Vordergrund.

Passionszeit lädt ein, mich neu in den Augen Gottes zu erkennen und sein Ansehen zu empfangen.

Pfarrer Thomas Völklein

Sonntagsgedanke, 11.02.2018

Heimat. Meine Heimat duftet nach dauerhaftem Frühling. Sie riecht wie eine Brise frische, durch die Wälder ziehende und vom Fluss mit Nebel angereicherte Luft. Heimat klingt für mich autofrei, dörflich, ruhig, so unendlich ruhig. Und sie hat Weite. Heimat ist für mich ein Blick. Ein Blick weit über das Tal hinaus, auf Wälder und ein paar wenige Häuser. Meine Heimat kann ich fühlen. Sie fühlt sich an, wie ein frisch bezogenes Kopfkissen nach einer Fiebernacht. Meine Mutter kommt rein und redet mir liebevoll zu. Und Heimat schmeckt für mich nach geklauten und viel zu früh von den Bäumen gepflückten Äpfeln auf der Wiese des Dorfbauern. Heimat, das ist „butschern“, wie man das bei mir sagte, also Herumstreunen und sich dreckig machen dürfen.

Heimat! Irgendwie steckt sie tief in uns drin. Un- und unterbewusst und manchmal doch ganz klar. Jeder trägt dabei so sein ganz eigenes Bild von Heimat in seinem Herzen. Eines haben sie gemeinsam: Sie strahlen eine Atmosphäre von Vertrautheit aus. Hier gehöre ich hin, hier darf ich sein und mich behütet und geborgen fühlen.

In der Bibel sagt Gott einmal zu Menschen, die nach einem Krieg deportiert wurden und nun fernab ihrer Heimat leben mussten: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Hesekiel 37,27). Das klingt ein wenig verrückt: Gott sucht Heimat bei uns. Er zieht bei uns ein, wenn wir ihm unser Herz öffnen. Ich kann also Heimat finden, wenn ich bereit bin, Heimat zu sein und zwar für den, der weiß, was Heimat ist, Gott selber. Bei ihm darf ich sein. Bei ihm darf ich ankommen, bin geliebt und zutiefst geborgen.

Diese Heimat, die Gott schenkt, duftet übrigens nach frischem und veränderndem Wind. Sie schmeckt freundlich, ehrlich und zuvorkommend. Sie klingt äußerst liebevoll und riecht einfach nach ihm.

Diese Heimat, die Sie für Gott sein können und die er für Sie sein möchte, darf ich Ihnen wünschen.

Siemen van Freeden
Pastor der Ev. Brückengemeinde Heidenheim

Sonntagsgedanke, 28.01.2018

Brich mit dem Hungrigen dein Brot

In diesen Tagen laden evangelische und katholische Christen zum neunten Mal gemeinsam zur Vesperkirche in die Pauluskirche ein. Hier treffen sich jeden Mittag ab 11.30 Uhr (noch bis 7. Februar) Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zum gemeinsamen Mittagessen.

Schon vor der Kirche merkt man, dass da gerade etwas anders ist als sonst. Hinter der Kirche steht das Spülmobil. Vor der Kirche ein Lieferwagen, der die Mahlzeiten anliefert und überall legen eifrige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hand an.

Wer einen Blick in die Kirche wirft, ist überrascht. Überall wo zwischen den Bänken Platz ist, sind Tische und Stühle gestellt. Ja, einige Bänke sind sogar entfernt worden, um Platz zu schaffen.

So können die Mitarbeiter, die Essen und Trinken servieren, Tag für Tag mehr als 200 Mahlzeiten ausgeben. Und diese Mahlzeiten sind für jedermann erschwinglich, weil viele Einzelpersonen und Unternehmen durch ihre Spenden das ermöglichen.

Als ich in der Kirche den Blick über die Menschen schweifen ließ, kam mir unwillkürlich eine Liedstrophe aus dem Ev. Gesangbuch in den Sinn. Dort (EG 420,1) heißt es:

 „Brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus.“

 Das Haus, - die Kirche, - steht in diesen Tagen allen Menschen offen. Und viele kommen tatsächlich. Mancher sicher auch, weil er einsam ist und jemanden zum Reden braucht. Eine andere, weil sie traurig ist und jemanden braucht, der sie aufmuntert. Vielleicht mit Musik, die als Zusatzprogramm immer wieder geboten wird? Mancher kommt auch mit seinen Fragen und hofft auf ein Wort des Zuspruchs. Und das Brot, - die Mahlzeiten, - werden mit allen geteilt die da sind. Jung und Alt, Arm und Reich, Besucher und Mitarbeiter, - sie alle kommen in diesen Tagen zusammen und erleben, dass sie bei der Vesperkirche willkommen sind. Dass sie alle zusammen eine große Gemeinschaft sind. Ja, dass es einfach gut ist füreinander da zu sein!

Pfarrer Udo Schray,
z. Z. beauftragt mit der Altenheimseelsorge in verschiedenen Häusern in Heidenheim

Sonntagsgedanke, 20.01.2018

Heute gelten Linkshänder als normal. Als ich in die Schule kam, hieß es zwar: „Alle Kinder nehmen den Stift in die rechte Hand.“ Es war trotzdem ein Fortschritt, denn wir Kinder hörten nichts mehr von guten und schlechten Händen wie die Generationen vor uns. Man dachte, Linkshändigkeit sei eine Angewohnheit, die man sich einfach abgewöhnen könnte. Wie viele Kinder und Erwachsene quälten sich damit, gegen ihre Veranlagung anzugehen!

Was in den 70er Jahre die Linkshänder waren, sind heute Menschen, die Menschen ihres eigenen Geschlechts lieben und ihre Liebe und Ehe gerne in einem Gottesdienst segnen lassen würden. Die evangelische Kirche streitet seit langem darüber und kann sich bisher nicht dazu durchringen, gleichgeschlechtlichen Paaren eine öffentliche Segnung zu ermöglichen.

Manche sagen, dass Homosexualität in der Bibel nicht erlaubt ist. Das stimmt. Doch wie ist die Bibel zu verstehen? Ist sie ein Buch, das man Wort für Wort umsetzen kann? Das ist sicher nicht möglich, denn oft stolpert man beim Lesen über Dinge, die heute anders geregelt werden. Jakob hatte zwei Ehefrauen, mit denen er heute keinen kirchlichen Segen bekäme. Jesus hat sich nicht gegen die Sklaverei geäußert, und doch wurde sie zu Recht abgeschafft.

Ich verstehe die Bibel wie ein Musikstück für einen vielstimmigen Chor. Jede Stimme ist wichtig, aber nicht zu jeder Zeit. Manchmal singt man die Begleitung, manchmal die Melodie. Es gibt sogar Pausen und leise Töne. Doch erst der Zusammenklang aller Stimmen ergibt das ganze Musikstück in seiner Schönheit.

Viele Autoren haben über Jahrhunderte an der Bibel geschrieben. Nicht jeder Satz ist gleich wichtig. Entscheidend ist der Gesamtklang, die ganze Botschaft. Sie heißt: Gott nimmt uns an, wie wir sind, mit allen Eigenschaften, Anlagen, Fähigkeiten und Grenzen. Wenn wir uns durch die Taufe zu Jesus Christus halten, sind wir Kirche, und alle gehören dazu, egal, welches Geschlecht, welchen Status oder welche Nationalität wir haben (Galater 3,28).

Käthe Lang, Hellenstein-Gymnasium, Stellvertretende Schulleiterin, evangelische Pfarrerin