Sonntagsgedanke, 07.07.2019

Vom Suchen und finden

Was haben sie zuletzt gesucht? Den Schlüssel, den Geldbeutel, das Handy oder einen Parkplatz.

Ein Sprichwort sagt: „Wer Ordnung hält, ist nur zu Faul zum Suchen!“ Das stimmt natürlich so nicht. Bei Ostereiern mag das Suchen ganz lustig sein, aber im ganz normalen Alltag raubt es mir die Kraft. Die Fachleute kennen viele Tipps zu einer guten Selbstorganisation. Man soll sich angewöhnen, Dinge immer an die gleiche Stelle zu legen oder zu hängen.

Ob eine gute Selbstorganisation auch bei der Suche nach der großen Liebe, einem Platz im Leben oder dem Sinn des Lebens hilft? Das glaube ich eher nicht.

Der großen Liebe tut es nicht gut, wenn ich sie irgendwo ablege und meine, dass ich sie dort jederzeit wieder finde. Die Liebe lebt vom Geben und Empfangen. Sie lässt sich nicht irgendwo lagern.

Mein Platz im Leben verändert sich auch immer wieder. Ich habe es mit Menschen zu tun und da verändern sich Dinge. Herbert Grönemeyer hat einmal gesungen „Es bleibt alles anders“. Mit dem Sinn des Lebens sollte es sich aber anders verhalten.

Das Wichtigste in meinem Leben, das mich hält und trägt, sollte Bestand haben und sollte auch noch gelten, wenn alles andere zerbricht. Der Sinn meines Lebens sollte auch dann halten, wenn ich Tod und Endlichkeit begegne.

Aber was hält, wenn nichts mehr hält?

Menschen suchen nach Antworten. Sie suchen in der Familie, in der Medizin, in Drogen, im Sport, in der Liebe, im Geld, in verschieden Religionen und in der eigenen Kraft. Viele suchen nach Gott und dem richtigem Glauben. Sie suchen nach dem, was trägt, aber finden sie es auch?

Jesus Christus sagt in der Bibel, daß auch Gott sucht! Er sucht nicht nach einem Schlüssel oder dem Sinn des Lebens. Gott sucht nach uns! Da heißt es: „Jesus ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.« (Lukas 19,10).

Jesus will uns ewiges Leben und ewigen Halt geben. Dabei geht es nicht darum, dass wir ihn suchen, sondern, dass wir uns von ihm finden lassen.

Jörg Kresse (Leitender Referent im Ev. Jugendwerk)

Sonntagsgedanke, 16.06.2019

Dreieinigkeit: Gott lebt in liebevoller Gemeinschaft

„Gott ist die Liebe“ (so die Bibel in 1. Joh. 4,16) – können Sie sich vorstellen, dass die Liebe an sich einsam lebt, nur für sich selbst, ohne ein Miteinander?

„Lasst uns Menschen machen“ (so die Bibel in 1. Mose/Genesis 1,26) – ist es wirklich überzeugend, dass Gott da nur von sich selbst spricht, wie frühere Könige („Wir, Wilhelm, gebieten …“)?

„Der Herr, Gott, hat mich schon gehabt am Anfang seines Weges, eher er etwas schuf,… ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit.“ (So die Bibel in Sprüche 8, 22.30) – wenn von der Weisheit Gottes so geredet wird, heißt das nicht, dass Gott nie allein war?

Gott, wie von ihm in den jüdischen und christlichen Schriften erzählt wird, ist kein einsames, erhabenes, isoliertes Wesen. Der Mensch kann Gott nie ganz begreifen, aber man erfährt auf jeden Fall: Gott selbst ist eine harmonische Gemeinschaft in sich. Gott ist ein einziger – aber doch in sich bewegt, von seiner Weisheit, von seiner Liebe. Es ist dann geradezu logisch, dass Gott die Welt erschafft als sein Gegenüber, dass er Menschen als seine Partnerinnen und Partner ins Leben ruft.

Dieses Geheimnis Gottes feiern wir am Fest der Dreieinigkeit, diesen Sonntag: Gott als Gemeinschaft. Gott begegnet uns Christen dreifach: als der Vater, der die Welt geschaffen hat und erhält; als der Sohn, Jesus, der beispielhaft lebt, liebt und sich hingibt; als der Geist, der Kraft gibt, Mut macht und Leben bewahrt.

Wenn Gott so mit uns lebt, sind wir ihm am nächsten, wenn wir liebevoll zusammenhalten. Wenn er uns dann zu sich nimmt, gehen wir in seine lebendige Gemeinschaft hinein.

Dreieinigkeit ist kein verstaubtes Dogma, sondern darin steckt der ganze Segen des christlichen Glaubens. Darin liegt die Zusage, dass wir für immer in liebevoller Gemeinschaft leben können, trotz Schuld, trotz Enttäuschung, trotz Leid. Die Gnade des Herrn Jesus Christus (der selbst gelitten hat) und die Liebe Gottes (die alle Enttäuschung überwindet) und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes (die durch alles Leid und auch durch den Tod bestehen bleibt) sei mit Euch allen! (2. Kor. 13,13).

Schuldekan Dr. Harry Jungbauer, Heidenheim

Sonntagsgedanke, 09.06.2019 - Pfingsten

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Pfingsten gilt als das Frühlingsfest schlechthin. In Giengen ist Pfingsten noch mehr: Der Auftakt zum Kinderfest am Pfingstdienstag, an dem die ganze Stadt im Festzug auf den Schießberg hinaufzieht, allen voran die Musikkapelle, der Oberbürgermeister mit den Stadträten, die Abgeordneten von Bund und Land. Danach folgen unsere Kinder aus allen Schulen – die eigentlichen Hauptpersonen dieses Tages. Viele ehemalige Giengener reisen zum Kinderfest eigens an.

 

Zum Pfingsttag, wie er in der Bibel beschrieben wird, waren ebenfalls viele Menschen aus aller Herren Länder nach Jerusalem gereist, um das jüdische Wochenfest zu feiern. Ein besonderer Gast, den Jesus vor seiner Himmelfahrt angekündigt hatte, sollte das Pfingstfest zu dem machen, was es ist: Gottes Geist kam herunter auf die Apostel. Die Jünger sprachen zu den Menschen, erfüllt mit dem Heiligen Geist, und erzählten ihnen von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, den Gott für uns in die Welt gesandt hat.

 

Das wunderbare an Pfingsten war damals: alle Menschen verstanden, was die Jünger sagten, obwohl sie deren Sprache nie gelernt hatten. Und viele, die die Jünger hörten, kamen zum Glauben an Jesus Christus und wurden Christen. Aus dem verängstigten und versprengten Häuflein der Jünger Jesu wurde durch den Pfingstgeist eine mutige und fröhliche Gemeinschaft, die nun bereit war, das Evangelium in die Welt zu tragen. Dieser Geist von Pfingsten wirkt bis heute in der ganzen Welt und baut Gemeinde. Mal weht er stärker, mal schwächer, mal scheint es uns, als habe er aufgehört zu wehen. Dann wird es Zeit, dass wir wieder um diesen Geist bitten und uns die Augen und das Herz öffnen lassen, damit wir sehen lernen.

 

Pfingsten ist das Fest der „Ausgießung des Heiligen Geistes“. Pfingsten bedeutet: Gott lässt sein Wort ausrichten und schickt uns seinen Geist, damit wir es glauben und verstehen können. Damit gilt Pfingsten als Geburtsstunde der Kirche und das jährliche Pfingstfest ist somit der Geburtstag der Kirche.

 

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest, wo immer sie es verbringen mögen, dass Sie das Wirken des Heiligen Geistes auch in ihrem Leben erfahren dürfen.

 

Ihr
Dr. Joachim Kummer, evangelischer Pfarrer in Giengen

Sonntagsgedanke, 05.05.2019

Die Osterbotschaft aus Sri Lanka.

Sicher hat Sie die Nachricht über die Anschläge in Gottesdiensten und Hotels am Ostersonntag in Sri Lanka auch erschüttert.

Sehr bewegt hat mich die Reaktion des Parlamentsabgeordneten Abraham Sumanthiran, dessen Rede vor dem Parlament in Sri Lanka ich vom Leiter einer Bibelschule in Colombo zugeschickt bekam:

„Ich stehe hier mit schwerem Herzen, um einige Worte zu den Vorkommnissen zu sagen. Zunächst möchte ich allen Angehörigen und Freunden derer, die am Ostersonntag getötet wurden, unser tiefes Beileid aussprechen und wir beten für die rasche Genesung der Verletzten.

Ich bin Christ, und ich teile in dieser Zeit die Trauer der christlichen Kirche in Sri Lanka. Wir glauben an Jesus Christus, der in diese Welt kam, der gelitten hat wie wir und das Schlimmste allen Bösen auf sich genommen hat und zu Unrecht gekreuzigt wurde. Aber er hat alles Böse durch seine selbstaufopfernde Liebe besiegt, was wir an Ostern – dem Auferstehungstag -feiern. Wir trauern - aber wir werden Hass und Rache keinen Raum geben. Ich kann nur Rev. Fr. Jude Fernando zitieren, der die Ostermesse in der St. Antonius-Kirche in Kochchikade feierte, als die Explosion stattfand. Ich zitiere:

‚Wir lieben den Frieden. Wir verzeihen. Unser Gott ist ein Gott des Friedens, er ist kein Gott der Rache. Wir lieben uns gegenseitig, wir vergeben.‘“

Jesus hat das Böse besiegt, indem er Böses nicht mit Bösem vergolten hat, sondern indem er das Böse an sich selbst hat austoben lassen. Durch seine selbstaufopfernde Liebe hat er uns vergeben, was wir Böses getan haben. Weil er uns schon längst vergeben hat, sollen auch wir vergeben. Uns fällt es oft schon schwer, Kleinigkeiten zu vergeben. Die Christen in Sri Lanka haben uns vorgelebt, was Vergebung im Extremfall bedeuten kann.

Pfr. Andreas Kammer, Mergelstetten

Sonntagsgedanke, 07.04.2019

Endlich wird es Frühling, werden die Bäume wieder grün, treibt es neues Leben ans Licht. Ein Aufatmen nach dem Winter.

Gleichzeitig befassen sich Christen in den Wochen vor Ostern jedes Jahr mit dem Thema Leid, erinnern an den Weg, den Jesus bis zu seiner Kreuzigung gehen musste.

Was für ein Gegensatz! Und was für ein schwieriges Thema.

Der junge Pfarrer geht zu einer Sterbenden. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er einen Menschen trifft, der nicht mehr lange zu leben hat und der das weiß. Er ist unsicher. Soll er über den Tod sprechen? Lieber würde er jetzt am Schreibtisch sitzen und die nächste Predigt schreiben.

Die Frau liegt im Bett und freut sich, dass der Pfarrer kommt. Das Fenster ist offen, zarte Frühlingsluft weht herein. Er setzt sich vorsichtig auf einen Stuhl und weiß nicht, was er sagen soll. Sie braucht Zeit zum Atmen. Ob sie Schmerzen hat? Während er noch überlegt, beginnt sie ohne Einleitung: „Draußen ist es so schön, die Bäume blühen und duften, und ich muss ausgerechnet jetzt sterben!“

Ihre Direktheit verschlägt ihm die Sprache, zögernd tastet er nach einer Antwort. „Was macht es gerade jetzt so schlimm?“ „Ich mag den Winter nicht“, sagt sie, „jetzt habe ich viele Monate die Kälte und Dunkelheit ertragen und mich auf den Frühling gefreut. Aber ich habe nicht mehr viel Zeit. Den Sommer werde ich nicht mehr erleben. Darum bin ich traurig.“

So kommen die beiden ins Gespräch. Der Pfarrer hört und staunt, wie klar sich die Frau äußert. Am Ende beten sie zusammen und bitten Gott, dieses Leben mit allem Schönen und allem Unfertigen bei sich zu bergen.

Der Pfarrer geht nachdenklich zurück an seinen Schreibtisch. Wie kostbar dieses Gespräch war! Die Frau hat ihn beschenkt, obwohl er dachte, es müsste umgekehrt sein.

Eine Hospizmitarbeiterin sagt: „Am Ende steht nur noch die Beziehung. Es ist nicht mehr wichtig, wer jemand in seinem Leben war. Es zählt nur noch die Gegenwart, der Augenblick und das, was jetzt geschieht: Schweigen, Zuhören, Beten, da Sein.

Käthe Lang, Hellenstein-Gymnasium, Stellvertretende Schulleiterin, evangelische Pfarrerin

Sonntagsgedanke, 24.03.2019

Narrheit?

In seinem Werk „Entweder – Oder“ erzählt der dänische Philosoph Sören Kierkegaard das Gleichnis von einem Theater, in dem die Kulissen Feuer fingen. Auf der Bühne erscheint der Clown, um das Publikum zu warnen und vor dem Feuer zu retten. Doch, es ist eben der Clown, der für die Vorstellung kostümierte „Hanswurst“, der die Warnung ausspricht. Und so amüsiert sich das Publikum köstlich, glaubt an einen tollen Witz, spendet Beifall. Verzweifelt wiederholt der Clown seine Warnung, doch je mehr Mühe er sich gibt, desto besser fühlt sich das Publikum unterhalten und macht keinerlei Anstalten, das bedrohliche Terrain zu verlassen. „So, denke ich“, schließt Kierkegaard grimmig, „wird die Welt zu Grunde gehen unter dem allgemeinen Jubel witziger Köpfe, die da glauben, es sei ein Witz.“

Man mag Kierkegaards Pessimismus teilen oder nicht – sein Gleichnis bleibt abgründig. Die Welt – ein brennendes Theater? Die Menschen – eine amüsierhungrige, oberflächliche Spezies? Die Wissenden – wirkungslose Unterhalter im Narrenkostüm?

Der Apostel Paulus spricht von sich selbst als Narr – als „Narr um Christi willen“. Aber für seine Botschaft will er sich nicht schämen: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die rettet alle, die darauf vertrauen…“

„Die rettet alle“. – Müssen wir gerettet werden? Eine fremdartige Vorstellung, wo wir doch an das Gute im Menschen glauben und die Wahrheit in der Tiefe der eigenen Seele suchen. Die Botschaft von der Rettung, das alte christliche Bekenntnis, dass Christus für uns Sünder gestorben ist, einst Signal zum Aufbruch, erscheint als Narrheit. – Ob es lediglich das Clownskostüm war, das in Kierkegaards Gleichnis den Misserfolg der Botschaft bewirkte? Zweifel sind angebracht. Es ist die Botschaft selbst, die verstört.

Die närrischen Bestandteile der christlichen Botschaft, die am Anfang standen, sind längst in den Hintergrund getreten, erscheinen sie doch irgendwie zu steil, zu radikal, zu unausgewogen und damit eher unpraktisch. Eine selbstzufriedene Behaglichkeit stören sie – haben sie doch etwas zutiefst Subversives.

Subversives? Kommt von lateinisch subvertere untergraben. – Möglicherweise der erste Schritt, um etwas zu verändern.

Dr. Karl-Heinz Schlaudraff, Dekan

Sonntagsgedanke, 10.02.2019

Jedes Jahr erkranken rund 49.000 Menschen neu an Krebs: Ich denke dabei gleich an unser Patenkind. Mit 3 Jahren hat es den Krebs in der Augenhöhle besiegt. Mein Volleyballtainer hat diesen Kampf verloren. Eine Freundin hat ähnliche Erfahrungen. Deshalb hat sie vor Arztbesuchen Panik. Krebs ist wie so ein „schwarzes Loch“. Ich habe Angst davor, dass ich oder andere in dessen Sog kommen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vom „baldigen Sieg über die Krankheit“ gesprochen: Die „Krankheit besiegen“ und endlich nicht mehr hilf- und sprachlos danebenstehen und Tränen schlucken müssen… Leider wurde diese Hoffnung schnell relativiert: Krebs ist und bleibt eine offene Wunde für Mediziner, Betroffene und deren Angehörige.

Die frühere Bischöfin Margot Käsmann ist 2006 an Brustkrebs erkrankt und gibt mir Hoffnung: Bei so einer Diagnose, da kommt vieles ins Stocken, wird wackelig und richtet sich neu aus. Sie hat sich für eine Therapie entschieden. Dabei hat sie erlebt, dass man eben doch nicht nur hilflos gegenüber dem Krebs ist. Ärzte, Pfleger, Angehörige und viele, viele mehr legen sich täglich schwer ins Zeug um gegen dieses „schwarze Loch“ zu kämpfen. Ihr Apell lautet „Wir müssen nicht alles auf uns zukommen lassen, verdrängen, sondern können ja auch gestalten, wie wir mit Krankheit umgehen, wie wir alt werden, wie wir sterben wollen."

Für mich wurzelt das tief im christlichen Glauben: Ob Leben gelingt oder nicht, das habe ich einfach nicht selbst in der Hand. Zu vieles kann schiefgehen – ob ich will oder nicht. Jesus hat zu jedem Scheitern – egal ob durch Krankheiten, zu hohe fremde bzw. eigene Ansprüche oder was auch immer – eine klare Position vorgelebt: „Das hat alles nicht das letzte Wort. Du kommst und du gehst an Gottes Hand – halte dich daran fest!“ Daran will ich mich gerade dann festhalten, wenn ich den „Krebs“ – dieses „schwarze Loch“ – und seinen Sog spüre.

Thorsten Kisser, Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Bolheim

Sonntagsgedanke, 27.01.2019

Dabei dachten wir doch…

Zwei Tage ist es nun her, dass ihre Welt zusammengebrochen war. Ihre Träume waren geplatzt. Ob sie sich nur ablenken wollten, oder wirklich zu tun hatten, ist schwer zu sagen. Jedenfalls machen sich die beiden Männer zu Fuß auf den Weg in den Nachbarort. Nur weg. Es ist der Ostermorgen, nur zwei Tage nach der Kreuzigung Jesu. Für die beiden ehemaligen Jesusanhänger, die da unterwegs sind, hat sich der Glaube erledigt. Ihr Vertrauen war zerbrochen. Zu groß war die Enttäuschung, dass Jesus sie allein gelassen hat. So steht es in Lukas 24, 13-35 in der Bibel. Als ein Fremder zu ihnen stößt, platzt es aus ihnen heraus: „Wir hatten gehofft, Jesus hilft uns! Aber das hat er nicht getan.“ Lange hört ihnen der Fremde zu, hat Zeit für ihre Enttäuschungen, ihre Wut und all die offenen Fragen. Schließlich beginnt er zu reden. Er sieht ihre schlechten Erfahrungen und die Last der beiden und beginnt ihnen zu erklären, wer Jesus ist und was passiert war.

Am Ziel ihres Weges sind die beiden Männer so gebannt von den Worten ihres Begleiters, dass sie ihn nicht gehen lassen wollen. So nötigen sie ihn, zum Abendessen zu bleiben. Beide spüren sie: „Hier kann ich sein. Niemand schickt mich weg, weil ich schlechte Laune habe. Meine schmerzlichen Erfahrungen haben ihren Platz.“ Beim Gebet am Tisch fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: Der fremde Mann, der ihren Schmerz und den Staub der Straße geteilt hat, war kein anderer als Jesus selbst. Zwar können sie ihn nicht festhalten, aber sie merken: Die Begegnung mit Jesus macht mich neu. So neu, dass sie es nicht für sich behalten können.

Angenommen, wir sehen hier, wie Jesus damals wie heute mit Menschen umgeht. Bei was würde Jesus Ihnen heute unterwegs zuhören? Was für einen Unterschied würde es machen, dass Sie Ihren Weg nicht allein gehen müssen? Was würde Jesus sagen, nachdem er Ihre Geschichte gehört hat?

Pfarrer Manuel Ritsch
Evangelische Kirchengemeinden Bissingen-Hausen und Dettingen

Sonntagsgedanke, 13.01.2019

Einen richtigen Schatz finden, alt und wertvoll, wer wollte das nicht wenigstens als Kind schon mal? „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) So lautet der Bibelvers, der für alle Christen in Deutschland als Jahreslosung (Motto) für das Jahr 2019 gezogen wurde. 

Dass Friede ein wunderbarer Schatz ist, das weiß man oft erst dann, wenn er verloren ging. Wenn Friede fehlt, dann fehlt nicht bloß etwas, sondern im direkten Tausch kommt der Unfriede. Ständig müssen wir an die Worte oder Taten des anderen denken. Unfriede ist wie ein spitzer Stein im Schuh! Er nimmt Freude und Zufriedenheit, ist verletzend und belastend. Wer Unfrieden kennt, sehnt sich nach echtem Frieden!

Die Bibel beschreibt Frieden nicht nur als die Abwesenheit von Krieg und Streit. Er bedeutet Gesundheit, Sicherheit, Ruhe und Zufriedenheit und betrifft alle Lebensbereiche des Menschen. Die Bibel betont, dass Friede erst dann wirksam ist, wenn er aus der Verbindung mit dem ewigen Gott kommt! An Weihnachten wird er den Hirten durch die Engel angekündigt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Bei Jesus dem Kind in der Krippe ist dieser tiefe Friede zu finden, den wir uns im Grunde unseres Herzens für das Jahr 2019 wünschen. Dieser Friede ist mehr als ein Gefühl oder die Abwesenheit von Streit, Leid und Krankheit. Dieser Friede kommt aus der Anwesenheit von Jesus Christus mitten in unserem Leben und Alltag! Wer Jesus in seinem Leben hat, hat auch im Chaos des Lebens Friede in seinem Herzen! Er weiß sich angenommen und geliebt! Dieser Friede umhüllt den spitzen Stein des Unfriedens und nimmt ihm seine spitzen Kanten. Er heilt Verletzungen und schenkt die Kraft, zu vergeben und die spitzen Steine in unserem Leben loszuwerden. Dieser Friede ist der wahre Schatz von Weihnachten, den die Weisen aus dem Morgenland in der Krippe von Betlehem finden. Als sie das Kind anbeten, da wird dieser Schatz zu ihrem persönlichen Schatz, der sie für immer begleitet. Mit diesem Schatz in unserem Herzen wird das Jahr 2019 für uns zu einem Jahr des Friedens.

Samuel Kißner
Pastor der Ev. Brückengemeinde HDH