Sonntagsgedanke, 10.02.2019

Jedes Jahr erkranken rund 49.000 Menschen neu an Krebs: Ich denke dabei gleich an unser Patenkind. Mit 3 Jahren hat es den Krebs in der Augenhöhle besiegt. Mein Volleyballtainer hat diesen Kampf verloren. Eine Freundin hat ähnliche Erfahrungen. Deshalb hat sie vor Arztbesuchen Panik. Krebs ist wie so ein „schwarzes Loch“. Ich habe Angst davor, dass ich oder andere in dessen Sog kommen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vom „baldigen Sieg über die Krankheit“ gesprochen: Die „Krankheit besiegen“ und endlich nicht mehr hilf- und sprachlos danebenstehen und Tränen schlucken müssen… Leider wurde diese Hoffnung schnell relativiert: Krebs ist und bleibt eine offene Wunde für Mediziner, Betroffene und deren Angehörige.

Die frühere Bischöfin Margot Käsmann ist 2006 an Brustkrebs erkrankt und gibt mir Hoffnung: Bei so einer Diagnose, da kommt vieles ins Stocken, wird wackelig und richtet sich neu aus. Sie hat sich für eine Therapie entschieden. Dabei hat sie erlebt, dass man eben doch nicht nur hilflos gegenüber dem Krebs ist. Ärzte, Pfleger, Angehörige und viele, viele mehr legen sich täglich schwer ins Zeug um gegen dieses „schwarze Loch“ zu kämpfen. Ihr Apell lautet „Wir müssen nicht alles auf uns zukommen lassen, verdrängen, sondern können ja auch gestalten, wie wir mit Krankheit umgehen, wie wir alt werden, wie wir sterben wollen."

Für mich wurzelt das tief im christlichen Glauben: Ob Leben gelingt oder nicht, das habe ich einfach nicht selbst in der Hand. Zu vieles kann schiefgehen – ob ich will oder nicht. Jesus hat zu jedem Scheitern – egal ob durch Krankheiten, zu hohe fremde bzw. eigene Ansprüche oder was auch immer – eine klare Position vorgelebt: „Das hat alles nicht das letzte Wort. Du kommst und du gehst an Gottes Hand – halte dich daran fest!“ Daran will ich mich gerade dann festhalten, wenn ich den „Krebs“ – dieses „schwarze Loch“ – und seinen Sog spüre.

Thorsten Kisser, Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Bolheim

Sonntagsgedanke, 27.01.2019

Dabei dachten wir doch…

Zwei Tage ist es nun her, dass ihre Welt zusammengebrochen war. Ihre Träume waren geplatzt. Ob sie sich nur ablenken wollten, oder wirklich zu tun hatten, ist schwer zu sagen. Jedenfalls machen sich die beiden Männer zu Fuß auf den Weg in den Nachbarort. Nur weg. Es ist der Ostermorgen, nur zwei Tage nach der Kreuzigung Jesu. Für die beiden ehemaligen Jesusanhänger, die da unterwegs sind, hat sich der Glaube erledigt. Ihr Vertrauen war zerbrochen. Zu groß war die Enttäuschung, dass Jesus sie allein gelassen hat. So steht es in Lukas 24, 13-35 in der Bibel. Als ein Fremder zu ihnen stößt, platzt es aus ihnen heraus: „Wir hatten gehofft, Jesus hilft uns! Aber das hat er nicht getan.“ Lange hört ihnen der Fremde zu, hat Zeit für ihre Enttäuschungen, ihre Wut und all die offenen Fragen. Schließlich beginnt er zu reden. Er sieht ihre schlechten Erfahrungen und die Last der beiden und beginnt ihnen zu erklären, wer Jesus ist und was passiert war.

Am Ziel ihres Weges sind die beiden Männer so gebannt von den Worten ihres Begleiters, dass sie ihn nicht gehen lassen wollen. So nötigen sie ihn, zum Abendessen zu bleiben. Beide spüren sie: „Hier kann ich sein. Niemand schickt mich weg, weil ich schlechte Laune habe. Meine schmerzlichen Erfahrungen haben ihren Platz.“ Beim Gebet am Tisch fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: Der fremde Mann, der ihren Schmerz und den Staub der Straße geteilt hat, war kein anderer als Jesus selbst. Zwar können sie ihn nicht festhalten, aber sie merken: Die Begegnung mit Jesus macht mich neu. So neu, dass sie es nicht für sich behalten können.

Angenommen, wir sehen hier, wie Jesus damals wie heute mit Menschen umgeht. Bei was würde Jesus Ihnen heute unterwegs zuhören? Was für einen Unterschied würde es machen, dass Sie Ihren Weg nicht allein gehen müssen? Was würde Jesus sagen, nachdem er Ihre Geschichte gehört hat?

Pfarrer Manuel Ritsch
Evangelische Kirchengemeinden Bissingen-Hausen und Dettingen

Sonntagsgedanke, 13.01.2019

Einen richtigen Schatz finden, alt und wertvoll, wer wollte das nicht wenigstens als Kind schon mal? „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) So lautet der Bibelvers, der für alle Christen in Deutschland als Jahreslosung (Motto) für das Jahr 2019 gezogen wurde. 

Dass Friede ein wunderbarer Schatz ist, das weiß man oft erst dann, wenn er verloren ging. Wenn Friede fehlt, dann fehlt nicht bloß etwas, sondern im direkten Tausch kommt der Unfriede. Ständig müssen wir an die Worte oder Taten des anderen denken. Unfriede ist wie ein spitzer Stein im Schuh! Er nimmt Freude und Zufriedenheit, ist verletzend und belastend. Wer Unfrieden kennt, sehnt sich nach echtem Frieden!

Die Bibel beschreibt Frieden nicht nur als die Abwesenheit von Krieg und Streit. Er bedeutet Gesundheit, Sicherheit, Ruhe und Zufriedenheit und betrifft alle Lebensbereiche des Menschen. Die Bibel betont, dass Friede erst dann wirksam ist, wenn er aus der Verbindung mit dem ewigen Gott kommt! An Weihnachten wird er den Hirten durch die Engel angekündigt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Bei Jesus dem Kind in der Krippe ist dieser tiefe Friede zu finden, den wir uns im Grunde unseres Herzens für das Jahr 2019 wünschen. Dieser Friede ist mehr als ein Gefühl oder die Abwesenheit von Streit, Leid und Krankheit. Dieser Friede kommt aus der Anwesenheit von Jesus Christus mitten in unserem Leben und Alltag! Wer Jesus in seinem Leben hat, hat auch im Chaos des Lebens Friede in seinem Herzen! Er weiß sich angenommen und geliebt! Dieser Friede umhüllt den spitzen Stein des Unfriedens und nimmt ihm seine spitzen Kanten. Er heilt Verletzungen und schenkt die Kraft, zu vergeben und die spitzen Steine in unserem Leben loszuwerden. Dieser Friede ist der wahre Schatz von Weihnachten, den die Weisen aus dem Morgenland in der Krippe von Betlehem finden. Als sie das Kind anbeten, da wird dieser Schatz zu ihrem persönlichen Schatz, der sie für immer begleitet. Mit diesem Schatz in unserem Herzen wird das Jahr 2019 für uns zu einem Jahr des Friedens.

Samuel Kißner
Pastor der Ev. Brückengemeinde HDH