Amtseinsetzung von Dekan Gerd Häußler am 21. Februar 2021

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Einen feierlichen Investiturgottesdienst unter Corona-Bedingungen durchzuführen, stellt eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund der begrenzten Platzzahl fand die Einsetzung des neuen Dekans im Kreis von geladenen Gästen, die gleichwohl teilweise von weither gereist waren, statt. Neben den Ehrengästen des öffentlichen und kirchlichen Lebens hatten sich auch Dekanskollegen aus Stuttgart (Dekan Soeren Schwesig), Geislingen (Dekan Martin Elsässer), Schwäbisch Gmünd (Dekanin Ursula Richter) und Aalen (Dekan Ralf Drescher) ebenso wie Weggefährten voriger Stellen von Gerd Häußler und seine Familie eingefunden.

Barocke und romantische Orgel- und Chormusik prägte den festlichen Gottesdienst und ließ fast vergessen, dass der Gemeinde der Gesang verwehrt war.

Die beiden Dekansstellvertreter, Pfarrerin Dorothea Schwarz und Pfarrer Steffen Palmer, übernahmen die Liturgie des Festgottesdienstes. Der Vorsitzende der Bezirkssynode, Kurt Keller, hielt die Schriftlesung aus dem großartigen Kapitel 13 des 1. Korintherbriefs.

In seiner Vorstellung präsentierte sich Dekan Häußler in zweifacher Weise, als Einheimischer und als Zugezogener. Als Einheimischer, weil er in Sontheim/Brenz aufgewachsen, nach der Konfirmation in die Jugendarbeit am Ort und im Jugendwerk hineingewachsen ist und in Giengen sein Abitur gemacht hat. Die raue Landschaft der Ostalb wie auch die besondere Färbung des Schwäbischen seien ihm wohl vertraut. Aber er komme auch als Zugezogener, weil er seit über 40 Jahren nicht mehr im Landkreis Heidenheim gewohnt habe. Das Studium führte den Theologen nach Tübingen und Rom. Gerd Häußler arbeitete seit seiner Ordination stets im Gemeindepfarramt und kennt sowohl ländliche als auch großstädtische Strukturen. Seine Erfahrungen von außen möchte er einbringen in künftige Aufgaben als Dekan des Kirchenbezirks und als Pfarrer der Paulus-Wald-Kirchengemeinde. Er kommt gemeinsam mit seiner Ehefrau, Gabriella Costabel, die als Pfarrerin im Oberkirchenrat in Stuttgart arbeitet. Gemeinsam hat das Ehepaar drei erwachsene Kinder, die alle am Festgottesdienst teilnahmen.

Prälatin Wulz war die Freude anzuspüren, als sie den neuen Dekan mit herzlichen Worten begrüßte. Sie nahm dem Besetzungsgremium die Verpflichtung ab, mit Gerd Häußler als Dekan zusammenzuarbeiten und ihn nach Kräften zu unterstützen, dass sein Dienst vom ganzen Kirchenbezirk mitgetragen werde. Unter dem Zuspruch von Gottes Segen setzte sie den Geistlichen in sein Amt ein.

Als Sprecher für den bisherigen Wirkungsort kam der Vorsitzende des Kirchengemeinderats von Stuttgart-Ost, Alfred Gaiser, zu Wort. Er hob die unaufgeregte lösungsorientierte Arbeitsweise ihres bisherigen Pfarrers angesichts einer Fusion zweier großer Kirchengemeinden hervor, lobte sein Organisationsgeschick als stellvertretender Dekan und wünschte ihm Gottes Segen. Gewissermaßen für die neue alte Heimat sprach Eva Glock, Mitglied im Kirchengemeinderat der Paulus-Wald-Kirchengemeinde. Sie zeigte sich hocherfreut, dass der neue Dekan mit Optimismus im Gepäck und einer hoffnungsfrohen Grundstimmung nach Heidenheim gekommen sei.

In seiner Predigt über das durchaus kritische Prophetenwort aus Jes. 58, 1-9 erwies sich Dekan Häußler als Prediger, der die historische Situation im Leben eines Bibeltextes ebenso berücksichtigt wie die Erschließung der alten Worte für heutige Hörer. Gott lasse sich nicht nur finden in der religiösen Praxis schöner Gottesdienste, sondern vor allem im Tun der Gerechtigkeit und in der Zuwendung zum Nächsten. Gespannt folgten die Gottesdienstbesucher seinen Worten, die von Gottvertrauen und einem spürbaren Pragmatismus getragen waren. „Eigentlich ist alles gar nicht so kompliziert“, fasste der Dekan die Anforderungen aus dem Predigtabschnitt zusammen.

Nach dem beschwingten Intermezzo von Charles-Marie Widor, an der Orgel vorgetragen von Dörte Maria Packeiser, moderierte die Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde, Regina Haslop, die Grußreden. Sie selbst hob die Bedeutung des Wortes hervor in Anlehnung an den Beginn des Johannesevangeliums „Im Anfang war das Wort…“ und unterstrich die Bedeutung der Worte in diesen Pandemiezeiten, wo Händeschütteln und Umarmungen unterbleiben müssen und nur Worte mitgegeben werden können als kostbare Gabe für diesen Tag.

Freundliche Worte des Willkommens fand denn auch Landrat Peter Polta, der die gute, über Jahre gewachsene Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kirchenbezirk lobte und von den gemeinsamen Arbeitsfeldern die Flüchtlingsarbeit besonders erwähnte. Oberbürgermeister Bernhard Ilg schloss sich an mit der Bemerkung, er freue sich besonders, dass der neue Dekan den Ruf Heidenheims als Kultur- und Sportstadt schätze. Auch er nannte die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Stadt und Dekanatamt insbesondere hinsichtlich der frühkindlichen Bildung in den Kindertagesstätten und der sozialdiakonischen Arbeit. Mit Eintrittskarten zu einer Kulturveranstaltung als Geschenk weckte OB Ilg die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Einschränkungen. Mit einem Schmunzeln wies der katholische Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen auf manche Übereinstimmung hin, wie die gemeinsamen Wirkungsorte Rom, Gerlingen, Stuttgart und nun Heidenheim. Mit feinem Humor deutete van Meegen die Tatsache, dass der evangelische Dekan am Faschingssonntag und dem Tag des Heiligen Valentin eingeführt wurde, beinahe als Wunder und als gutes Zeichen für eine glückliche ökumenische Zusammenarbeit.

Nach der Serenade von Derek Bourgeois sprach Schuldekan Dr. Harry Jungbauer als Vertreter der Landessynode und als Kollege für den Bildungsbereich im Kirchenbezirk. Seine herzlichen Worte zur Einführung brachten die Freude auf einen Neustart im Kirchenbezirk zum Ausdruck. Dekansstellvertreter Steffen Palmer überbrachte die Grüße der Pfarrerschaft und zog den Vergleich zwischen dem Antritt im Amt als Dekan und dem Einzug Josuas ins gelobte Land. Mit einem Augenzwinkern hob Palmer die Vorzüge des Kirchenbezirks hervor, wo ein Pfarrkollege tatsächlich der Imkerei nachgehe und eine Pfarrerin Kühe im Stall habe; der neue Dekan ziehe also in ein Dekanat, in dem Milch und Honig wortwörtlich fließen. Als Geschenk gab es allerdings keine Naturalien, sondern eine Replik der Christusfigur von Erpfenhausen.

Gerd Häußler bedankte sich bei allen Rednern und allen, die zum Gelingen des Gottesdienstes beitrugen; namentlich dankte er den beiden Dekansstellvertretern Pfarrerin Schwarz und Pfarrer Palmer dafür, dass sie nun fast ein Jahr lang die Vertretung der Dekansstelle zu ihren eigenen Dienstaufträgen geschultert haben. Leider konnte sich kein Empfang anschließen; dennoch gab es eine lange, auf Abstand bedachte Reihe von Gratulanten vor der Pauluskirche.

Text: Pfarrerin Iris Carina Kettinger, Bezirkspressepfarrerin Heidenheim