Trauer um Dekan i. R. Dr. Karl-Heinz Schlaudraff

Erst vor gut einem halben Jahr wurde Dekan Dr. Schlaudraff im Beisein seiner Familie und unter Anwesenheit geladener Gäste in den Ruhestand verabschiedet. Damals hatte er eine schwere Herzoperation überstanden und war auf dem Weg der Genesung. Am vergangenen Sonntagabend ist der ehemalige Dekan in einem Stuttgarter Krankenhaus überraschend im Alter von nur 66 Jahren verstorben.

17 Jahre lang, von 2003 bis 2020, stand er als Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks Heidenheim. Theologisches Denken wusste der promovierte Theologe mit Glaubenszuversicht und praktischem Handeln zu verbinden. Das Studium der Evangelischen Theologie führte den gebürtigen Wetzlarer einst nach Oberursel, Tübingen und Münster. Die Verbindung der Gemeindearbeit mit theologischer Wissenschaft entsprach Schlaudraffs tiefster Überzeugung. So nahm er nach dem Vikariat eine Assistentenstelle an der Universität Tübingen an, um unter dem Thema „Heil als Geschichte?“ über die Theologie des Neutestamentlers Oskar Cullmann zu promovieren. Es folgten Stationen im Gemeindepfarramt in Deggingen-Bad Ditzenbach und die Berufung als Referent ins Theologische Dezernat der Kirchenleitung, bevor er 2003 zum Dekan von Heidenheim gewählt wurde.

Strukturanpassungen in einer veränderten Gesellschaft fielen ebenso in seine Amtszeit wie große Bauvorhaben. So musste Dekan Dr. Schlaudraff drei Pfarrpläne mit dem Wegfall zahlreicher Pfarrstellen umsetzen. Ein Herzensanliegen war ihm der Umbau des Paulusgemeindehauses zum Haus der Evangelischen Kirche an prominenter Stelle in der Stadt. Nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Diakonie, die Erwachsenenbildung und das Jugendwerk haben eine neue Heimat unter einem Dach gefunden. Durch den Einbau von Kindertagesstätten in evangelische Kirchengebäude in Kooperation mit der Stadt Heidenheim gelang es, nachhaltige Quartierskonzeptionen anzustoßen und weiterzuentwickeln. Aber es gab auch schmerzliche Einschnitte. Die Waldkirche wurde nach langem, zähem Ringen aufgegeben; am Standort sollen Wohnungen entstehen. Zur finanziellen Sicherung kirchlicher Arbeit wurden die Jugend- und Sozialstiftung und die Kirchenstiftung der historischen Kirchen ins Leben gerufen. Das Diakonische Werk erfuhr unter seiner Leitung in den letzten Jahren einen kräftigen Ausbau. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt im Wirken des Dekans lag in der Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Evangelischen Allianz. Auch in der Ökumene galt er als verlässlicher Partner. Durch seine Predigten hat er viele Menschen bewegt und berührt.

Der Evangelische Kirchenbezirk und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde trauern um Dr. Karl-Heinz Schlaudraff. Er wird als ein Mann der eher leisen Töne in Erinnerung bleiben. Oft in der Stille, aber mit Beharrlichkeit und enormer Ausdauer arbeitete er daran, notwendige Reformen umzusetzen. Kirche sollte auch unter veränderten Bedingungen wahrnehmbar bleiben. Dabei war ihm wichtig, dass Menschen die Kraft des Evangeliums erfahren in der Hilfe für Bedürftige ebenso wie im Feiern von Gottesdiensten und in der christlichen Erziehung von Kindern zu einem gedeihlichen friedlichen Miteinander in einer pluralen Gesellschaft.

Die Pfarrerschaft, der Evangelische Kirchenbezirk und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde sind dankbar für den Dienst von Dr. Karl-Heinz Schlaudraff. Er möge nun ruhen in Gottes ewiger Gegenwart. In unsere Gebete schließen wir seine Ehefrau Annerose und seine Familie ein und wünschen den Trauernden Kraft und Trost.

Text: Bezirkspressepfarrerin Iris C. Kettinger, Heidenheim