Ein Theologe mit Profil

Früherer Dekan Dr. Richard Reininghaus mit 80 Jahren in Berlin gestorben. Ein Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Frömmigkeitsformen

Der evangelische Kirchenbezirk trägt Trauer: Vor wenigen Tagen starb in Berlin der frühere Dekan Dr. Richard Reininghaus, der von 1992 bis 2002 in Heidenheim wirkte und einst zum Nachfolger von Traugott Scheytt gewählt worden war.

Am 6. März 1939 wurde Richard Reininghaus in Heilbronn geboren, studierte dann in Tübingen Theologie. Als Ausbildungsvikar lernte er die Kirchspiele Weinsberg, Onstmettingen und Lauterbach kennen. Nach der zweiten Theologischen Dienstprüfung 1969 kam Reininghaus zunächst als Pfarrverweser auf die vakante Pfarrei Oberndorf am Necker, die ihm im Jahr darauf übertragen wurde. 1975 folgte der Wechsel nach Meßstetten, wo Reininghaus von 1975 bis 1985 die Kirchengemeinde versah. 1985 erfolgte die Investitur in der Pfarrei Neubulach im Dekanat Calw. Dort blieb er bis zur Wahl zum Dekan in Heidenheim im Jahr 1992.

In Reininghaus‘ Amtszeit fiel der großgefeierte 100. Geburtstag der einst zwischen 1985 und 1898 durch Felix von Berner errichteten Pauluskirche. Unvergessen ist aber auch das von Tausenden besuchte Landesmissionsfest im Jahr 2000. Im selben Jahr musste die Familie Reininghaus Sohn Jochen zu Grabe tragen, dem keiner wirklich hatte helfen können.

Als 2002 die Eheleute Lisa und Richard Reininghaus nach Onstmettingen verabschiedet wurde, war es am damaligen Schuldekan Horst Neugart, den Dekan zu würdigen. Nach ihm taten das noch viele andere Redner. Unter anderem erinnerte sich der damalige Landrat Dr. Roland Würz, zusammen mit Reininghaus einige Zeit im theologischen Seminar verbracht zu haben. Prälatin Gabriele Wulz bescheinigte Reininghaus, „die Gabe zu haben, manches nicht allzu ernst zu nehmen, ohne dabei den nötigen Ernst zu vernachlässigen“.

Die Zeiten für die evangelische Kirche waren damals schon im Blick auf die Zukunft angespannt. Es fehlte am Geld, es brauchte Visionen. Laut Gabriele Wulz blieb Richard Reininghaus während seiner zehn Jahre in Heidenheim das Vorhaben unerfüllt, weniger Zeit am Schreibtisch als vielmehr bei den Menschen sitzen zu können. „Der leidenschaftliche Theologe“ hat dem Kirchenbezirk Profil gegeben. Darin waren sich beim Abschied alle einig. Gegenüber der „Heidenheimer Zeitung“ äußerte sich Reininghaus auf die Frage, ob die Kirche (überhaupt) Zukunft habe, wie folgt: „Wir haben Visionen entwickelt und Wege aufgezeigt und wir wissen um deren Umsetzung. Letztlich aber ist die Zukunft doch nicht vorhersehbar“.

Reininghaus erinnerte sich damals auch an seine ersten Wochen auf der Ostalb: „Im Kirchenbezirk habe ich ein spirituelles Umfeld mit originellen Ansätzen in unterschiedlichen Frömmigkeitsformen vorgefunden.“ Er litt aber auch unter der Finanznot seiner Kirche, entwickelte im Verein mit anderen „eine innere Reform zum Zwecke der Einsparung“: „Es mussten neue Spielregeln gefunden werden, weil man auf die alten Modelle nicht mehr zurückgreifen konnte“.

Nach dem Abschied aus Heidenheim zog die Familie Reininghaus nach Onstmettingen. Richard Reininghaus nahm noch einmal in Tübingen ein Studium auf und schloss dieses mit der Doktorarbeit ab. Die letzten Lebenstage verbrachte er in Berlin bei der Familie seiner Tochter Eva.

Am Montag, 18. Februar, beginnt um 13.15 Uhr auf dem Friedhof in Onstmettingen die Trauerfeier.

Text: Klaus-Dieter Kirschner