Rede zum Pfarrplan 2024 von Dekan Dr. Schlaudraff vor der Bezirkssynode

Liebe Synodale,
es ist gut, dass die Diskussion um den Pfarrplan einen Anfang und ein Ende hat. Denn Sie bindet Kräfte, die wir eigentlich dringend an anderer Stelle brauchen.
Und doch war und ist der Pfarrplan Auslöser für Entwicklungen, die zu mehr Zusammenarbeit geführt haben, nicht nur in Bereichen der Verwaltung, sondern auch im gottesdienstlichen Bereich, im Bereich der Jugendarbeit, der Seniorenarbeit, der Konfirmandenarbeit der Mitarbeiterbegleitung usw.
Heute geht es freilich nicht darum, die Philosophie des Pfarrplans zu erörtern. Das haben wir getan – durchaus kontrovers.
Heute stehen wir am Ende eines Beratungsprozesses über die konkrete zukünftige Verteilung der Pfarrstellen im Kirchenbezirk. Dieser Prozess hat ungefähr vor einem Jahr begonnen.

Bewusst haben wir damals gesagt: Der Kirchenbezirksausschuss geht mit einem Vorschlag an die Gemeinden in Vorlage.

Wenn etwas auf dem Tisch liegt, hat man etwas, worüber man konkret beraten kann. Man hat etwas, von dem man sich – wenn man will – reflektiert absetzen kann.

Natürlich erweckt ein Vorschlag – zumal, wenn er vom KBA kommt – auch Befürchtungen – die Befürchtung, dass das, was auf den Tisch gelegt wird, schon festgeschrieben ist, auf Papier und irgendwo in den Köpfen.

Aber so war es weder beim letzten Pfarrplan 2018 und so war es auch dieses Mal nicht. In den Diskussionen, die die stellvertretende Dekanin und ich vor Ort geführt haben, haben sich die ursprünglichen Vorstellungen, die im KBA entwickelt wurden, verändert, teilweise grundlegend verändert – aufgrund der Argumente, die aus den Kirchengemeinden und deren Gremien und aus der Pfarrerinnen- und Pfarrerschaft eingebracht wurden.

Ich danke also vielen, die sich konstruktiv der Aufgabe gestellt haben, auch denen, die für ihre Interessen gekämpft haben, und vor allem denen, die sich auf den Weg gemacht haben, in Zukunft enger zusammenzuarbeiten und dafür Strukturen zu verändern.

Ich will nicht behaupten, dass wir sämtliche Bedenken ausgeräumt haben. Und trotzdem: Von fast allen betroffenen Kirchengemeinden wurde – häufig trotz Bedenken – signalisiert, dass man die gewonnene Regelung mitzutragen bereit ist.

Die Sitzungsvorlage folgt der in unserer Landeskirche verbindlichen Darstellungsform, die vom Oberkirchenrat und der Landessynode vorgegeben ist. Uns mag sie etwas unübersichtlich, ja manchmal umständlich erscheinen.

Maßgeblich für unseren Beschluss heute sind jedoch nur die Spalten L und N. Hier und nur hier steht was in Zukunft gilt, also was als Pfarrplan 2024 gilt.

In Spalte L steht der Umfang einer Pfarrstelle, die einer oder mehreren Kirchengemeinden zugeordnet ist.

In Spalte N steht, welche Aufgaben, die Pfarrstellen übernehmen, zum Beispiel zusätzlich in einer anderen Kirchengemeinde.

Umgekehrt ist hier festgelegt, ob eine weitere Pfarrstelle in dieser Kirchengemeinde tätig ist. Diese Dinge werden verbindlich festgelegt zunächst durch unseren Beschluss in der Bezirkssynode, endgültig aber erst durch den Beschluss der Landessynode, der Anfang Juli erfolgen wird.

Nun gibt die Spalte N auch Auskunft darüber, was von verschiedenen Kirchengemeinden an Kooperationen zum Beispiel auf der Ebene einer Gesamtkirchengemeinde oder Verbundkirchengemeinde angestrebt wird.

Diese Aussagen sind wichtige Absichtserklärungen, werden aber im Prinzip nicht von uns als Bezirkssynode bzw. dann von der Landessynode festgelegt. Über Kooperationen oder Fusionen zwischen Kirchengemeinden entscheiden grundsätzlich die Gemeinden selbst.

Ein weiteres: Für jede Pfarrstelle gibt es eine Geschäftsordnung, die festlegt, welche Aufgaben in welchem Ausmaß wahrgenommen werden bzw. wie die Verantwortung zwischen verschiedenen Pfarrstellen verteilt ist.

Solche Geschäftsordnungen werden nach Anhörung des Kirchengemeinderats, des Pfarramts und des Dekans vom Oberkirchenrat festgelegt.

Sie werden nicht im Rahmen des Pfarrplans festgelegt. Der Pfarrplan setzt im Grunde die Rahmenbedingungen, die dann, was den konkreten Dienstauftrag betrifft, von der Geschäftsordnung auszufüllen sind.

Das ist zu berücksichtigen, wenn man meint, bereits im Pfarrplan müssten die Dinge genau geregelt sein.

Ich möchte nun mit Ihnen – etwas konzentrierter als in der Herbstsynode vergangenen Oktober – die Vorlage durchgehen.

Im Distrikt Gerstellten auf Seite 1 (Vorlage) wird die Pfarrstelle Heuchlingen-Heldenfingen von 100 % auf 75 % eingeschränkt. Die mit Pfarrplan 2018 vorgenommenen Aufgabenverteilungen zwischen den einzelnen Pfarrstellen bleiben davon unberührt. Im Blick auf den Pfarrplan 2030 wird bereits jetzt eine enge Zusammenarbeit mit Dettingen empfohlen.

Wir gehen weiter zu Seite 2, zum Distrikt Heidenheim, genauer gesagt zur Gesamtkirchengemeinde Heidenheim. Zur zukünftigen Entlastung der mit etwa 2600 Gemeindegliedern großen Pfarrstelle Paulus-Wald-Kirche kommt die Versehung des Altenheims Franziskus in den Seelsorgebezirk des Dekans.

Die Pfarrstelle Heidenheim Johanniskirche in der Auferstehungskirchengemeinde entfällt. Im Gegenzug übernimmt die Pfarrstelle Versöhnungskirche einen Predigtauftrag, Seelsorgebezirk sowie weitere Aufgaben in der Auferstehungskirchengemeinde.

Im Distrikt Herbrechtingen, Seite 2 unten, entfällt die halbe Pfarrstelle in Herbrechtingen. Im Gegenzug übernimmt die Pfarrstelle Bolheim einen Predigtauftrag, Seelsorgebezirk und weitere Aufgaben in der Kirchengemeinde Herbrechtingen. Erfreulich ist, dass die Kirchengemeinden aufeinander zu gehen und sich Gedanken über vielfältige Möglichkeiten der Kooperation machen.

In der Mergelsetten reduzieren sich die derzeitigen Stellenanteile in Höhe von insgesamt 125 % auf 100 %, also auf eine ganze Pfarrstelle.

Gehen wir weiter in den Distrikt Oberes Brenztal. Hier beziehen sich die Veränderungen auf den Bereich Schnaitheim-Königsbronn-Zang. Die derzeit 100% Pfarrstelle Zang/Königsbronn II wird auf 50 % gekürzt. Sie sehen das Seite 4 oben.

Im Gegenzug übernimmt die Pfarrstelle nicht mehr einen Predigtauftrag, Seelsorgebezirk sowie weitere Aufgaben in der Kirchengemeinde Königsbronn. Hier springt der Pfarrdienst von Schnaitheim ein. Die Schnaitheim Pfarrer versehen einen Predigtauftrag und die beiden Altenheime in der Kirchengemeinde Königsbronn.

Es ist nach außen hin wahrscheinlich nicht leicht verständlich zu machen, dass die Pfarrstelle Königsbronn wiederum ihrerseits noch einen Predigtauftrag in Zang versehen soll. Diese Regelung war allerdings Teil eines Kompromisses mit dem Oberkirchenrat in Stuttgart. Es ging darum, dass eine 50% Einzelpfarrstelle, nämlich in Zang, mit Geschäftsführung und 4 Stunden Religionsunterricht Zang genehmigungsfähig wird.

Ich sage dazu, dieser Predigtauftrag von Königsbronn in Zang kann vom Umfang her nur klein sein. Er ist so gedacht, dass eine Verbindung im Rahmen der Gesamtkirchengemeinde gegeben ist, zwischen Zang und Königsbronn.

Im Übrigen kann man die gemeinsame Intention einer engen Zusammenarbeit der Kirchengemeinden Zang, Königsbronn, Schnaitheim auf der Ebene einer Gesamtkirchengemeinde nur begrüßen.

Ich möchte an dieser Stelle danken für die Kraft und Ausdauer, die das Pfarrer-und Pfarrerinnenteam dieser drei Kirchengemeinden in die nun gefundene Regelung investiert hat – auch für den Einsatz der gewählten Vorsitzenden möchte ich danken. Wir haben es uns im Oberen Brenztal nicht leichtgemacht; aber schließlich muss man Kompromisse finden, auch wenn Sie nicht allen Bedürfnissen gerecht werden. In den Geschäftsordnungen der Pfarrstellen werden wir dann festlegen, was bereits im Detail angedacht ist.

Auf Seite 4 kommen wir zur Regelung, die im Unteren Brenztal gefunden wurde bezüglich Sontheim, Brenz/Bergenweiler und Niederstotzingen. Auch hier ein Dankeschön an die Kirchengemeinderatsgremien und Pfarrer, dass Sie eine Lösung ins Auge fassen, die eine enge Kooperation der drei Kirchengemeinden vorsieht. Hier wurde meines Erachtens zukunftsweisend gedacht und geplant.

Zunächst die schlechte Nachricht: Die 50 % Pfarrstelle Brenz-Bergenweiler entfällt. Die verheißungsvolle Perspektive ist, dass Brenz-Bergenweiler und Sontheim als Kirchengemeinden fusionieren wollen und gemeinsam mit Niederstotzingen eine Gesamtkirchengemeinde anstreben.

Wie wird es bei der Verteilung der Pfarrstellen? Die derzeitige Pfarrstelle Sontheim an der Brenz wird bei Umsetzung des Pfarrplans sowohl für Sontheim als auch für Brenz-Bergenweiler zuständig sein.

An dieser Stelle kommt leider unsere Darstellung im Rahmen der landeskirchlichen Tabellen an seine Grenzen. Brenz-Bergenweiler wird, was den Pfarrdienst betrifft, nicht zum Anhängsel an Sontheim, sondern genauso wie Sontheim von der gemeinsamen Pfarrstelle versorgt. Und wenn eine Fusion beider Gemeinden kommt, umso besser.

Da jedoch die Einheit Brenz-Bergenweiler und Sontheim ziemlich groß wird, wird die Pfarrstelle Niederstotzingen dort mitarbeiten und den Seelsorgebezirk Brenz versehen, sowie weitere Aufgaben wahrnehmen, wie gesagt, das Ganze im Rahmen einer Gesamtkirchengemeinde.

Nur am Rande sei erwähnt, dass sich – selbstverständlich nicht nur hier im Unteren Brenztal, aber eben auch hier – gute Möglichkeiten für Pfarrer und Pfarrerinnen ergeben, gaben- und aufgabenorientiert zusammenzuarbeiten, in enger Absprache mit jeweiligen Schwerpunkten.

 

Ich bin damit am Ende meines Durchgangs, danke für die Aufmerksamkeit und gespannt auf Ihre Wortmeldungen.

 

Dr. KH Schlaudraff Dekan – 16. März 2018

 

Die Vorlage des Dekans wurde von der Synode beschlossen.