Wahl zur Landessynode am 1. Advent

Von links: Ralf Walter (Herbrechtingen), Schuldekan Pfarrer Dr. Harry Jungbauer (Heidenheim), Pfarrer Manuel Ritsch (Dettingen), Dr. Gabriele Schöll (Wasseralfingen), Heinz Schmidt (Neresheim), Harald Markscheffel (Oberkochen), Anselm Kreh (Giengen)

Sieben Kandidaten bewerben sich um vier Sitze in der Landessynode
Giengen. Am 1. Dezember wählen die evangelischen Christen in Württemberg ihr neues gesetzgebendes Parlament, die 16. Landessynode. Zeitgleich werden in den Gemeinden die Kirchengemeinderäte für die nächsten sechs Jahre gewählt. Das Wahlalter wurde auf 14 Jahre abgesenkt; alle Kirchenmitglieder erhalten Briefwahlunterlagen. Die Landessynode wird nur in Württemberg per Urwahl bestimmt. Hatte der Wahlkreis 15 (Aalen-Heidenheim) 2013 noch zwei Theologensitze und zwei Laiensitze, verschob sich nun das Verhältnis hin zu den Laien. In der künftigen Landessynode wird nur noch ein Theologe neben drei Laien aus dem Wahlkreis nach Stuttgart entsandt.

Sieben Kandidaten aus vier Gesprächskreisen haben sich nun in Giengen vorgestellt, wo sie der Hausherr, Pfarrer Dr. Joachim Kummer, im vollbesetzten Gemeindehaus willkommen hieß. Der stellvertretende Vorsitzende des Vertrauensausschusses, Helmut Götz aus Heidenheim, moderierte die Veranstaltung und stellte die Gesprächskreise „Lebendige Gemeinde“, das Wahlbündnis „Christen Miteinander“ („Offene Kirche“ und „Evangelium und Kirche“) und „Kirchen für Morgen“ vor. Um den Theologensitz bewerben sich der Schuldekan von Aalen und Schwäbisch Gmünd, Dr. Harry Jungbauer, („Christen Miteinander“), der bereits Mitglied der 15. Landessynode war und dort im Finanzausschuss und im Ausschuss für die Vergabe von Finanzmitteln bei Bauvorhaben („Ausgleichsstock“) saß, und Pfarrer Manuel Ritsch, Dettingen („Lebendige Gemeinde“). Pfarrer Manuel Ritsch, der nach seinem Studium einige Jahre in Heidelberg mit Theologiestudierenden arbeitete, äußerte sich kritisch zu herkömmlichen Strukturen, möchte andere Ausbildungen neben dem Theologiestudium als Zugang zum Pfarrdienst etablieren und geht künftig von einem deutlichen Rückgang an Pfarrpersonen aus, weshalb er die Zurüstung Ehrenamtlicher für pastorale Aufgaben wie z.B. die Seelsorge befürwortet. Die Ausbildung junger Vikare bezüglich Jugendarbeit hält er für unzureichend. Schuldekan Dr. Harry Jungbauer, der in Heidenheim wohnt und seit dem Tod von Schuldekan Johannes Geiger auch den Heidenheimer Schuldekanatsbezirk vertritt, sieht die Zukunft in den örtlichen Kirchengemeinden. Deshalb möchte er die Rahmenbedingungen verbessern und für eine solide finanzielle Ausstattung sorgen. Er setzt auf Entlastung der gut ausgebildeten Pfarrpersonen, damit sie sich ihrem Dienst in Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge mit Hingabe widmen können. Etablierte Felder kirchlichen Handelns wie die Kindergartenarbeit, die Seniorenkreise, die Erwachsenenbildung und den Schulunterricht hält er für Markenzeichen des evangelischen Profils. Skeptisch ist er gegenüber neuen Gemeindegründungen, vielmehr möchte er Bewährtes fortführen und ausbauen. Um die drei Laiensitze konkurrieren fünf Kandidaten mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Heinz Schmidt („Christen Miteinander“) ist Schulleiter in Neresheim und verfügt über reichlich Erfahrung in kirchlichen Gremien. Seit 1983 ist er Kirchengemeinderat und blickt auf drei Amtsperioden als Bezirkssynodaler zurück, deren langjähriger Vorsitzender er war. Er ist davon überzeugt, dass Kirche Zukunft hat und rät zu achtsamem Umgang mit bewährten Formen. Kirchengemeinden im ländlichen Raum dürfen nicht abgehängt werden, meint er. Außerdem bemisst sich nach seiner Ansicht Christsein heute am aktiven Eintreten für die Bedürfnisse von Minderheiten sowie am Bemühen um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Der Arbeitspädagoge Anselm Kreh („Christen Miteinander“) ist in der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher bei einem diakonischen Träger tätig. Fast vier Jahre arbeitete er mit seiner Frau an der Ludwig-Schneller-Schule im Libanon, wo christliche und muslimische Kinder gemeinsam unterrichtet werden. In seiner Kirchengemeinde Giengen leitet er den Posaunenchor und ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Gemeindediakonatsausschuss und Mitglied im Kirchenbezirksausschuss. Sein Augenmerk gilt der Kirchenmusik und der Diakonie. Den Rückgang an Gemeindediakonatsstellen beklagt er und möchte in der nächsten Synode gegensteuern. Die Mitte der Landeskirche soll gestärkt werden, damit Vielfalt gelingt. Harald Markscheffel („Christen Miteinander“) ist Jurist und lebt in Oberkochen. Ehrenamtlich engagiert er sich bei Zweitgottesdiensten und Glaubenskursen. Von Berufs wegen sieht er Herausforderungen der Landeskirche in der Spannung zwischen Kirchenrecht und EU-Recht, z.B. in arbeitsrechtlichen Fragen. Darüber hinaus möchte er den Pfarrdienst weitgehend von Verwaltungsaufgaben entlasten. Er legt Wert auf profilierte Kindergartenarbeit. Ökumene ist ihm ein besonderes Anliegen. Die Ärztin Dr. Gabriele Schöll („Lebendige Gemeinde“) wohnt in Wasseralfingen und arbeitet als Lehrkraft am Berufsschulzentrum Ellwangen. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen im Kirchengemeinderat und als Bezirkssynodale. Weiterhin ist sie Prädikantin im Kirchenbezirk Aalen und organsiert seit 24 Jahren Frauenfrühstückstreffen. Sie zeigt sich für neue milieubezogene Gemeindeformen offen und möchte Gottes Wort mit Alltagsbezug ausgelegt wissen. Als Alleinstellungsmerkmal formuliert sie missionarische Aufgaben, denn der Rückgang biblischen Wissens in der Gesellschaft sei alarmierend. Auch der selbständige Foto- und Videoproduzent Ralf Walter („Kirche für Morgen“) aus Herbrechtingen forciert ganz neue Gemeindeformen, wie sie in Ostdeutschland oder im anglikanischen England nach beinahe völliger Entkirchlichung entstanden sind. Ralf Walter ist kommunalpolitisch aktiv und blickt auf Gemeindeleitungserfahrung im Vorstand der Brückengemeinde Heidenheim zurück und ist dort gegenwärtig für den Bereich Evangelisation und Mission zuständig. Er möchte bedrohtes Leben schützen und Menschen für die Nachfolge Jesu gewinnen. Interessierte Nachfragen der Zuhörer kreisten um die Themen des Pfarrplans, der Kindergartenarbeit, der Zukunft des Diakonats und der Klimagerechtigkeit. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an und zeigte, wie wichtig es ist, dass die Kirchenmitglieder am 1. Dezember von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, um Kirche demokratisch mitzugestalten. Richtungsentscheidungen stehen sowohl für das kirchliche Leben nach innen wie auch für die Wahrnehmbarkeit der Kirche in der Öffentlichkeit an.

Pressepfarrerin Iris C. Kettinger